552  Cholera.

fünfprozentige  Karbolsäure  zusetzt,  spüle  die  Entleerungsgeschirre  mit  Chlorkalk
  und  wasche  die  eigenen  Hände  in  warmem  Seifenwasser  oder  Lysol  nach  jeder
Hantierung  mit  dem  Kranken.  Niemals  esse  man  im  Krankenzimmer!  Würde
man  über  alle  Möglichkeiten  klar  sein  und  verstände  man  immer  die  Vorbengung,
so  käme  die  verblödende  Angst  vor  den  Ansteckungskrankheiten  aus  der  Welt.

Auch  die  Cholera  ist  aus  dem  Orient  eingeschleppt  und  hat,  wie  die  schwersten
Seuchen,  furchtbar  in  Europa  gewütet.  Ob  sie  durch  die  Luft  übertragen  wird,
durch  Bodenbeschaffenheit,  Grundwasser  oder  nur  durch  Speise,  Trank  und
Geräte,  ist  noch  nicht  erwiesen;  sicher  ist  nur,  daß  je  größer  die  Angst  davor,
je  schwächer  der  Magensaft,  je  unreiner  der  Darm  (je  mehr  mit  gärenden
Massen,  alten  Kotresten  angefüllt),  je  unvollkommener  der  Stoffwechsel  infolge
träger  Funktionen  und  verminderter  Hauttätigkeit,  desto  größer  auch  die  Neigung
zur  Erkrankung  an  Cholera,  weil  gute  Bedingungen  für  dieselben  gegeben  sind.

Zwischen  Ansteckung  und  Ausbruch  der  Krankheit  liegen  oft  nur  wenige
Tage.  Die  leichten  Fälle  kennzeichnen  sich  durch  wässerige  Stuhlentleerungen,
die  ernsteren  durch  hinzutretendes  Erbrechen,  die  schweren  durch  die  reiswasserähnlichen
  Stühle  (wo  man  die  Kochschen  Kommabazillen  findet),  die  Muskelkrämpfe
  (besonders  Wadenkrampf)  und  den  raschen  Verfall.  Die  Entleerungen
sind  dann  farb=  und  geruchlos,  hell  und  wässerig.  Durch  den  bedeutenden
Flüssigkeitsverlust  entsteht  heftiger  Durst  und  neben  den  quälenden  Muskelkrämpfen
  auch  große  Angst  und  Beklemmung.  Nun  wird  der  Körper  immer  kälter,
immer  magerer,  die  Stimme  erlischt,  die  Nervenerregbarkeit  ist  vermindert.

Behandlung.  Vorbeugung  ist  wieder  das  erste  Gebot!  „Halte  den
inneren  und  äußeren  Menschen  rein!“  Man  nehme  allwöchentlich  in  Cholerazeiten
  ein  Heißluftbad  zur  Reinerhaltung  des  inneren  und  äußeren  Menschen,
mache  täglich  morgens  eine  kühle  Ganzabreibung,  frottiere  dabei  den  Körper
kräftig,  damit  die  Haut  warm  und  blutreich  wird,  und  unternehme  täglich
bei  jedem  Wetter  einen  Gang  ins  Freie  von  etwa  zwei  Stunden  Dauer,
um  sich  mit  Sauerstoff  anzufüllen  und  kräftigen  Stoffwechsel  zu  erzielen.  Vermeidet
  man  dann  noch  unvernünftiges  Mischen  der  Nahrungsmittel,  hütet  man
sich  vor  jedwedem  Alkoholgenuß  und  ist  man  auch  mit  Fleischnahrung  sehr
vorsichtig,  dann  hat  man  kaum  etwas  zu  fürchten.  Erkrankt  dennoch  jemand
an  Durchfall,  so  lege  man  ihn  in  die  Sonne,  weil  ihre  Strahlen  allen  Arten
von  Bakterien  nicht  günstig  sind,  und  weil  allgemeine  Erwärmung  dem  Kranken
sehr  not  tut;  man  mache  ein  heißes  Vollbad  oder  stecke  ihn  in  ein  Heißluftbad
mit  nachfolgendem  Vollbad  und  kühlerem  Rückenguß;  sind  schon  Erbrechen
und  Schwäche  da,  dann  bürstet  man  den  Kranken  mit  weicher  Bürste  in
einem  Bad  von  etwa  37°  C.,  das  man  langsam  kühler  werden  läßt,  bis  etwa
19°  C.,  und  hüllt  ihn  darnach  in  warme  Decken  mit  einer  Wärmeflasche  an  den
Füßen,  unter  Umständen  gibt  man  auch  eine  heiße  Bauchflasche  auf  den  Leib.
Leitung  des  Blutes  nach  der  Haut  ist  immer  das  erste,  um  die  dem  Organismus
  drohende  Blutstockung  zu  verhindern.  Bei  starken  Hitzegefühlen  ist  eine