Einreibung.  587

packung,  Dreiviertelpackung,  Halbpackung  (bis  zum  halben  Rumpf),  Rumpfpackung,
  Bein-,  Armpackung,  Hals-,  Hand=  und  Jußpackung.  Wärmeentziehung
  ist  die  Aufgabe  der  kühlen,  kurzen  Packungen,  Wärmeansammlung,
  vermehrte  Hauttätigkeit,  Lösung  und  Ausscheidung  durch
die  feuchte  Wärme  die  Aufgabe  der  längeren  Packungen,  deren  milde  und
doch  tiefgehende  Wirkung  unersetzlich  ist.

Auch  „Trocken  packungen“  wende  man  an,  um  kräftigen  Schweiß
zu  erzielen.  Man  gibt  ein  heißes  Vollbad  von  40%  C.,  läßt  bei  Personen,
die  schwer  schwitzen,  wohl  auch  warmes  Zitronenwasser  oder  Lindenblütentee
trinken  und  wickelt  den  Kranken  in  ganz  trockene  Tücher  und  Decken  fest  ein.
Wärmeflaschen  an  die  Sohlen,  Federbetten  bis  an  den  Hals  bringen  den
Schweiß  alsbald  zum  Tropfen.

Da  die  Wasserentziehung  bei  diesem  Verfahren  aber  sehr  ausgiebig  ist,
so  fühlt  man  sich  darauf  wohl  auch  recht  angegriffen.  Für  Nervenschwache
ist  die  Trockenpackung  daher  nicht  immer  zu  empfehlen;  frostige  Naturen
fühlen  sich  aber  wohler  in  ihr.  In  nasse  Tücher  gewickelt,  müssen  sie  zu
viel  Wärme  produzieren,  um  diese  erst  zu  erwärmen,  und  sie  kommen  ohne
Zuhilfenahme  von  Wärmegquellen  (Dampfkruken)  schwer  oder  gar  nicht  zum
Schwitzen.  Unbehagen,  Reizbarkeit,  Druck  im  Kopfe  bleibt  von  solchen  mißlungenen
  oder  schlecht  angebrachten  Ganzpackungen  zurück.  Daher  wähle  man
vorsichtig,  —  niemals  „Eines  für  Alle“!

Wenn  die  Ganzpackung  nur  zu  einem  angenehmen  ein=  bis  zweistündigen
„Dunsten“  führte  —  also  nicht  zu  starker  Erhitzung  und  zum  Schwitzen  —,
dann  bedarf  es  höchstens  einer  kurzen  kühlen  Abwaschung  mit  einem  weichen
Schwamm,  der  man  Bekleidung  mit  trockener  Wäsche  folgen  läßt.  Auch
leichte  Abreibung  mit  trockenem  Handtuch  genügt  oft  und  verhindert  ein  dem
Kranken  sehr  unangenehmes  Frösteln.  Nur  nach  Schweißausbruch,  besonders
nach  Trockenpackungen  ist  eine  laue  Übergießung,  auch  ein  Halbbad  von  300
bis  22°%  C.  abgekühlt,  angezeigt  und  von  sehr  wohltätiger  Wirkung;  doch
entscheidet  hierüber  einzig  der  Kräftezustand  des  Kranken.

Einreibung.  Von  der  älteren  Staatsmedizin  wurde  sie  viel  mehr
angewendet,  als  dies  heute  noch  der  Fall  ist.  Mögliches  und  Unmögliches
wurde  früher  in  die  Haut  eingerieben  in  dem  Glauben  an  eine  großartige
Fernwirkung.  Jetzt  beschränkt  man  sich  hauptsächlich  auf  Kampferspiritus,  auf
Qrecksilbersalbe  und  Krätze  vertreibende  Mittel.

Die  Aufnahme  durch  die  Haut  ist  ja  eine  beschränkte,  und  die  vornehmste
Wirkung  jeder  Einreibung  ist  die  der  Wärmeerzeugung  und  des  Nervenreizes;
daher  ihre  Beliebtheit,  wenn  man  erregende  Mittel,  wie  Kampferspiritus,
Franzbranntwein  oder  Kräuter-Essenzen,  gebraucht.  Sie  erzeugen  Röte,
weil  die  Blutgefäße  der  Haut  sich  stärker  füllen,  und  sind  zu  diesem  Zwecke  gelegentlich
  berechtigt,  während  Einreibungen  von  metallischen,  schweren  Giften,  wie
Quecksilber  eines  ist,  zu  großer  Gesahr  für  jeden  Organismus  werden  kann.