590  Eiweiß  —  Etel.

unreinliche  Behandlung  der  Geburtswunden  Blutvergiftung  entstand.
Das  gleiche  hat  man  bei  verwundeten  Kriegern  beobachtet.

Behandlung.  Die  sorgfältigste,  reinlichste  Behandlung  der  Wunden  verhütet
  den  Ansbruch  des  Eiterfiebers.  Deuten  aber  allerlei  Anzeichen  darauf
hin,  daß  sich  eines  entwickeln  könnte,  dann  mache  man  bei  schon  vorhandenem
Fieber  Ganzpackungen,  deren  Dauer  sich  nach  dem  Zustand  richtet  und  lasse
dunsten.  über  Wundbehandlung  findet  sich  näheres  unter  Buchstabe  W.  Bei
anhaltenden  Schüttelfrösten  sind  heiße  Bäder  von  40%  C.  angebracht,  langsam
aufsteigend,  darnach  Trockenpackung  mit  starker  Erhitzung  (siehe  „Einpackung")
und  darauffolgendem  Halbbad  von  33°  C.  sowie  kühleren  Übergießungen  bis
etwa  22°  C.  Kräftige  Schweißerzeugung  kann  rettungbringend  werden.  Häufige
kleine  Klystiere,  Obstdiät,  weitgeöffnete  Fenster  unterstützen  die  Heilung  gewaltig.

Eiweiß.  Es  findet  sich  in  allen  organischen  Körpern  als  Albumin,
Faserstoff  oder  Käsestoff;  alle  Eiweißstoffe  zersetzen  sich  leicht  und  werden  aus
dem  gesunden  Körper  auch  wieder  entfernt.  (Siehe  zweites  Kapitel  „Ernährung",
I.  Teil.)  Da  sie  sich  am  Aufbau  aller  organischen  Gewebe  beteiligen,  müssen
sie  auch  in  unserer  Nahrung  enthalten  sein.  Ein  „zu  wenig“  schädigt  uns
auf  die  Dauer,  ein  „zu  viel“  macht  uns  aber  krank,  indem  der  Organismus
die  Zersetzungsprodukte  der  Eiweißkörper  nicht  mehr  auszuscheiden  vermag
und  deren  Ansammlung  Ursache  von  Krankheiten  wird.  Ihre  Zersetzungsprodukte
  sind  Harnstoff,  Harnsäure,  Hippursäure,  Kreatin  und  anderes  mehr.

Skel.  Man  bezeichnet  damit  gewöhnlich  den  Abscheu  vor  Speise  und
Trank,  der  bei  Verdauungsstörungen,  bei  überfülltem  Magen,  bei  nervösen
Reizzuständen  sich  einstellt.  Man  glaubt,  daß  er  hauptsächlich  durch  den
Magen-Lungennerv,  den  Vagus,  entsteht.  Er  kann  ebenso  krankhaft  sein  wie
instinktiv  begründet.  Niemals  unterdrücke  man  ihn,  wo  er  sich  einstellt;  denn
er  ist  immer  ein  Signal,  ein  Verhütungs=  oder  Heilmittel.  Der  Widerwille
gegen  bestimmte  Speisen,  die  sogar  Erbrechen  hervorrufen,  wenn  sie  hineingezwungen
  werden,  ist  oft  physiologisch  begründet,  d.  h.  es  besteht  eine  gewisse
Unfähigkeit,  dieselben  zu  verdauen  und  daher  die  Unlust.  Oft  aber  entsteht
auch  der  Ekel  durch  Gedankenverbindung,  indem  eine  bestimmte  Speise  andere
unangenehme  Vorstellungen  erweckt.  Dies  ist  z.  B.  beim  Spinat  der  Fall,
den  so  viele  nicht  leiden  mögen.  Manchmal  läßt  sich  solcher  Widerwille  überwinden;
  bei  Nervösen  und  Schwächlichen  aber  stehen  die  damit  verbundenen
Aufregungen  nicht  im  Verhältnis  zur  Wichtigkeit  des  Gegenstandes.  Man
lasse  sie  also  ruhig  meiden,  was  ihnen  widerlich  ist,  und  quäle  besonders
Kinder  nicht.  Das  „Aussuchen“  bei  den  Mahlzeiten  ist  immer  ein  krankhaftes
Zeichen;  denn  wer  gesunden  Hunger  hat,  ißt,  was  er  bekommt,  und  tut  nicht
gnädig.  Man  forsche  dann  lieber  der  Appetitlosigkeit  nach  und  behandle  die
übergroße  Empfindlichkeit  des  Nervensystems,  statt  Vorwürse  zu  machen.

In  vielen  Haushaltungen  wird  gerade  der  Widerwille  vor  Fleischnahrung
wie  eine  Art  Verbrechen  behandelt,  als  ob  jeder  Fleisch  essen  müßte,  und