526  Blei  —  Bleichsucht.

lichen  Leitung.  Kann  man  alljährlich  einige  Monate  im  Walde  leben  und
Luftbäder  nehmen,  so  wird  die  Blausucht  wenig  bemerkbar  sein.

Die  Färbung  des  Blutes  ist  für  die  Grundfarbe  der  Haut  maßgebend.
Man  spricht  daher  wie  von  der  Blausucht  auch  von  Gelbsucht,  Bleichund
  Rotsucht,  welche  jede  ihre  besondere  Ursache  hat.

Blei.  Es  verursacht  schwere  Erkrankungen,  wenn  es  in  den  Organismus
eintritt,  wie  beispielsweise  bei  den  Setzern,  welche  mit  Bleibuchstaben  hantieren.
Frauen  ziehen  sich  öfter  Bleivergiftungen  durch  Schminken  und  Haarfärbemittel
  zu,  die  Blei  enthielten.  Es  entsteht  dann  Bleikolik,  ferner  eine
eigentümliche  Veränderung  am  Zahnfleisch  usw.  Beseitigung  der  Ursache
und  kräftige  Ausscheidung  durch  Schwitzpackungen  können  bei  leichter  Vergiftung
bald  wieder  den  normalen  Zustand  herstellen.

Bleibeklystier,  siehe  „Darmeingießung“.

Bleichsucht.  Durch  Verminderung  des  roten  Blutfarbstoffes  entsteht
die  „bleichsüchtige“  Hautfärbung,  an  welcher  ein  so  großer  Teil  der  weiblichen
Jugend  leidet.  Vererbung,  Schule,  Einflüsse  der  Großstadt,  verkehrte  Ernährung
sind  Ursache  ihrer  Entstehung.  Fast  nie  weichende  Müdigkeit  und  Unlust  zu  jeder
Anstrengung,  schwacher  Appetit,  Magen-,  Herzbeschwerden  und  gestörte  Sexualorgane
  sind  die  gewöhnlichsten  Krankheitserscheinungen.  Da  das  Blut  Bleichsüchtiger
  sicher  auch  an  Mineralstoffen  verarmt  ist,  treten  Gelüste  nach  dem
Genuß  von  Kreide,  Blei,  Mörtel  usw.  auf,  welche  auf  ein  physiologisches
Bedürfnis  zurückzuführen  sind.  Auch  das  runde  Magengeschwür  tritt  nicht
selten  bei  Bleichsüchtigen  auf.  Die  Menstruation  bleibt  monatelang  aus,  und
zuweilen  wird  die  Schlassucht,  besonders  bei  jungen  Mädchen,  ganz  beängstigend.
Das  Blutwasser  ist  bei  ihnen  meist  vermehrt.  Neuere  Forschungen  wollen
nervöse  Störungen  als  Grundursache  der  Bleichsucht  feststellen.  Sicher  ist,
daß  sie  noch  nicht  genügend  erforscht  ist.

Behandlung.  Nicht  Eisen  und  Stahl,  nicht  Fleischnahrung  und  Kaltwasserkuren
  sind  für  Bleichsüchtige  angezeigt,  sondern  nur  eine  milde  Behandlung,
die  sich  ihren  Zuständen  anpaßt.  Eisen  fehlt  wohl  im  Blute;  allein  es  wird
gar  nicht  oder  nur  zum  geringsten  Teil  ausgenommen,  wenn  man  es  in  mineralischer
  Form  durch  den  Magen  zuführen  will;  Fleisch  ist  den  meisten  Kranken
zuwider,  ja  nicht  einmal  Milch  wollen  sie  nehmen;  Kaltwasserkuren  sind  ihnen
höchst  antipathisch  und  vermehren  ihre  Schwäche.  Also  was  sollen  sie  tun?

Jeden  Kleiderdruck  beseitigen,  daher  Korsett  abschaffen  und  enge  Bindebänder;
  Wald  und  sonnige  Wiesen  sollen  sie  aufsuchen,  in  einer  Hängematte  sich
in  die  Sonne  legen,  auch  im  Herbst  und  Frühling;  Luftbäder  nehmen,  süße
Molken  trinken,  um  die  Salze  der  Milch  ohne  ihren  nicht  erwünschten  Käsegehalt
  dem  Blute  einzuverleiben;  reichlich  Gemüse,  Obst  und  Körnerfrüchte  genießen
  (siehe  I.  Teil,  Kapitel  „Ernährung")  und  Alkohol,  Fleisch,  Essig,  Kaffee,
Fleischbrühe,  Kuchen,  Hülsenfrüchte  gänzlich  meiden.  Genügender  Schlaf,  neun  bis
zehn  Stunden  täglich,  bei  offenen  Fenstern,  morgens  eine  Ganzabwaschung