540  Breiumschlag  —  Brillen.

muskeln  werden  auch  Fremdkörper  aus  der  Luftröhre  und  dem  Kehlkopf
mitgerissen.  Harmlose  Brechmittel  sind:  warmes  Wasser,  Mischungen  mit
Seife,  Salz  oder  Ol  und  Wasser,  Kitzeln  des  Schlundes  mittelst  einer  Feder
oder  mit  einem  Finger.  Schneller  wirkt  Rizinusöl  bei  empfindlichen  Personen
  und  dort,  wo  man,  wie  bei  Vergiftungen,  nicht  erst  lange  zuwarten
darf,  etwas  Brechwurzel  (Ipecacuanha).  Man  gibt  sie  in  Pulverform,  ein  halbes
bis  ein  Gramm,  zuweilen  sind  auch  zwei  Gramm  nötig.  Immerhin  versuche  man
erst  die  angeführten  harmlosen  Mittel.  Nach  erfolgtem  Erbrechen  lasse  man  etwas
frisches  Wasser  trinken  und  mache  einen  warmen,  beruhigenden  Magenaufschlag.

Breiumschlag  (Kataplasma).  Er  hat  den  Vorteil,  die  Wärme
besser  zu  erhalten  als  einfache  Heißwasserkompressen,  die  sehr  rasch  auskühlen.
Man  nimmt  daher  mehlige,  breiige  Stoffe,  die  man  in  heißem  Wasser  aufquellen
  läßt,  dann  in  Säckchen  füllt  und  auf  die  kranke  Stelle  legt.  Hafergrütze,
Leinsamen,  Brot  in  Milch  usw.  sind  beliebte  Volksmittel.  Sie  erweichen
Abszesse  und  Furunkel  und  ersparen  uns  das  Schneiden.  So  heiß  als  möglich
lege  man  sie  auf  und  bedecke  sie  mit  Flanellen,  damit  sie  nicht  auskühlen.

Eine  Dame  hatte  am  Gesäße  einen  großen,  harten  Furunkel,  der  sie
seiner  Schmerzhaftigkeit  wegen  zum  Liegen  zwang.  Sie  war  überzengt,  daß
er  geschnitten  werden  müsse  und  ließ  die  Arztin  holen.  Sofort  wurden
Leinsamenaufschläge  gemacht  und  heiße  Sitzbäder,  und  schon  am  zweiten  Tage
ging  zu  ihrem  Erstaunen  der  Furunkel  anf,  und  die  Schmerzen  schwanden.
Sofort  wechselte  die  Behandlung,  indem  auf  den  offenen,  eiternden  Furunkel
nur  laue,  weiche  Läppchen  gelegt  wurden,  keine  klebrige  Massen;  sie  zogen
den  Eiter  und  brachten  den  Furunkel  bald  zur  Heilung.

Brillen.  Unter  Brillen  versteht  man  zugeschliffene  Gläser,  welche  die
Lichtstrahlen  derart  sammeln,  daß  einem  fehlerhaft  gebauten  Auge  der  Sehakt
erleichtert  wird.  Die  sogenannten  „Brechfehler"  schlecht  gebanter  Augen  bestehen
darin,  daß  das  Bild  der  vor  dem  Auge  befindlichen  Gegenstände  nicht  genau
auf  eine  bestimmte  Stelle  der  Netzhaut,  welche  die  Ausbreitungen  des  Sehnervs
  im  Augenhintergrunde  enthält,  entsteht,  sondern  vor  oder  hinter  derselben,
  so  daß  also  scharfes  Sehen  unmöglich  wird.  Die  Brillengläser  holen
und  sammeln  die  Lichtstrahlen  ein,  oder  sie  zerstreuen  sie,  je  nachdem  der
Bau  der  Linsen  dies  bedingt.  Man  hat  daher  „Sammellinsen“  (konvex,
erhabene  Fläche)  und  „Zerstreuungslinsen“  (konkave,  Hohllinsen).

Da  die  Augenfehler  schon  bei  der  Jugend  so  sehr  zunehmen,  so  ist  es
kein  Wunder,  wenn  bereits  die  Hälfte  der  Menschheit  bebrillt  herumläuft.
Die  Brillen  sind  für  viele  Augen  eine  Wohltat  und  ermöglichen  Arbeitsfähigkeit;
  aber  sie  sind  Krücken,  deren  Notwendigkeit  zu  bedauern  ist.  Möchten
wir  bei  Erziehung  der  Jugend  es  dahin  bringen,  solche  Hilfsmittel  entbehrlich
zu  machen  und  die  Augen  so  kräftig  zu  erhalten,  daß  sie  bis  ins  Alter  hinein
den  Dienst  nicht  versagen!

Auch  gibt  es  nervenschwache  Individuen,  welche  sich  durch  Benützung