Blasenkatarrh  —  Blasenlähmung.  521

Ausheilung  besördern;  tägliche  Sitzbäder  von  35%  C.,  um  die  Blasen  und
Krusten  aufzuweichen,  den  Ausfluß  zu  vermehren  und  das  Heilbestreben  des
Organismus  anzuregen;  ganz  leichte,  milde  Pflanzenkost  und  tägliche  Stuhlentleerungen,
  viel  Zufuhr  frischer  Luft,  Bettruhe  anfangs,  tägliche  Ausgänge
später,  führen  zur  Heilung.

Blalenkatarrh  ist  sehr  schmerzhaft,  kommt  sowohl  in  Begleitung
anderer  Krankheiten  als  auch  selbständig  vor  und  kann  akut  oder  chronisch
sein.  Er  kann  durch  heftige  Erkältung  bei  gewissen  Vorbedingungen  entstehen,
bei  Tripper,  durch  häufige  Einführung  des  Katheters  in  die  Harnräöhre,  als
Reizwirkungen  bei  Blasensteinen  oder  bei  Anwendung  einzelner  scharfer  Arzneimittel,
  wie  des  Terpentins  oder  Höllensteins  usw.  Der  Urin  wird  trübe,
spärlich  und  stark  rot,  mehr  oder  minder  mit  Schleim  untermischt.  Die
Harnentleerungen  sind  schmerzhaft,  der  Harndrang  oft  unerträglich;  zuweilen
wird  der  Urin  auch  blutig  und  bei  heftigen  Fällen  eitrig.  Beim  akuten
Blasenkatarrh  fehlt  Fieber  nicht.

Behandlung.  Bettruhe,  laue  Aufschläge  auf  die  Blasengegend  und
ableitende  kalte  Arm=  und  Beinpackung  mit  Wärmfflaschen  bei  aluten  Katarrhen;
kühle  Bleibeklystiere,  Milch,  Schleimsuppen,  süßes  Beerenobst  sowie  reichliches
  Trinken  von  Obstsäften  und  beim  Nachlassen  des  Fiebers  Heißluftbad
mit  nachfolgendem  Halbbad  und  Rückenguß,  34°%  und  23°  C.,  werden  rasch
Besserung  bringen.  Bei  chronischem  Blasenkatarrh  müssen  heiße  Sitzdämpfe
mit  kühler  Kreuzdusche,  auch  heiße  Sitzbäder,  ferner  Ganzpackungen  mit
Wärmfflaschen,  bis  Schweiß  ausbricht  (siehe  „Bettdampfbad"),  angewendet
werden  und  muß  alles  Scharfe  sowie  Fleischkost  vermieden  werden.

Die  Anwendung  des  Katheters  muß  vermieden  werden,  sobald  Schmerzen
entstehen,  und  bei  Tripper,  der  bekanntlich  sehr  ansteckend  ist,  muß  dieser
besondere  Behandlung  finden.

Der  Satz  im  Urin  bei  Blasenkatarrh  besteht  aus  vermehrten  Harnsalzen
  (phosphorsaures  Magnesia),  Bakterien,  Schleimmassen,  Epithelzellen,
Eiter  und  Blutzellen.

Blalenkrampf.  Er  entsteht  bei  sehr  nervösen  Personen  (hysterischen
Frauen)  nach  Gemütserregungen,  bei  Gebärmutterleiden,  beim  Gebrauch
scharfer  Medizinen  usw.,  kommt  aber  bei  Männern  öfter  als  bei  Frauen  vor.
Die  Schmerzen  können  äußerst  heftig  werden  und  sind  mit  anhaltendem
Harndrang  verbunden,  besonders  wenn  Blasenkatarrh  besteht.

Behandlung.  Heiße  Kompressen,  warme  Vollbäder,  Leinsamentee
fürs  erste,  dann  Behandlung  der  Nervosität  oder  des  Gebärmutterleidens.

Blasenlähmung.  Sie  kann  bei  Krebsleiden  der  unteren  Beckenorgane,
  bei  Geschwüren  in  der  Blase,  bei  übler  Gewohnheit,  den  Harn  zu
lange  zu  halten,  ferner  bei  Rückenmarksleiden  vorkommen.  Es  findet  dann
keine  willkürliche  Harnentleerung  mehr  statt,  sondern  die  Blase  füllt  sich  an
und  dehnt  sich  so  sehr  aus,  daß  durch  ihren  Druck  heftige  Schmerzen  entstehen.