570  Diätspeise  —  Diphtherie.

Eine  entgegengesetzte  Wirkung  hat  die  Mastkur  nach  Dr.  Weir
Mitschell,  einem  amerikanischen  Arzt.  Der  englische  Arzt  Playfair  und
Professor  Leyden  in  Berlin  haben  praktisch  und  theoretisch  diese  Methode
auch  gestützt.  Man  hat  durch  die  Erfolge  erwiesen,  daß  besonders  bei  Nervenleiden
  magere,  herabgekommene  Patienten  durch  systematische  Auffütterung,
neuen  Fettansatz,  wesentliche  Besserung  erfahren.  Bettruhe,  Massage,  angenehme
  seelische  Eindrücke,  auch  milde  elektrische  Behandlung  sind  wichtige,
unterstützende  Heilfaktoren.  (Siehe  unter  „Mastkur“.)  Leider  ist  in  unserer
Zeit  auch  viel  Mißbrauch  mit  dieser  Kur  getrieben  worden.

Die  Milchdiät.  Bekanntlich  ist  die  Milch  das  vollkommenste  Nahrungsmittel.
  Da  sie  außerdem  den  Magen  bald  verläßt  und  nicht  reizend
wirkt,  hat  sie  für  Magenerkrankungen  große  Vorzüge.  Sie  bindet  übermäßige
Salzsäure  im  Magen  und  verbraucht  durch  ihren  Eiweißgehalt  das  vorhandene
Pepsin.  Letzteres  und  Salzsäure  reizen  wunde  Magenstellen,  sind  daher  bei
Magengeschwüren  schädlich.  Die  Tiermilch,  die  mit  der  Frauenmilch  am  meisten
Ahnlichkeit  hat,  ist  die  beste  für  alle  Magenleiden.  Stuten=  und  Eselinnenmilch
kommen  hier  in  erster  Linie  in  Betracht,  sind  aber  nicht  immer  zu  beschaffen.
(Man  lese  im  zweiten  Kapitel  über  Milch  nach.)  Man  nimmt  1—2  Liter  rohe
Milch  in  kleinen  Mengen  3—4  mal  täglich,  lau  besser  als  kalt  oder  heiß
und  mit  einem  Löffel,  also  essend,  nicht  trinkend.  Wenn  ein  Zusatz  von
Mehlstoffen  angezeigt  ist,  dann  kommen  Biskuit,  Zwieback,  Schleime  von
Reis,  Gerste  usw.  in  Betracht.  Ist  zu  viel  Magensäure  vorhanden,  so  wird
etwas  Lindenkohl  oder  doppeltkohlensaures  Natron  gut  einwirken.  Auch  Gießhübler
  Sauerbrunnen  hat  sich  als  alkalisches  Wasser  bewährt.  Man  setzt
ihn  der  Milch  zu.

Diätspeise  nach  Dr.  Bircher-Benner.  Aus  den  Angaben  unter  „Energielehre“
  (siehe  Buchstabe  E)  geht  hervor,  daß  ungekochte  Nahrungsmittel  mehr
Kräfte  geben,  als  gekochte  und  daß  alle  frischen  Pflanzenstoffe  Sonnenenergie
enthalten.  Obiger  Arzt  hat  daher  wohlschmeckende  Mischungen  zusammengestellt,
die  wir  Geschwächten,  chronisch  Kranken  oder  Fetten  sehr  empfehlen:  1—3  zerkleinerte
  Apfel,  1—2  Eßlöffel  vorgeweichter  Haferflocken,  Saft  einer  halben
Zitrone,  1  Löffel  Bienenhonig  oder  Fruchtgelee,  1  Liter  kondensierte  Milch  (kann
auch  weggelassen  werden)  oder  geriebene  Nüsse  geben  ein  vortreffliches  Gericht.
Je  nach  der  Jahreszeit  werden  statt  der  Apfel  auch  Beeren  oder  getrocknete
Zwetschgen  genommen.  Auch  Karotten  schmecken  gut  dabei.  Apfel,  Nüsse,
Honig  mit  Haferflocken  geben  im  Winter  eine  vortreffliche  Kraftspeise.

Dipbtberie.  Die  Diphtherie  gehört  zu  jenen  schweren  Infektionskrankheiten,
  die  nach  dem  heutigen  Stande  der  Wissenschaft  von  einem  bestimmten
  Spaltpilz  und  dessen  Produkten  (Behringscher  Spaltpilz)  hervorgerufen
  wird.  Sie  wird  jetzt  nicht  mehr  als  örtliches  Halsleiden  betrachtet,
sondern  als  ein  gefährliches  Allgemeinleiden,  das  sich  durch  Ausschwitzungen
im  Rachen  äußert,  sehr  ansteckend  ist  und  vorzugsweise  Kinder  befällt.