562  Darmfistel.

zu  machen,  um  den  erwünschten  Stuhl  zu  erzielen;  denn  die  eigentliche  Aus—
heilung  eines  kranken  oder  geschwächten  Darmes  erzielen  wir  nicht  damit;
wohl  aber  entstehen  durch  vieles  Klystieren  sehr  unangenehme  Reizzustände
und  schließlich  eine  Darmerschlaffung,  weil  große  Wassermengen  ausdehnend
einwirken  und  warme  Temperaturen  schwächen.  Am  besten  sind  die  kleinen,
kühlen  Klystiere,  welche  nicht  erschlaffend,  sondern  erregend  und  den  Darm
zusammenziehend  wirken.  Wer  an  anhaltender  Verstopfung  leidet,  gewöhne
sich  nicht  an  tägliche  Klystiere,  sondern  wirke  durch  Diät,  Gymnastik  und
Wasserbehandlung  ein,  und  er  wird  ungeahnte  Erfolge  erzielen.

Gelegentliche  Anwendung  der  warmen  Klystiere  wird  jedoch  immer
noch  besser  sein  als  Einnehmen  von  Pillen  und  Pulvern,  welche  Magen
und  Darm  reizen.

Als  heftig  wirkendes  Stuhlmittel  sind  Klystiere  von  Milch  und  Honig
anzusehen;  milder  wirken  Ol=  und  Glyzerinklystiere.  Scharf,  aber

Fig.  337.  Fig.  338.  Fig.  339.
Vollständige  Unvollständige  äußere  Unvollständige  innere
Mastdarmfistel.

meist  sehr  wirksam  sind  Seifenklystiere.  Alle  Einläufe,  mit  Fremdstoffen
vermischt,  regen  die  empfindliche  Darmschleimhaut  sehr  auf  und  lassen  tagelang
Schmerzen  und  Reizzustände  zurück.  Man  greife  also  nicht  sogleich  darnach,
sondern  wähle  lieber  einen  treibenden  Tee.  Es  ist  ganz  verkehrt  (wie  es
einmal  in  einer  Heilanstalt  gemacht  wurde),  einen  Kranken  lieber  durch  ein
großes,  reizendes  Klystier  aufzuregen  und  ihm  tagelang  Schmerzen  zu  bereiten,
als  ihm  einen  unschuldigen  Tee  zu  bereiten,  der  ohne  Schmerzen  in  ein  bis
drei  Tagen  Stuhl  schafft,  wenn  sein  Organismus  gegen  solche  Mittel  noch
nicht  abgestumpft  ist.  Einen  sehr  brauchbaren  Tee  gibt  eine  Mischung  von
Faulbaumrinde  und  Schleedornblüte,  der  langsam  wirkt,  ohne  irgendwelche
  Reizzustände  zu  schaffen.  Auch  Mischungen,  als  sogenannter  „Kräutertee“
fertig  in  den  Apotheken  zu  haben,  sind  oft  recht  gut.  Niemals  gebrauche
man  aber  auch  diese  gewohnheitsmäßig  monatelang  fort.

Darmfistel.  (Siehe  Fig.  337  bis  339.)  Erfolgt  ein  Eiterdurchbruch
ins  Darmrohr  oder  aus  der  Darmwand  nach  außen  an  den  Bauchdecken
oder  am  Darmende,  so  haben  wir  eine  Darmfistel  vor  uns.  Stets  ist  die
Geschwürsbildung  das  Voransgehende.  Der  Durchbruch  des  Eiters  war  eine
Art  Selbsthilfe  der  Natur.  Je  nach  der  Lage  der  Fistel  ist  auch  ihre  Behandlung
  verschieden.  Bei  Blutarmen  schreitet  ihre  Heilung  nur  träge  vorwärts.