544  Brustdrüsenschmerz  —  Brustfellentzündung.

die  Bruchpforte  zur  Verklebung  zu  bringen,  so  daß  der  Bruch  überhaupt
nicht  mehr  austreten  kann,  es  sei  denn  durch  gewaltsamen  Einriß  bei  einer
heftigen  Bewegung.  Gewisse  gymnastische  Übungen,  wie:  Bein  seitwärts
und  rückwärts  schwingen,  Rumpfbeugen  nach  hinten  und  vorn,  Kreuzbeinhebung
  (liegend),  Kniespreizung  mit  Widerstand,  Fig.  305,  Bein  rückwärts
führen  mit  Widerstand  sind  vortreffliche  übungen  zur  Stärkung  der  Bauchdecken
  (Fig.  317  und  318).  Für  vernachlässigte  oder  besonders  unglückliche
Fälle  bleibt  als  äußerstes  Mittel  noch  die  Operation.  Der  Nabelbruch  der
Kinder  wurde  im  II.  Teil  besonders  besprochen.  Wie  Bruchbänder  liegen
müssen,  zeigt  Fig.  321.

Brustckrüsenschmerz.  (Siehe  Fig.  29  im  I.  Teil.)  Während
der  Entwicklungsjahre  (14.  bis  15.  Jahr),  während  der  Schwangerschaft,
bei  Nervösen  und  Hysterischen,  bei  Entzündungen  der  Brustdrüse  treten
Schmerzen,  Ziehen,  Spannung  in  den  Brustdrüsen  auf.  Sie  sind  oft  sehr
unangenehm,  haben  aber  wenig  eigene  Bedeutung.  Sie  lehren  uns  ihren
innigen  Zusammenhang  mit  dem  Uterus,  obwohl  sie  räumlich  von  ihm  so
weit  entfernt  sind.  Deshalb  treten  Schmerzen  in  den  Brüsten  bei  uteruskranken
  Frauen  auch  zur  Zeit  der  Menstruation  auf,  ja  sogar  wässeriger
Ausfluß  stellt  sich  vorübergehend  ein  und  alles  verschwindet  wieder,  wenn
die  Betreffende  kräftiger  geworden  ist  und  die  Gebärmutter  ihre  krankhafte
Empfindlichkeit  verloren  hat.  Mädchen  und  Frauen,  die  an  Brustdrüsenschmerz
  leiden,  seien  also  auf  ihre  Allgemeinkräftigung  bedacht  und  sollen  zur
Linderung  nur  warme  Aufschläge  auf  die  Brust  von  etwa  35°  C.  machen.
Eine  ärztliche  Untersuchung,  welche  über  Lage  und  Beschaffenheit  des  Uterus
Aufschluß  gibt,  wird  mitunter  auch  nötig  sein.

Brustfellentzündung.  Die  Häute,  welche  die  Lungen  und  inneren
Rippenseiten  bedecken,  nennt  man  das  Brustfell.  (Siehe  unsere  Tafel  Nr.  2.)
Wenn  es  sich  entzündet,  wird  es  sehr  schmerzhaft;  jeder  Atemzug  verschiebt  es
und  erzeugt  Stiche;  Ausschwitzungen  im  Brustfellsack  behindern  die  Tätigkeit
der  Lungen,  nachfolgende  Verwachsungen  bringen  manche  Beschwerden  mit  sich.
Die  Brustfellentzündung  kann  mit  einem  Schnupfen  beginnen;  sie  kann  uns  aber
auch  ganz  plötzlich  überfallen;  sie  wird  ferner  von  anderen  Organen,  besonders
den  Lungen,  übertragen  und  geht  in  den  ausgesprochenen  Fällen  immer  mit
Fieber  einher.  Sammelt  sich  Eiter  zwischen  den  Brustfellblättern  an,  so  sind
die  Erscheinungen,  die  Atemnot,  das  Fieber,  viel  schwerer.  Die  Behandlung
muß  daher  darauf  bedacht  sein,  diese  gar  nicht  entstehen  zu  lassen.

So  wie  die  eitrige  Brustfellentzündung  lebensgefährlich  werden  kann,  so
ist  die  trockene  Form  sehr  häufig  und  sehr  leicht  verlaufend  (siehe  Empyem).

Behandlung.  Bei  Fieber  und  Stechen  nache  man  Brustpackung  von
30°%  C.,  die  man  alle  zwei  bis  drei  Stunden  wechselt,  und  ableitende  kalte
Wadenpackungen;  bei  Nachlassen  des  Fiebers  mache  man  sofort  Bettdampfbäder,
  lasse  tüchtig  schwitzen,  mit  nachfolgendem  Halbbad,  und  es  wird  sich