Eklampsie.  591

so  manches  Kind  wird  ungerechterweise  gestraft.  Das  sollte  nie  geschehen;
denn  das  Fleischessen  ist  viel  eher  als  ein  übel  denn  als  ein  Vorzug  anzusehen
und  bringt  so  viele  Krankheiten  in  die  Welt.  Wohl  dem,  dessen  Organismus
noch  rechtzeitig  anzeigt,  was  er  lassen  und  was  er  wählen  soll!

Eklamplie  der  Kinder.  Man  bezeichnet  damit  eine  Art  von  Krämpfen,
die  bei  Kindern  „Gichter“  und  Fraisen  genannt  werden,  aber  auch  bei
Schwangeren  und  Gebärenden  anftreten.  Unter  Schwinden  des  Bewußtseins
treten  Zuckungen  in  einzelnen  Muskelgruppen,  bei  heftigen  Anfällen  selbst  in  den
willkürlichen  Muskeln  des  ganzen  Körpers  auf,  welchen  Abgeschlagenheit  folgt.
Die  Augen  verdrehen  sich;  die  Gesichtsfarbe  wechselt  rasch;  zuweilen  tritt  auch
ein  Lächeln  auf,  dessen  sich  die  Kranken  nicht  bewußt  sind;  die  Glieder  werden
eingebogen.  Schwächliche  Kinder  nervöser  Eltern  neigen  in  den  ersten  Lebensjahren
  sehr  dazu,  und  Verdauungsstörungen,  Schreck,  Temperaturwechsel
können  bei  solchen  Krampfanfälle  hervorrufen.  Bleiben  die  Kinder  stundenlang
mit  verdrehten  Augen,  eingezogenen  Gliedern  in  betäubtem  Zustande  liegen,  so
spricht  man  von  „stillen  Gichtern“.  Die  Anfälle  führen  selten  zum  Tode,  wohl
aber  die  Erschöpfung  darnach,  wenn  der  Allgemeinzustand  ein  schlechter  ist.

Behandlung.  Vor  allem  beseitigt  man  alles,  was  als  reizende
Ursache  wirkt.  Herabgekommenen  Flaschenkindern  gibt  man  eine  passende
Amme,  älteren  gibt  man  eine  vorsichtig  angepaßte  Kost;  Eselsmilch,  weil  sie
oft  besser  als  Kuhmilch  vertragen  wird,  Zusatz  von  Dr.  Lahmanns  vegetabilischer
  Milch,  des  Nährsalzgehaltes  wegen,  leichtverdauliches  Obst,  frische
oder  Dampferdbeeren,  reinen  Himbeersaft,  bei  Stuhlverstopfung  Sauerkirschensaft,
  Apfelmus,  Dr.  Lahmanns  Nährsalz-Biskuits,  Wurzelsuppen,  Hafergrütze,
aber  kein  grünes  Gemüse,  keinen  dicken  Brei,  ja  nicht  Fleisch  oder  Fleischbrühe
  oder  gar  Kaffee.  Dann  sorge  man  für  frische  Luft,  bringe  das  Kind
in  den  Wald,  lasse  es  im  Freien  mit  Sand  spielen,  auf  warmen  Wiesen
barfuß  laufen,  mache  nachts  kühle  Leibaufschläge  und  täglich  ein  auch  zwei
warme  Bäder  von  37°  C.,  welchen  man  allmählich  kleine  Abkühlungen  folgen
läßt.  Je  nach  dem  Gesamtzustand  ergibt  sich  auch  die  Behandlung  im  einzelnen;
hebt  sich  dieser,  so  verschwinden  auch  die  Anfälle  langsam.

Während  eines  Anfalles  öffne  man  alle  Kleidungsstücke,  leite  frische  Luft
zu  und  frottiere  Armchen  und  Beinchen  mit  nassen  Tüchern,  worauf  man
Wärmflaschen,  nicht  zu  heiß,  anlegt.  Auch  laue  Klystiere  wirken  abkürzend.
Die  hartnäckige  Betäubung  nach  schweren  Anfällen  bekämpft  man  durch  Ganzabwaschungen
  mit  Essigwasser  und  nachfolgender  Erwärmung,  wenn  nötig.

Eklamplie  der  Schwangeren.  Sie  tritt  oft  blitzartig  auf  und  befällt
gerade  kräftige  Personen  häusiger.  Wiederholen  sich  hesftige  Anfälle  vor  der
Entbindung,  so  können  sie  auch  in  wenigen  Tagen  zum  Tode  führen.  Man
glaubt  sie  bei  den  Frauen  mit  Nierenreizungen  in  Zusammenhang  bringen  zu
können;  sicher  ist  jedoch,  daß  bestimmte  Anzeichen  dafür  nicht  immer  zu  finden
sind.  Die  Anfälle  treten  oft  mit  furchtbarer  Heftigkeit  auf  und  bieten  einen