572  Diphtherie.

und  Nasenkatarrhen  auch  häufig  und  können,  besonders  bei  schlechter  Beleuchtung,
  mit  bösartigen  Belägen  leicht  verwechselt  werden.

Das  Mandelgeschwür,  mit  hellem  Eiter,  ganz  wie  Fig.  3  auf  Tafel  18
zeigt,  läßt  sich  durch  Gurgeln  und  Räuspern  nicht  beseitigen,  sondern  bleibt
im  Gegensatz  zu  lockeren  Belägen  konstant.  Auch  ist  bei  dieser  Erkrankungsform
  meist  nur  eine  Mandel  stark  vergrößert  und  entzündet.  Außerdem  ist
sie  die  schmerzhafteste  aller  Halsentzündungen.  Wir  warnen  daher  auch
dringend  vor  Selbstbehandlung  und  raten  die  rasche  Herbeiholung  eines
Arztes  an,  wenn  sich  verdächtige  Erscheinungen  bei  einem  Kinde  einstellen.
(Siehe  Tafel  18  mit  der  dazugehörigen  Erklärung).  Fig.  340  lehrt  uns  die
Halsuntersuchung.  Man  sorge  für  genügenden  Lichteinfall  in  den  Mund  und
lasse  das  Kind  den  Buchstaben  4  sagen,  damit  sich  Zäpfchen  und  Gaumensegel
heben.  Den  Zungenrücken  drückt  man  mit
einem  silbernen  Löffel  nieder  und  gehe
rasch  und  geschickt  vor,  damit  die  Kinder
nicht  zu  viel  Brechreiz  bekommen.  Die
Pflege  Diphtheriekranker  ist  eine  oft  sehr
schwere  und  erfordert  Hingebung  und
Verständnis.  Jede  Pflegerin  gurgle  selbst
täglich  mehrmals  mit  Zitronenwasser,
mache  Klistiere,  nehme  öfter  ein  warmes

·  Vollbad  und  reinige  stets  ihre  Hände  mit

Fig.  340.  Untersuchung  des  Halses.  Lysol,  wenn  sie  das  Krankenzimmer  verläßt.

Die  Darmentleerungen  des  Kranken  sind

sogleich  mit  Chlorkalk  zu  versetzen,  die  oft  gewechselte  Leib-  und  Bettwäsche
in  eine  Karbollösung  zu  legen.

Behandlung.  Bei  Fieber  und  Halsentzündung  mache  man  sofort
kalte  Halsumschläge  und  Rumpfpackung,  die  man  je  nach  dem  Hitzegrad  halboder
  einstündlich  wechselt.  Den  Darm  entleere  man  durch  große  Klistiere
mehrere  Tage  nacheinander  und  als  Nahrung  reiche  man  nur  frische  Früchte  (Apfel
und  Apfelsinen),  keine  Milch,  nicht  dicke  Mehlgerichte.  Zu  Beginn  der  Krankheit
  sind  heiße  Sitzbäder,  auch  Sitzdampf  mit  nachfolgender  Abkühlung
angezeigt,  später  Bettdampfbäder  mit  Schweißerzeugung.  Näheres  muß
der  erfahrene  Arzt  je  nach  dem  Fall  entscheiden.  Wird  nichts  ausgehustet,
oder  tritt  Erstickungsgefahr  ein,  dann  dient  kaltes  Wasser  vorzüglich,  indem
es  den  Organismus  zu  größeren  Anstrengungen  anpeitscht  und  durch  Reizung
gewisser  Nervenpartien  kräftigen  Husten  auslöst.  So  bei  kurzen,  kalten  Rückengüssen
  von  14°  R.  oder  geringeren  Graden.  Wie  bei  Krupp  (Croup)  das
Aushusten  der  Häute  aus  dem  Kehlkopf  Rettung  bringt,  so  ist  es  auch  bei
Diphtherie,  wenn  sie  bereits  in  die  unteren  Halsteile  gedrungen  ist.  Also
scheue  man  das  kalte  Wasser  nicht,  wenn  man  ein  Kind  in  Atemnot  sieht.  Bei
Herzschwäche  und  nervöser  Reizbarkeit  benetze  man  die  Brust  vorher  mit  kaltem