Darmeingießung.  561

zweite,  seinen  Inhalt  zu  lösen  und  das  Darmrohr  auszuspülen,  das  dritle,
höher  gelegene  Darmteile  zu  reizen  und  dadurch  eine  Ausleerung  und  eine
Aufsaugung  von  Flüssigkeiten  zu  bewirken.  Ihre  Ausführung  ist  oft  mit
Schwierigkeiten  begleitet,  wenn  der  Schließmuskel  am  Darmende  nicht
genügend  schließt  und  das  aufgenommene  Wasser  überhaupt  nicht  gehalten
werden  kann,  oder  wenn  harte  Kotmassen  das  Darmrohr  so  verschließen,
daß  das  Rohr  nicht  hoch  genug  eingeführt  werden  kann,  oder  wenn  infolge
Darmverengung  und  schmerzhafter  Darmstellen  die
Einführung  kaum  ausführbar  ist.  Dann  muß  unter
ärztlicher  Leitung  die  Stellung  des  Kranken  verändert
  werden,  man  muß  mit  verschiedenen  Apparaten
  die  Flüssigkeit  beizubringen  versuchen,  durch
Streichen  des  Bauches  nachhelfen;  kräftiges  Ausatmen,
  Pausieren  zwischen  den  einzelnen  Einläufen,
um  Zeit  zur  Verteilung  zu  geben,  kräftiger  Zuspruch,
um  durch  energisches  Einhalten  den  Ausfluß  des
Wassers  zu  verhüten  usw.,  verhelfen  meist  zum  Ziel.
Bei  Schwäche  des  Darmes  und  harten,  unten
sitzenden  Kotknollen,  welche  die  Einführung  des
Rohrs  oft  unmöglich  machen,  müssen  die  Knollen
mit  den  Fingern  und  durch  Druck  auf  die  Steißbeingegend
  entfernt  werden.  Dadurch  verschafft
"  man  oft  wesentliche  Erleichterung  und  macht  die
iu  Aufnahme  kleiner  Bleibeklystiere  möglich.

(Zinn).  Man  verwendet  zu  Bleibeklystieren  am  besten
Ballonspritzen,  deren  Inhalt  miteinemkräftigen
Druck  in  den  Darm  befördert  wird.  Fig.  333  zeigt  uns  eine  solche.
Die  dabei  einzunehmende  Stellung  ist  die  ausgestreckte  Seitenlage,
  wie  Fig.  334  darstellt.  Bei  Darmschwäche  und  eintretender
Notwendigkeit,  höhersitzende  Kotmassen  zu  erweichen  und  zu  lockern,  muß  Knie-Ellenbogenlage
  eingenommen  werden.  Man  stitzt  sich  auf  Ellenbogen  und  Knie
und  hebt  den  Steiß  so,  daß  das  einlaufende  Wasser  infolge  des  nach  vorn
hängenden  Bauches  nach  abwärts  rinnen  muß.  Dadurch  erzielt  man  ein  „Halten“
des  Klystiers,  wie  es  sonst  nicht  möglich  wäre.  Das  verlängerte  Darmrohr,
biegsam  und  doch  fest,  aus  Hartgummi,  welches  zu  hohen  Klystieren  verwendet
  wird,  stellt  Fig.  336  dar.  Bedarf  es  eines  vermehrten  Druckes,  um
Flüssigkeit  weiter  hinauf  in  den  Darm  zu  schaffen,  so  genügt  der  übliche
Irrigator  nicht,  man  muß  dann  die  altmodische,  aber  sehr  kräftige  Klystierspritze
  anwenden,  deren  Strahl  weit  hinaufdringt.  (Siehe  Fig.  335.)

Aus  diesen  Angaben  ist  schon  zu  entnehmen,  was  alles  bei  Anwendung
von  Darmeingießungen  zu  beachten  ist;  nun  wollen  wir  noch  ihre  Nachteile
hervorheben.  Es  ist  durchaus  verkehrt,  wie  es  vielc  üben,  tägliche  Einläufe

Die  Frau  als  Hausärzin.  36

Fig.  336.
Hohes  Darmrohr.
