530  Blutarmut  —  Bluter.

Kopfe  ist,  ein  Gewächs  im  Becken,  ein  Herzfehler  usw.  In  allen  Fällen
werden  sie  gemildert,  wenn  wir  unermüdlich  für  warme  Füße  sorgen  und
dadurch  eine  bessere  Blutverteilung  erzielen.  Fußdämpfe  mit  kühlem  Knieguß,
nächtliche  kalte  Beinpackungen  (nur  bei  warmen  Füßen  anzulegen)  mit  Wärmflasche,
  Barfußgehen,  Wechselarmbäder  usw.  werden  ans  Ziel  führen.  Nervenschwache,
  an  Kongestionen  Leidende  sollen  eine  recht  ruhige  Lebensweise  führen,
Gesellschaften,  Theater  meiden  und  für  Kräftigung  des  Herzens  und  der  Nerven
sorgen  durch  langsames  Bergsteigen,  Atemgymnastik,  richtige  Diät  und  Waldluft.

Blutarmut,  siehe  „Anämie“.

Blutbrechen.  Wenn  durch  den  Mund  Blutmassen  entleert  werden,  so
können  diese  aus  der  Nase,  dem  Halse,  dem  Magen  oder  den  Lungen  kommen.
Aus  dem  Magen  sind  sie  dunkel,  massig  und  reichlich,  aus  der  Lunge  schaumig,
heller,  dünner;  aus  Hals  oder  Nase  meist  spärlich,  mit  Schleim  untermischt.

Behandlung.  Infolge  des  plötzlichen  Blutverlustes  tritt  oft  Ohnmacht
bei  solchen  Kranken  ein.  Man  lagere  sie  möglichst  horizontal,  bespritze  zur
Belebung  Gesicht  und  Brust  mit  frischem  Wasser,  beseitige  allen  Kleiderdruck
und  öffne  die  Fenster.  Kam  das  Blut  aus  einem  Magengeschwür,  dann  mache
man  kalte,  zusammenziehende  Magenaufschläge,  ein  kühles  Klystier,  lasse  schluckweise
  Eiswasser  trinken  und  strenge  Ruhe  einhalten.  Vorsichtig  schiebe  man  den
Kranken  in  die  Querlage,  so  daß  seine  Beine  über  den  Bettrand  hängen  und  leicht
in  einen  Eimer  mit  heißem  Wasser  gebracht  werden  können.  (Siehe  Fig.  307.)

Diese  Anwendung  erweitert  die  Gefäße  an  den  Beinen,  wodurch  sich
dort  mehr  Blut  ansammelt,  das  vom  Magen  oder  der  Lunge  abgeleitet  wird.
Bei  Lungenblutungen  mache  man  kalte  Schenkelpackungen  und  verbiete  das
Sprechen.  Bei  ununterbrochener  Zufuhr  frischer  Luft  und  vollständiger  Ruhe
bessert  sich  der  Zustand  bald.  Als  Nahrung  dienen  süße  Molken,  Apfelsaft,
Schleimsuppen,  nichts  Festes.  (Siehe  „Magengeschwür"  und  „Lungenblutung“.)
So  schnell  als  möglich  rufe  man  einen  Arzt.

Blutegel.  Es  war  zur  Zeit  der  Aderlässe  ein  in  der  Medizin  hochangesehenes
  Tier,  das  unentbehrlich  schien;  denn  man  gebrauchte  es  bei  den
verschiedensten  Krankheiten.  Jetzt  ist  er  zwar  in  den  Apotheken  noch  zu
haben,  aber  man  gebraucht  ihn  selten  zur  Blutentziehung.  Er  saugt  bekanntlich
so  lange,  bis  er  mit  Blut  angefüllt  ist  und  abfällt.  Die  oft  starken  Nachblutungen,
  welche  seine  Bisse  verursachen,  werden  mit  heißen  Kompressen
oder  Druckverband,  nachdem  man  sie  etwas  ausbluten  ließ,  gestillt.  Der
künstliche  Blutegel  nach  Heurteloup  oder  Dr.  Dyes  Aderlaß  sind  entschieden
angenehmere  Formen  der  Blutentziehung.

Bluter.  Es  gibt  Menschen,  die  bei  jeder  kleinen  Verwundung  auffallend
stark  bluten  und  daher  oft  in  der  Gefahr  schweben,  zu  verbluten.  Solche
Frauen  haben  heftiges  Nasenbluten,  überstarke  Menstruation,  überstehen  Entbindungen
  nur  mit  Lebensgefahr  und  müssen  sich  vor  jeder  Verwundung,