546  Brustkrankheiten.

nahe  liegt.  Trotzdem  muß  zum  Wohle  des  Kindes  und  der  Mutter  eindringlichst
  geraten  werden,  die  Schmerzen  mit  Aufgebot  aller  Willenskraft
auszuhalten,  weil  das  Kind  zu  schwer  unter  dem  Verlust  der  Muttermilch
leidet  und  es  auch  für  die  Gesundheit  der  Frau  nicht  gleichgültig  ist,  wenn
sie  gegen  den  Willen  der  Natur  die  reich  angesammelte  Nahrung  für  das
Neugeborene  gleichsam  eintrocknen  läßt.  Bei  entsprechender  Behandlung  vor
und  während  der  ersten  Wochen  nach  der  Geburt  wird  sich  der  unangenehme

Zustand  bald  verlieren.

Die  Wundheit  an  den  Warzen  entsteht  dadurch,  daß  die  zarte  Oberhaut
derselben  den  Angriffen  des  saugenden  Kindermundes  nicht  standhält;  sie
,»  reißt,  und  es  entstehen  mehr  oder  weniger  tiefe
–  DSEchhrunden,  welche  die  zahlreichen  Nervenenden
—  der  empfindlichen  Warze  bloßlegen.  Eindrin-----
  gender  Schmutz  kann  natürlich  sehr  leicht  eine
Entzündung  in  der  Warze  hervorrufen,  die  in
den  Milchgängen  weiter  ins  Innere  der  Brustdrüse
  kriecht  und  dort  schließlich  zur  Abszeßbildung
  führt.  Beim  Ansaugen  des  Kindes
)  tritt  Blut  aus  den  wunden  Stellen;  da  man

ddiesen  keine  Ruhe  lassen  kann  wegen  der  sich
reichlich  ansammelnden  Milch,  so  werden  kleine
Heilungsanfänge  durch  das  Kind  immer  wieder
zerstört.
Fia  31.  Behandlung.  Zuerst  die  Vorbeugung!
Etasiisches  Bruchband.  In  den  letzten  zwei  Schwangerschaftsmonaten  ziehe
man  die  Warzen  täglich  einige  Minuten,  um
sie  durch  diese  Art  Massage  zu  kräftigen  und  widerstandsfähiger  zu  machen,
dann  begieße  man  sie  täglich  einige  Minuten  lang  mit  Wasser  von  25°  C.
Während  der  Sängezeit  aber  wasche  man  die  Warzen  sorgfältig  mit  warmem
Wasser,  so  oft  das  Kind  getrunken  hat,  damit  weder  Milchreste  noch
Speichel  an  denselben  kleben  bleiben  und  eine  Entzündung  veranlassen,
darnach  aber  reibe  man  sie  mit  Mandelöl  ein,  oder  mache  laue  Ausschläge,
oder  lege  halbe  Nußschalen  auf,  welche  die  empfindliche  Warze  vor  jeder
Berührung  mit  Wäsche  u.  a.  bewahren.  Es  können  nur  große  Nüsse  zur
Verwendung  kommen,  die  man  innerlich  ausschabt,  damit  sie  ihre  Rauhigkeit
verlieren  (Fig.  322.)  Sie  gewähren  vortrefflichen  Schutz,  nehmen  die
Schmerzen  und  bringen  die  wunde  Warze  bald  zur  Heilung,  wenn  man  es
so  einrichten  kann,  daß  die  Brust  auch  genügende  Ruhe  hat,  d.  h.  wenn  das
Kind  nur  höchstens  alle  zwölf  Stunden  angelegt  zu  werden  braucht.  Ist
das  Saugen  zu  schmerzhaft,  regt  es  die  vielleicht  sehr  schwache  Mutter  zu
sehr  anf,  dann  versuche  man  mit  Saugapparaten,  die  in  den  Apotheken  meist
vorrätig  sind  und  aus  Gummi  und  Glas  bestehen,  die  Milch  vorsichtig  ab-