Blutadern  —  Blutandrang.  529

verändert  sich  dieses  Verhältnis,  dann  hat  man  es  mit  krankhaften  Zuständen
zu  tun.  Im  Blutwasser  sind  enthalten:  Eiweißkörper,  Faserstoff,  mineralische
Körper  (Kalk,  Magnesia,  Natron,  Kali,  die  sich  mit  Kohlen-,  Phosphor=  und
Schwefelsäure  verbinden),  etwas  Fett  und  Zucker.  Ist  der  Stoffwechsel  ein
unvollkommener,  so  finden  sich  noch  andere  Stoffe  im  Blute,  die  nicht  hineingehören;
  auch  zufällige  Bestandteile,  wie  Eiter,  Metalle,  Arzneistoff  können
in  ihm  kreisen  und  den  betreffenden  Organismus  in  große  Gefahr  bringen.
Von  „Blutentmischung“  spricht  man  dann,  wenn  das  richtige  Verhältnis  der
Blutstoffe  zueinander  verschoben  ist  und  einer  z.  B.  unverhältnismäßig  vorwiegt
  (Wasser!),  oder  ein  anderer  nur  spärlich  vertreten  ist,  der  unentbehrlich
zur  Erhaltung  der  Gesundheit  ist.  (Siehe  J
Blutkörperchen  Fig.  306.)  1½  Est
Blutackern  (Venen)  sind  im  .

I.  Teil,  erstes  Kapitel  besprochen.  In  /
ihnen  ist  der  Blutdruck  geringer  als  in  /“
den  Arterien  (Schlagadern);  sie  führen

das  kohlensäurehaltige  „venöse"  Blut  aus  1
den  Geweben  ins  Herz  und  in  die  Lungen  *
zurück,  wo  es  seine  Kohlensäure  abgibt  6  «  -

und  neuen  Sauerstoff  aufnimmt.  Sie
haben  weniger  starke  Wände  als  die  Ar-  »
terien  und  erkranken  beim  weiblichen  Ge-  »"s’—»
schlecht  recht  häufig.  VV  l“
Blutandrang.  Wenn  ein  Organ  Fig.  306.  Blutkörperchen.  Die  größeren
oder  ein  Körperteil  sich  plötzlich  mit  Blut  weißen  schieben  sich  am  Rande  fort.
,  .  O1  Nach  Walser.
anfüllt,  so  daß  es  Umfang  und  Farbe
verändert,  so  spricht  man  von  Kongestion  oder  „Andrang“.  Jedes  arbeitende
Organ,  z.  B.  der  verdauende  Magen,  der  tätige  Muskel,  das  denkende  Hirn,
die  erregten  Geschlechtsteile  füllen  sich  mit  mehr  Blut  als  unter  gewöhnlichen
Umständen,  weil  nur  durch  vermehrte  Abgabe  der  Blutbestandteile  jene
chemischen  Umsetzungen  möglich  werden,  die  sich  in  Form  vermehrter  Drüsenabscheidungen,
  der  Wärmeerzeugung  oder  anderer  bestimmter  Funktionen  äußern.
Findet  ein  Blutandrang  ohne  Funktionszweck  statt  und  auf  Kosten  anderer
Teile,  indem  beispielsweise  Hände  oder  Füße  kalt  werden,  dann  ist  er  krankhaft
und  mehr  oder  weniger  von  üblen  Folgen  begleitet.  Bei  sehr  sensiblen  Personen
führen  allerlei  Nervenreize  zu  Blutandrang  nach  verschiedenen  Körperteilen;
das  Erröten  gehört  dazu,  verstärktes  Herzklopfen,  plötzliches  Seitenstechen,
durch  plötzliche  Blutüberfüllung  der  Leber  oder  Milz  entstanden  u.  a.  m.
Behandlung.  Wo  es  im  Bereiche  der  Möglichkeit  liegt,  wird  man
durch  etwas  Willensanstrengung  bei  Nervenreizbarkeit  manche  Blutwallung
unterdrücken  können.  Wo  dies  nicht  gelingt,  muß  der  Ulrsache  nachgeforscht
werden,  z.  B.  ob  Stuhlverstopfung  die  Ursache  der  Kongestionen  nach  dem

Die  Frau  als  Hausärztin.  34