554  Chronische  Krankheiten  —  Cyanose.

Zuckungen  und  der  Mittätigkeit  von  Muskeln,  die  man  gerade  nicht  gebrauchte,
und  macht  daher  einen  üblen  Eindruck  auf  die  Umgebung.  Schlecht  genährte,
nervöse  Personen  werden  am  häufigsten  befallen,  sechs  bis  acht  Wochen  kann
der  Zustand  andauern,  ohne  daß  etwas  zu  helfen  vermag;  aber  auch  jahrelang
  kann  er  mehr  oder  minder  anhalten;  Gemütszustände,  allgemeine  Reizbarkeit,
  Willensschwäche,  auch  Verstellung  und  Gewohnheiten  auf  Grund.
vorhandener  Schwächezustände  wirken  mit  und  beeinflussen  die  Behandlung.
In  Schulen  ist  durch  Nachahmung  und  Suggestion  oft  ein  epidemischer  Ausbruch
  des  Veitstanzes  beobachtet  worden.  Sehr  gefährlich  ist  er  bei  Schwangeren,
  wo  er  oft  unheilbar  wird.

Behandlung.  Allgemeine  Kräftigung,  Regelung  der  Verdauung,  Beruhigung
  des  Gemütes,  Übung  der  Willenskraft  stehen  in  erster  Linie.  Kühle  Regengüsse
  während  eines  Anfalles  unterbrechen  ihn;  Bergsteigen  unter  Aufsicht  mit
Atemgymnastik,  vorsichtig  geleitete  Turnübungen,  milde  Kost  bei  strenger  Vermeidung
  aller  Reizmittel  und  des  Alkohols  führen  zur  Heilung.  Eine  für  alle
passende  Behandlung  läßt  sich  nicht  aufstellen;  Anstaltsbehandlung  wird
mehr  erreichen  als  häusliche  Durchführung  der  ärztlichen  Verordnungen.

Chronische  Krankbeiten.  Dreiviertel  der  heutigen  Menschheit
ist  chronisch  krank  und  wenn  es  ein  selten  verschwindender  Schnupfen  oder
Schweißfüße  sind,  oder  Ausfall  der  Haare;  sie  beruhen  auf  Erkrankung  einzelner
Körperteile,  welche  schleichend  und  unmerklich  begann  und  deren  Beschwerden  die
Arbeitsfähigkeit  eines  Individuums  selten  vermindern  (schwere  chronische  Krankheiten
  ausgenommen).  Den  Begriff  der  akuten  Krankheit  haben  wir  Seite  447
schon  besprochen.  Eine  richtige  Lebensweise  muß  die  Entstehung  von  chronischen
übeln  verhüten;  sie  muß  dort  Kräftigung  und  Säuberung  erzielen,  wo  sich
schwache  Stellen  und  unregelmäßige  Funktionen  einstellen.  Wendet  man  eine
ausscheidende  Wasser=  und  Diätkur  an,  so  vermehren  sich  die  Krankheitserscheinungen,
  ja  sie  werden  oft  sogar  hitzig,  und  erst  nach  einer  scheinbaren
Verschlimmerung  kommt  es  zu  einer  Heilung.

Beichronischen  Zuständen  aller  Art  bedarf  es  sowohl  einer  anregen  den
Behandlung  wie  der  lösenden,  erweichenden  und  ausscheidenden  Wirkung,
um  eine  Anderung  zu  erzielen  und  den  Stoffwechsel  zu  bessern.  Dazu  dient
ein  ausgiebiger  Luftwechsel,  unter  Umständen  energische  Eingriffe  und  viel
Geduld.  Niemals  versäume  man  die  Urteile  erfahrener  Arzte  einzuholen,  da
es  täuschende  und  sehr  hartnäckige  Erscheinungen  gibt.

Cognac  (französische  Stadt),  siehe  Kognak.

Coitus,  lat.,  siehe  Koitus  und  Beischlaf.

Croup,  siehe  Krupp  und  Bräune.

Cyankali.  Verbindung  des  Cyans  cchem.  Zeichen  Cy  oder  CN),
siehe  Zyankali  und  Blausäure.

Cyanole,  bläuliche  Verfärbung  der  Körperhaut,  siehe  Zyanose  und
Blausucht.