Darmverengung.  565

flasche,  wenn  die  Schmerzen  zu  heftig  werden,  leichte  Atemgymnastik,  Ganzab-=waschungen,
  frische  Waldluft  usw.  erhalten  auch  einen  Krebskranken  merkwürdig
lange  und  ohne  qualvolle  Beschwerden.  Süße  Molken,  Wurzelsuppen  (allerlei
Wurzelwerk  ausgekocht),  Beerenobst  (Erdbeeren,  Himbeeren,  Heidelbeeren),  zarte
Kräuter  mit  Zitronensaft  als  Salat  angemacht,  Dr.  Lahmanns  Nährsalzkakao,
abwechselnd  mit  Erdbeerblättertee,  Quarkkäse,  weiche  Eier,  Hafergrützsuppe  sind
passende  Nahrungsmittel.  Fleischnahrung  ist  nur  im  letzten  Stadium,  wenn
großes  Verlangen  darnach  besteht,  was  aber  selten  der  Fall  ist,  erlaubt,  und
da  wären  nur  Kalbsfüße,  Froschschenkel,  junges  Geflügel  anzuempfehlen.  Einem
Sterbenden  versagt  man  keinen  Wunsch  mehr,  also  auch  Fleischnahrung  nicht,
die  wir  gerade  beim  Darmleiden  und  Krebs  lieber  ganz  gemieden  sähen.
Nehmen  Schmerz  und  Schlaflosigkeit  und  sonstige  Beschwerden  zu,  dann
zögere  man  nicht,  nach  dem  erlösenden  Morphium  zu  greifen,  das  Kranke  und
ihre  Umgebung  vor  dem  Argsten  bewahrt.  (Siehe  weiteres  unter  Krebs.)

Darmverengung.  Der  Darm  wird  verengt,  auch  ganz  verschlossen  bei
Verklebung  nach  Bauchfellentzündungen,  durch  Druck  von  außerhalb  sitzenden  Geschwülsten,
  durch  Narben  und  Geschwüre  und  Neubildungen,  durch  Gallensteine
oder  verschluckte  Fremdkörper,  die  sich  mit  Kotmassen  umgeben  und  von  der  Darmwand
  nicht  weiter  geschoben  werden  können,  durch  Darmoerschlingungen  usw.

Leibschmerzen  und  sehr  aufgetriebener  Bauch,  weil  Unfähigkeit  eingetreten
ist,  die  Darmgase  (Winde)  zu  entleeren,  vollständige,  lange  andauernde  Stuhlverhaltung,
  schließlich  zunehmende  Schwäche  und  Koterbrechen  gehen  dem  Tode
durch  Entkräftung  voraus.

Behandlung.  Dünne  Kost,  die  wenig  Kot  macht,  ist  erste  Bedingung,
auch  nur  solche  Nahrungsmittel,  die  etwas  treibend  wirken,  also:  saure  Milch,
Kefir,  Salat  mit  Zitronensaft,  Prunellenkompot,  Apfelmus,  Schrotmehlsuppe,
roh  gekaute  Hafergrütze,  Möhren,  Spinat,  Sago,  Grieß,  Tomaten.  Keine
Mehlspeisen,  kein  Brot.  Ferner  hohe  Wassereinläufe  in  Knie-Ellenbogenlage,
um  durch  den  Flüssigkeitsdruck  auf  die  Darmwände  zu  wirken,  und  wenn
die  erregte  Stelle  zu  erreichen  ist,  tägliche  Sondenbehandlung,  durch  welche
diese  gedehnt  und  eine  sich  gleichbleibende  Durchgangsöffnung  erzielt  wird.

Folgende  kurze  Krankengeschichte  gibt  uns  ein  Beispiel  für  obigen  Fall:
Eine  Frau  hatte  einen  syphilitischen  Mann,  der  sie  zwang,  den  geschlechtlichen
Verkehr  in  unnatürlicher  Weise  auszuführen.  Statt  energischen  Widerspruch
zu  erheben  und  den  Mann  zur  Erkenntnis  seines  wahren  Zustandes  und  der
ihm  dadurch  erwachsenden  Pflichten  zu  führen,  fügte  sie  sich,  wie  es  unwissende
Frauen  meistens  tun  und  —  wurde  sein  Opfer.  Möglicherweise  war  sie
über  die  Natur  seines  Leidens  zu  jener  Zeit  auch  nicht  klar;  kurz,  bald
begannen  allerlei  Darmbeschwerden,  und  die  Frau  mußte  sich  in  dauernde
Behandlung  begeben.  Es  hatte  sich  im  Dickdarm  ein  syphilitisches  Geschwür
gebildet,  das  zum  Darmverschluß  zu  führen  drohte,  wenn  man  das  Darmrohr
nicht  künstlich  offen  erhielt.  Die  verengte  Stelle  war  mit  Sonden  zu  erreichen,