Brustkrankheiten.  547

zuziehen,  ohne  das  Kind  anzulegen.  Die  zu  wenig  entleerte  Brust  schwillt
natürlich  an  und  macht  große  Beschwerden;  die  Milch  nimmt  auch  langsam
ab,  wenn  das  Kind  so  selten  angelegt  wird,  später  aber  gleicht  sich  dies
wieder  aus,  und  man  kann  durch  gleichmäßige  Inanspruchnahme  beider  Brüste
auch  gleiche  Leistungsfähigkeit  erzielen.  Macht  man  der  Wöchnerin  etwa  vom
vierten  Tage  an  laue  Übergießungen  des  ganzen  Körpers,  so  heilt  auch  die
Brust  rascher.  Milch-Obstdiät  sowie  tägliche  Stuhlentleerungen  tun  auch
das  ihrige.

3.  Andere  Krankheiten  der  Brüste  sind  die  verschiedenen  Geschwülste;
die  häufigsten  sind  das  Adenom  und  der  Krebs;  „Fett“=  und  sogenannte
„Fleischgeschwülste"  sind  sehr  selten.  Das  Adenom  ist  eine  dem  Krebs  ähnliche,
aber  viel  gutartigere  Geschwulst;  es  ist  hart,  wächst  langsam  jahrelang,  ist
nicht  mit  allgemeinem  Verfall  verbunden  und  macht  geringere
Beschwerden.  Unter  den  Krebsgeschwülsten  unterscheidet
man  eine  rascher  verlaufende  Form  und  eine  weniger  zur
Verjauchung  geneigte.  Auch  sie  können  sich  bei  richtiger
Pflege  jahrelang  hinziehen,  führen  aber  dann  doch  zu  allgemeinem
  Verfall.  Die  anfänglich  geschlossenen  Knoten
brechen  auf,  entleeren  jauchige  Massen  unter  sehr  üblem
Geruch,  die  Lymphdrüsen  der  Umgebung  schwellen  an  und  -
Nervenschmerzen  in  verschiedenen  Körperteilen  treten  auf.  Fig.  322.
Der  Krebs  ist  vererblich,  d.  h.  er  tritt  gerne  bei  den  Nach=  Schutz  der  Brust

-  ·  .  .  warzen  durch  eine
kommen  am  Krebse  gestorbener  Eltern  ein,  eine  Tatsache,  Nußschale.
mit  der  man  leider  rechnen  muß.  Man  kann  dann  vorbeugend
  mancherlei  unternehmen,  da  die  Möglichkeit  immerhin  vorhanden  istdurch
  gesunde  Lebensführung  krankhafte  Keime  zu  vernichten.

Behandlung.  Nicht  ohne  Begründung  ist  die  Angst  vor  Krebskrankheiten
  unter  der  Frauenwelt  vorherrschend;  trotzdem  stehen  wir  ihnen  nicht
ganz  hilflos  gegenüber,  auch  verlaufen  sie  zuweilen  auffallend  milde.  Was
die  häufigen  Krebserkrankungen  in  unserer  Zeit  eigentlich  bewirkt,  weiß  man
noch  nicht;  sicher  sind  sie  ein  tiefernstes  Zeichen  für  zunehmenden  körperlichen
Niedergang,  für  Vergistung  und  Entartung.  Eine  Heilung  des  Krebses  ist
noch  nicht  sicher  nachgewiesen;  die  Erfahrungen  sprechen  für  Unheilbarkeit.
Der  Arzt  hat  für  Verhütung  zu  sorgen,  indem  er  Gesundheitspflege  im  Hause
lehrt  und  indem  er  einen  nicht  mehr  heilbaren  Zustand  erträglicher  macht.
Die  Notwendigkeit  einer  frühzeitigen  Operation,  d.  i.  Herausschneidung  der
Knoten,  bevor  große  Beschwerden  oder  Einfluß  auf  das  Allgemeinbefinden
eingetreten  sind,  wird  jetzt  immer  mehr  bezweifelt;  eine  Aufbesserung  der
Säfte  und  Heilversuche  aller  Art  dürften  sichere  Wirkung  haben.  Macht  man
die  Operation  dagegen  viel  später,  also  wenn  die  Knoten  schon  aufgebrochen
sind,  der  allgemeine  Kräftezustand  sich  bereits  verschlechtert  hat,  dann  nützt  sie,
meist  nichts  mehr,  ja  greift  sogar  so  an,  daß  man  davon  abraten  muß.

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