592  Ekstase  —  Elektrizität.

schrecklichen  Anblick.  Ein  Teil  der  Geburtshelfer  erblickt  in  der  möglichst
rasch  eingeleiteten  künstlichen  Entbindung  alles  Heil,  weil  tatsächlich  nach  der
Ausstoßung  der  Leibesfrucht  die  Anfälle  meist  wie  abgeschnitten  sind;  ein
anderer  Teil  will  in  keiner  Weise  eingreifen,  weil  jeder  mit  Eingreifen  verbundene
  Nervenreiz  eine  Verschlimmerung  der  Anfälle  anfänglich  nach  sich  zieht
und  die  Gefahr  also  erhöht.  Man  beschränkt  sich  dann  auf  sorgfältige  Ruhehaltung,
  Chloroformnarkose,  kalte  Kopfaufschläge,  Morphinmeinspritzungen,  welche
Anwendungen  wohl  lindern  und  die  Erscheinungen  unterdrücken,  aber  nicht  heilen
und  den  gestörten  Stoffwechsel  nicht  wieder  herstellen.  Warme  Bäder  während
der  Pausen  mit  nachfolgender  Dreiviertelpackung,  kräftige  Frottierung  der
Beine  mit  kaltem  Wasser  und  Anlegung  von  Wärmflaschen,  große  Entleerungsklystiere
  mit  nachfolgendem  kalten  Bleibeklystier,  Darreichung  von  Lindenblütentee,
um  schweißtreibend  zu  wirken,  werden  bessere  Dienste  tun  und  auch  die  Entbindung
  befördern.  Offene  Fenster,  die  man  in  solchen  Fällen  meist  in  erster
Linie  vergißt,  seien  noch  besonders  betont.  Nach  überstandenem  Wochenbett
aber  eine  Kräftigungskur,  damit  sich  die  Krankheit  nicht  mehr  wiederhole!

Ekstase.  Man  versteht  darnnter  einen  eigentümlichen  Zustand  der
Verzückung,  durch  heftige  Steigerung  der  Seelentätigkeit  entstanden,  wobei.
sich  auch  die  Empfindlichkeit  der  Sinnesorgane  bedeutend  vermehrt,  so  daß
Dinge  gehört,  gesehen  und  empfunden  werden,  von  welchen  ein  normaler
Mensch  nichts  weiß.  Ein  Überreiz  im  Gehirn,  wodurch  gewisse  normale
Funktionen  ausgeschaltet  werden,  führt  dazu.  Im  Alltagsleben  nennt  man
Frauen,  die  gerne  kleine  Ekstasen  markieren,  „exaltiert“  und  übertrieben  und
weicht  ihnen  gerne  aus.  Das  krankhafte  Gefühlsleben  vieler  Frauen  besteht
aber  oft  darin,  daß  sie  ihre  Empfindungen  heimlich  stets  bis  zur  Ekstase
hinaufschrauben  und  dadurch  im  intimen  Verkehr  so  unleidlich  werden.  Man
betrachte  solche  als  Seelenkranke,  Nervenschwache,  suche  versöhnende  Momente
in  ihr  Leben  zu  bringen,  erweise  ihnen  duldfame  Liebe  und  suche  sie  durch
praktische,  kräftigende  Arbeiten  und  körperliche  Pflege  nach  unseren  Prinzipien
auf  eine  andere  Bahn  zu  bringen.

Slektrizität.  In  den  letzten  Jahrzehnten  hat  man  der  Elektrizität
immer  mehr  Aufmerksamkeit  zugewendet;  in  der  vielfältigsten  Weise,  oft  zu
reichlich  und  oft  eigentlich  unbegründet,  hat  man  sie  auch  zu  Heilzwecken
verwendet.  Nach  ihren  Erfindern  unterscheidet  man  Galvanische  und
Faradische  Elektrizität;  erstere  besteht  aus  dem  anhaltenden  Strom,  der
schwach  gegeben  beruhigend  wirkt,  letztere  aus  dem  unterbrochenen,  der
erregend  wirkt.  Beide  eignen  sich  daher  zur  Behandlung  von  Nervenleiden,
z.  B.  bei  Schmerzen  ein  schwacher  galvanischer  Strom,  bei  Lähmungen  der
erregende  faradische.  Sie  unterstützen  andere  Heilfaktoren  und  werden  daher
viel  benützt.  Ihre  lokale  Wirkung  ist  gewiß  nicht  zu  bezweifeln;  doch  darf
ihr  Einfluß  auf  das  gesamte  Nervensystem  auch  nicht  übersehen  werden.
Nervenschwache  Personen  werden  durch  elektrische  Behandlung  oft  so  aufgeregt,