Brechmittel.  539

sind  die  Ursache  des  oft  plötzlich  auftretenden  Brechdurchfalls.  Zahlreiche  flüssige,
später  farblose  Stuhlentleerungen,  dann  Erbrechen  alles  Genossenen  bringen  die
Kinder  durch  den  damit  verbundenen  Säfteverlust  rasch  herunter;  die  Augen
sinken  ein,  das  Gesicht  wird  bläulich,  die  Glieder  werden  kalt,  die  Bauchdecken
eingezogen,  und  nach  kurzer  Zeit  —  nach  ein  bis  zwei  Tagen  —  ist  das
vorher  rosige  Kindchen  eine  Leiche.  Gärungsvorgänge  im  Darm,  der  sich  nie
an  die  Kuhmilch  oder  die  Nährmittelpräparate  anzupassen  vermochte,  sind  die
häufigste  Ursache.  Brustkinder,  die  auch  sonst  reinlich  gehalten  werden,  erkranken
äußerst  selten  an  Brechdurchfall.  Möchten  sich  dies  die  Mütter  gesagt  sein
lassen,  die  so  häufig  ihre  Ammenpflichten  so  leicht  nehmen  und  es  auch  nicht
hören  wollen,  daß  ihr  Kind,  auch  wenn  es  bei  der  Flasche  gesund  erscheint,
dennoch  viel  entbehrt  und  oft  in  späteren  Jahren  noch  durch  Blutarmut,
Verdauungsschwäche  usw.  dafür  büßen  muß,  daß  es  die  Mutterbrust  nicht
hatte.  Nur  schwere  Krankheit  berechtigt  die  Mutter,  ihre  Pflichten  dem  Kinde
gegenüber  nicht  vollständig  zu  erfüllen  und  ihm  die  Brust  zu  versagen.
Behandlung.  Eine  passende  Amme  ist  das  sicherste  und  natürlichste
Heilmittel  für  ein  Kind,  das  alles  erbricht  und  vorher  die  Flasche  hatte.
Bekam  es  aber  Brechdurchfall  an  der  Mutterbrust,  dann  mische  man  die
Nahrung,  indem  man  Eiweiß  —  etwa  das  eines  Eies  auf  ein  halbes  Liter
abgekochtes  Wasser  —  oder  löffelweise  kaltes  Zuckerwasser  reicht,  weil  der  Durst
sehr  heftig  ist.  Man  nimmt  Milchzucker,  nicht  ultramarinhaltigen  Würfelzucker.
  Ein  heißes  Vollbad  wird  Schweiß  hervorbringen,  Wärmflaschen
werden  die  Glieder  erwärmen;  löffelgroße  Klystiere  von  15°  C.  nach  jeder
Entleerung  kräftigen  den  Darm  und  ersetzen  etwas  die  verlorenen  Säste.
Bei  Bewußtlosigkeit  begieße  man  den  Kopf  kühl  und  mache  gleichzeitig  eine
Dampfpackung  der  Beine;  bei  kleinem,  beschleunigtem  Puls  massiere  man  die
Brust,  drücke  die  Rippen  zusammen,  um  das  Herz  zu  erregen,  mache  wohl
auch  einen  kühlen  Rückenguß  und  sorge  stets  für  Zufuhr  frischer  Luft.  Auch
lasse  man  kranke  Kinder,  die  fast  unausgesetzt  Behandlung  brauchen,  ganz
entkleidet  unter  der  Decke  liegen,  damit  man  in  den  Anwendungen  durch  die
Kleidung  nicht  behindert  ist.  Energische  Arbeit  Tag  und  Nacht  ist  nötig,  um
ein  Kind,  das  durch  Brechdurchfall  schon  verfallen  ist,  noch  zu  retten.  Auch
Salepabkochung  und  Reiswasser  bringen  oft  Nutzen;  und  wenn  der  Zustand
sich  gebessert  hat,  kann  die  Mutterbrust  wieder  gereicht  werden.  Überhaupt
erwärme  man  das  Kind  recht  oft  an  der  nackten,  warmen,  mütterlichen  Brust
und  lasse  Mutter  oder  Amme  nur  ganz  milde,  reizlose  Kost  einhalten.
Brechmittel.  Bei  Vergiftungen  und  Erstickungsgefahr  müssen  wir
schnellwirkende  Brechmittel  anwenden.  Dennoch  muß  unter  gefährlichen
und  harmlosen  unterschieden  werden.  Der  Brechakt  an  sich  ist  schon  so
anstrengend  und  schwächt  Kranke  so  sehr,  daß  er  auch  Herzschwäche  hervorrufen
  kann.  Durch  ihn  wird  der  Magen  vollständig  ausgeleert,  und  durch
die  kräftige  Ausatmung  dabei,  sowie  durch  die  Anstrengung  der  Schlund-