524  Blauer  Husten.

Die  leichten,  auch  „Windpocken“  oder  „Schafblattern“  genannt,  treten
sehr  oft  auf,  mitunter  so  leicht,  daß  sich  davon  befallene  Kinder  nicht  einmal  zu  Bette
legen,  obwohl  sich  am  ganzen  Körper  einzelne  große,  eitrige  Pusteln  vorfinden.

Die  künstlichen  Blattern  verlaufen  leicht  und  schwer,  je  nach  vorhandener
  Disposition  oder  je  nach  Beschaffenheit  des  Impfstoffes.

Behandlung.  Unterstützung  der  Hauttätigkeit  und  Verminderung
der  Hitze  ist  die  Hauptaufgabe  des  Arztes.  Feuchtwarme  Wickel  saugen  den
Eiter  aus  und  bringen  die  Pusteln  schneller  zur  Heilung;  auch  auf  das  Gesicht
müssen  Kompressen  gelegt  werden,  die  man  festbindet,  und  wenn  beim  Eintrocknen
  der  Pusteln  Krusten  entstehen,  die  besonders  Kinder  gern  abkratzen,
dann  legt  man  Masken  auf,  die  man  später  mit  Mandelöl  tränkt.

Auch  warme  Vollbäder,  warme  oder  kühle  Klystiere,  vom  Kopfe  ableitende
  Packungen  sind  am  Platze,  müssen  jedoch  vom  Arzte  je  nach  obwaltenden
  Umständen  angeordnet  werden.  Die  Anwendung  des  roten  Lichtes
wird  gerade  bei  Blattern  sehr  empfohlen.  Man  setzt  rote  Glasscheiben  ein,
zieht  rote  Vorhänge  vor,  durch  welche  das  Sonnenlicht  rot  durchleuchtet,  und
hängt  eine  rote  Ampel  ins  Krankenzimmer  für  die  Abendbeleuchtung.  Durch
den  Einfluß  des  roten  Lichtes  soll  der  Eiter  mehr  an  die  Oberfläche  der  Haut
gezogen  und  die  Narbenbildung  eine  geringere  werden.  Dieselbe  günstige
Wirkung  hat  man  auch  bei  Masern  beobachtet.  Wie  bei  jeder  anderen
Krankheit  ist  der  Verlauf  auch  der  Blattern  niemals  bei  allen  Personen  ein
gleicher.  Nebenerscheinungen  sind  sehr  verschieden  und  oft,  sehr  beängstigend.

Um  Narben  im  Gesicht  zu  verhüten,  ist  sorgfältige  Pflege  nötig,  bei
hohem  Fieber  werden  häufig  zu  wechselnde  kühle  Ganzwickel  angewendet.

Blauer  Husten.  (Keuchhusten.)  Er  befällt  Kinder  häufiger  als
Erwachsene  und  muß  leider,  wie  viele  Erfahrungen  bewiesen,  zu  den  ansteckenden
  Krankheiten  gerechnet  werden.  Außer  der  Erkrankung  der  Schleimhäute
  spielen  auch  nervöse  Einflüsse  mit,  deren  eigentliches  Wesen  noch  wenig
erkannt  ist.  Wenn  die  Anfälle  kommen,  tritt  ein  krampfartiger  Zustand  ein,
der  die  Einatmung  so  sehr  erschwert,  daß  ein  laut  hörbares  Pfeifen  und
Keuchen  entsteht;  die  Kinder  werfen  große  Schleimmengen  aus,  und  darnach
tritt  wieder  etwas  Ruhe  ein.  Der  Husten  dauert  gewöhnlich  sechs  Wochen;
bei  einer  Behandlung  wie  der  nachfolgenden  aber  sind  die  Kinder  nur  einige
Tage  lang  wirklich  krank.  Der  Keuchhusten  kann  auch  in  Lungenentzündung
übergehen  und  kann  die  Kinder  bei  falscher  Diät  in  hohem  Grade  schwächen.

Behandlung.  Während  der  ersten  fieberhaften  Tage  wickle  man  die
Kinder  in  feuchte  Tücher  von  35°%  bis  25°  C.,  lege  kalte  Wadenpackungen  an,
mache  heiße  Sohlenbäder,  gebe  große  Entleerungsklystiere  und  sorge  auch  im
Winter  Tag  und  Nacht  für  offene  Fenster  und  reinste  Luft.  Die  Diät  bestehe
anfangs  am  besten  nur  aus  rohen  Nahrungsmitteln:  Obst,  Salaten  mit
Zitronensaft,  Milch,  später  Suppen  von  Hafergrütze,  Reis,  Nudeln  usw.,
mit  Wurzelabkochung  (siehe  Kapitel  über  „Ernährung"),  leichtem  Schrotbrot,