Diät  —  Diätkuren.  569

Will  sich  eine  Frau  über  die  Erkrankung  eines  Angehörigen  klar
werden,  so  suche  sie  zuerst  die  Ursache  derselben  zu  erkennen,  dann  versuche
sie,  sich  über  den  Sitz  des  Leidens  aufzuklären  (so  weit  dies  einem  Nichtarzte
möglich  ist!)  und  beobachte  äußere  Anzeichen,  die  oft  für  die  Beurteilung
des  ganzen  Zustandes  von  Wichtigkeit  werden,  z.  B.  Gesichtsfarbe  —  ob
blaß,  fahl,  gerötet  —  ob  die  Pupillen  erweitert  sind,  ob  der  Rachen  entzündet
  ist  (siehe  Tafel  Nr.  15  und  18),  ob  die  oberen  Angenlider  herunterhängen,
  oder  ob  Säckchen  am  unteren  Augenlide  entstanden  sind,  ob  der  Atem
kurz,  beschleunigt  oder  pfeifend  geht,  ob  der  Kranke  eine  willkürliche,  bequeme
Lage  einnimmt  (aktive)  oder  eine  schlaffe,  unbequeme  (passive)  und  anderes
mehr.  Kleine  Kinder  greifen  bei  Ohr=  und  Halsschmerzen  nach  dem  Kopfe,
ziehen  bei  Darmkolik  die  Beinchen  ein,  Herzkranke  legen  sich  meist  auf  die
linke  Seite  usw.  Dies  alles  beobachte  man  und  teile  es  dem  Arzte  mit.

Diät.  Wer  Diät  verordnen  will,  studiere  erst  ein  wenig  Ernährungslehre.
  Wir  haben  darum  unserem  Buche  ein  so  großes  Kapitel  über  die
Ernährung  beigegeben,  damit  jeder  Hausfrau  Gelegenheit  gegeben  wird,  die
Lücken  ihres  Wissens  auszufüllen  und  alte  Vorurteile  zu  beseitigen.  Keine
Krankenbehandlung  ohne  Diät,  keine  Gesundung  ohne  Blutverbesserung  und
richtig  bemessene  Zufuhr  der  nötigsten  Nährstoffe!  Man  lese  also  eifrig  das
genannte  Kapitel  im  I.  Teile  nach.

Man  spricht  von  einer  Normaldiät,  Magendiät,  einer  Diät  für  Kinder,
für  Blutende,  für  Darm-,  für  Krebskranke  usw.  Näheres  steht  bei  der  Abhandlung
  der  einzelnen  Krankheiten.

Auch  kennt  man  Tranbenkuren,  Zitronenkuren,  Buttermilchkuren,  Molkenkuren,
  Trockenkur,  stärkende  Diät  und  Entziehungsdiät  usw.  Da  die  Erfahrung
gelehrt  hat,  daß  man  durch  Essen  Fett  beseitigen  oder  anschaffen  kann,
Stuhlgang  zurückhalten  oder  vermehren,  Bleichsucht  erzeugen  oder  ausheilen
kann  usw.,  so  hat  man  den  regelmäßigen  und  vermehrten  Genuß  bestimmter
Nahrungsmittel  oder  ihren  vollständigen  Ausschluß  mit  Vorteil  zu  Heilzwecken
benützen  gelernt  und  sind  solche  „Kuren“  gewiß  empfehlenswerter  als  eine
„Arsenkur“,  eine  „Schmierkur“  mit  giftigen  Salben,  eine  „Bitterwasserkur"  usw.

Diätkuren.  Zu  den  Entfettungskuren  richnet  man  die  Bantingkur
  (siehe  Seite  499),  Ebsteins  Kurmethode,  Oertelsche  Kur,  die  Schrothkur.

Professor  Ebstein  gestattet  die  Aufnahme  von  Fett,  verbietet  aber  den
Genuß  von  Mehlstoffen  und  Süßigkeiten,  —  eine  Methode,  die  der  Wahrheit
schon  viel  näher  kommt  und  daher  ohne  Schädigung  des  Organismus  gute  Erfolge
bei  Fetten  erzielen  muß.  Noch  weiter  geht  Professor  Oertel,  der  durch  die
Entziehung  der  gewohnten  Flüssigkeitsmengen  besonders  bei  Herzkranken  bedeutende
  Wirkungen  erreicht.  Bei  dieser  Kur  muß  nicht  nur  weniger  getrunken,
sondern  es  müssen  auch  die  geeigneten  Nahrungsmittel  ausgesucht  werden.
Man  erkennt  aus  diesen  kurzen  Angaben,  daß  diese  Kur  sich  der  strengeren
Schrothkur  annähert.  (Siehe  diese  unter  Buchstabe  8.)