588  Einspritzung  —  Eisen.

Bei  ziehenden  Schmerzen  in  den  Gliedern,  bei  „rheumatischem“  Stechen
irgendwo  im  Körper  ist  eine  kräftige  Einreibung  mit  Kräuter-Essenz,  z.  B.  mit
der  „braunen  Essenz“  von  Reglin  (Stuttgart)  sehr  angenehm.  Von  dauernder
Wirkung  aber  sind  warme  Packungen.

Einspritzung.  Man  unterscheidet  Einspritzungen  in  Körperhöhlen,
unter  die  Haut  und  in  Venen.  Sie  gehören  nicht  zu  den  gleichgültigen
Anwendungen;  denn  was  die  Natur  verschlossen  hat,  ist  empfindlich  gegen  das
Eindringen  von  Fremdkörpern;  ein  Wasserstrahl,  ein  Gummirohr  sind  aber
reizende  Fremdkörper  für  eine  Harnröhre,  eine  Gebärmutter  usw.,  von
Arzneistoffen  gar  nicht  zu  reden.  Die  neuere  Schulmedizin  umgeht  oft  mit
Vorliebe  den  Verdauungsschlauch  und  führt  den  Gefäßbahnen  Arzeeistoffe
durch  Einspritzungen  unter  die  Haut  zu.  Ihre  Aufnahme  erfolgt  natürlich
rascher  und  ihre  Wirkung  ist  stark.  Übelkeiten  oder  Reizungen  des  Darmes
werden  dadurch  umgangen.  Wirklich  lindernd  in  verzweifelten  Fällen  sind  die
Morphiumeinspritzungen  und  sehr  einfach  in  der  Anwendung.  Ein  kleiner
Stich  und  es  ist  geschehen.  Schwefeläther=  und  Kampfereinspritzungen
kann  höchstens  in  Fällen  größter  Not  das  Wort  geredet  werden.  Oft  bereiten
sie  einem  schon  Sterbenden  noch  unnötige  Qual!  Selbstredend  darf  sie  nur
die  geschulte  Hand  des  Arztes  ausführen;  der  „Hausärztin“  stehen  für  gewöhnlich
  andere  Mittel  zu  Gebote.

Eis.  Die  Staatsmedizin  wendet  Eis  bei  gefährlichen  Entzündungen
und  tiefsitzenden  Eiterungen  an,  so  bei  Gehirnentzündung,  bei  Blinddarmentzündung,
  bei  Krupp  (Croup)  usw.  Das  Eis  wird  in  wasserdichte  Beutel  gefüllt
und  wirkt  durch  seine  Kälte,  ohne  zu  nässen;  alles  Leben  macht  es  erstarren,
den  Stoffwechsel  hemmt  es,  bei  intensiver  Wärmeentziehung  vermindert  es  die
Eiterbildung  und  den  Schmerz,  befördert  aber  die  Heilung  nicht.  Die  Heilkunde
  der  Zukunft  wird  daher  keine  Eisbeutel  gebrauchen!  Ist  kräftige
Wärmeentziehung  am  Platze,  so  wenden  wir  Kühlapparate  an,  welche  wir
an  anderer  Stelle  besprechen,  und  wechseln  nasse  Aufschläge.  Sie  erfüllen  den
Zweck,  ohne  durch  übermäßige  Kälte  zu  lähmen.  Wir  kühlen  aber  nicht  nur
an  der  erkrankten  Stelle,  sondern  wir  verfügen  auch  über  bewährte  Mittel
der  Ableitung.  (Siehe  „Ableitung“.)

Bei  Erbrechen,  Halsentzündungen,  Blutungen  ist  vorübergehender  Genuß
kleiner  Eisstückchen  sehr  wohltätig,  vorausgesetzt,  daß  das  Eis  einigermaßen
bakterienfrei  ist  und  nicht  einem  schmutzigen  Wasser  entnommen  wurde.

Eisen.  Aus  dem  ersten  Kapitel  dieses  Buches  wissen  wir  bereits,  daß
das  Eisen  in  Verbindung  mit  anderen  Stoffen  eine  wichtige  Rolle  in  unserem
Organismus  spielt;  über  seine  Wirkung  als  Arzneimittel  gehen  die  Meinungen
jedoch  sehr  auseinander.  Auch  die  Form  der  Darreichung  zeigt  die  größten
Verschiedenheiten,  daher  die  vielen  gebräuchlichen  Eisenpillen,  Eisenliköre,
Eisenquellen  usw.,  von  welchen  jedes  gerühmt  und  jedes  verworfen  wird,
je  nach  den  subjektiven  Erfahrungen  der  Arzte  und  der  Kranken.  Man  gibt