594  Elephantiasis  —  Embolie.

Daß  elektrische  Ströme  mehr  oder  minder  alle  Körper  durchziehen,  daß
es  also  auch  eine  natürliche  tierische  Elektrizität  gibt,  ist  längst  bekannt;  wir
sind  daher  ihren  Einflüssen  ausgesetzt  im  Flußbade,  im  sonnigen  Luftbade,
bei  der  Massage  durch  eine  warme  Menschenhand  usw.  Und  daher  spricht
man  auch  von  einer  Luft=  und  Wasserelektrik  usw.,  welche  nie  so  erregend
wirkt  wie  die  künstliche  und  konzentrierte  elektrische  Behandlung.  Diese
natürliche  Elektrizität  wollen  wir  daher  vor  allem  pflegen!

Worin  die  eigentliche  Wirkung  der  künstlichen  Elektrizität  besteht,  weiß
man  noch  nicht,  uns  scheint  es  sicher,  daß  die  brutale,  unmittelbare  Anwendung
des  Stromes  für  Kranke  immer  mehr  zurückgestellt  werden  wird.

Auch  das  elektrische  Licht  hat  man  zu  Heilzwecken  verwenden  gelernt,
und  die  Zukunft  wird  uns  noch  mehr  Fortschritte  in  dieser  Hinsicht  bringen.
Es  hat  mehr  Leuchtkraft  als  irgend  eines  und  entwickelt  weniger  Wärme
als  andere  Beleuchtungsstoffe.  Man  verwendet  Bogenlicht  und  Glühlicht.
Das  elektrische  Lichtbad,  das  stark  anregend  wirkt,  ist  in  allen  Anstalten
eingeführt  worden,  eignet  sich  aber  nur  für  gewisse  Kranke  und  kann  die
milde  Wirkung  eines  Licht-Luftbades  im  Freien  nie  ersetzen.  Wohl  aber
wirkt  es  stark  schweißtreibend.

Die  gegenwärtig  so  viel  genannten  Röntgenstrahlen  haben  die  Fähigkeit,
  dichte  Stoffe  zu  durchleuchten;  sie  entstehen,  indem  man  elektrische
Ströme  durch  eine  luftleere  Röhre  leitet  und  bestimmte  Salze  zum  Leuchten
bringt.  Zu  Untersuchungszwecken  haben  sich  die  Röntgenstrahlen  vortrefflich
  bewährt;  man  wird  jedoch  durch  weitere  Verbesserungen  noch  mehr
damit  erreichen.

Elephantiasis.  Mit  diesem  Namen  bezeichnet  man  eine  bisher
ziemlich  unaufgeklärte  Wucherung  des  unter  der  Haut  befindlichen  Zellgewebes,
  welche  eine  hochgradige  Verunstaltung  der  von  dieser  Krankheit
ergriffenen  Glieder  zur  Folge  hat.  Sie  werden  unförmlich  dick  und  nahezu
sunktionsunfähig,  neigen  auch  sehr  zu  Entzündungen  und  Eiterungen.  Da
ärztliche  Behandlung  selten  vollen  Erfolg  hat,  so  bleibt  nichts  anderes  als
operatives  Einschreiten  übrig,  also  ein  Abtragen  des  unbrauchbar  gewordenen
Körperteiles,  nachdem  alle  Heilversuche  erfolglos  waren.  Doch  entschließe
man  sich  erst  dann  dazu,  wenn  systematische  Wasserbehandlung,  kräftige  Ableitung
  und  eine  diätetische  Kur  versucht  worden  sind.  In  Europa  ist  diese
Krankheit  selten.

Embolie  ist  ein  oft  gebrauchter  Ausdruck,  da  es  nicht  so  selten  vorkommt,
  daß  Menschen  ihr  erliegen.  Wenn  ein  Fremdkörper  oder  ein  Pfropf
aus  Blutgerinnsel  in  die  Blutbahn  gerät  und  dann  in  einem  engeren  Adernrohr
  stecken  bleibt,  so  wird  dieses  verstopft  und  ein  mehr  oder  minder  großes
Gebiet  vom  Blutzufluß  abgeschnitten.  Dadurch  kann  ein  Absterben  (Brand)
eines  Gliedes,  oder  auch  plötzlicher  Tod,  wenn  ein  Pfropf  im  Gehirn=  oder
Lungengefäß  steckt,  eintreten.