602  Epidermis  —  Epilepsie.

können  die  bösartigsten  Entzündungen  mit  Eiterbildung  herbeiführen.  Eingedrungene
  Metallstücke,  wie  Kugeln,  Nadeln  und  ähnliches  werden  in  ihrer
Lage  zuerst  durch  Röntgenbestrahlung  bestimmt  und  dann  vom  Chirurgen
entfernt.  Durch  Eiterung  wird  der  Fremdkörper  auf  naturgemäßem  Wege,
ohne  Kunsthilfe  herausbefördert;  dieser  Weg  ist  aber  meist  recht  langwierig  oder
schmerzhaft,  das  Messer  des  Chirurgen  ist  in  solchen  Fällen  höchst  wohltätig.

Spidermis.  Die  oberste  Schichte  der  Haut,  die  aus  abgestorbenen
kernlosen  Zellen  besteht,  ist  die  Epidermis.  Sie  stößt  sich  beständig  ab  und  ist
empfindungslos.  Dadurch  werden  wir  gegen  äußere  Eindrücke  widerstandsfähig
  und  ertragen  schadlos  Temperaturunterschiede  sowie  Druck  und  Stoß.
Ihr  Verlust  wird  schmerzhaft,  weil  die  Nerven  der  gefäßreichen  Lederhaut
dann  bloßliegen.

Epileplie.  Der  Sitz  dieser  schweren  Krankheit  liegt  im  Zentralnervensystem;
  doch  ist  ihr  eigentliches  Wesen  immer  noch  nicht  erkannt.
Nervenkrankheiten  sowie  Trunksucht  der  Eltern  sind  ihre  häufigsten  Ursachen,
doch  auch  bei  Gesunden  kann  sich  Epilepsie  plötzlich  entwickeln,  z.  B.  nach
heftigem  Schreck.  Bei  erloschenem  Bewußtsein  befällt  ein  Krampfzustand  den
ganzen  Körper;  die  Atmung  stockt,  das  Gesicht  wird  blau,  die  Augen  werden
starr  wie  alle  Muskeln,  dann  beginnen  Zuckungen;  heftiger  innerer  Druck
treibt  Schaum  vor  den  Mund;  unter  stoßweiser  Atmung  erfolgt  langsame
Lösung  des  furchtbaren  Zustandes,  dem  Erschöpfung  und  Benommenheit
folgen.  Anfälle  kommen  oft  allmonatlich,  aber  auch  mehrmals  innerhalb
24  Stunden  in  schweren  Fällen  vor.  Verblödung,  allgemeine  Erschöpfung,
Lungenschwindsucht,  Tod  durch  Verwundungen  beim  Fallen  usw.  ist  der
gewöhnliche  Ausgang.  Der  Ausbruch  einer  hitzigen  Krankheit,  auch  umfangreiche
  Eiterungen  wirken  oft  heilend  auf  Epilepsie  ein,  was  uns  die  reinigende
Wirkung  dieser  beweist.

Behandlung.  Bei  den  ausgebildeten,  langjährigen  Fällen  versagt
alle  Behandlung.  Man  kann  den  Zustand  mildern,  die  Kräfte  heben;  aber
vollständige  Heilung  wird  bei  veralteter  Krankheit  nicht  oder  nur  äußerst  selten
erzielt.  Anders  ist  es  bei  später  auftretenden  Anfällen,  deren  veranlassende
Ursache  man  kennt.  Durch  ruhige  Lebensweise,  Vermeidung  von  Alkohol
sowie  geschlechtlichen  Aufregungen  und  ungesunden  Berufsarbeiten  läßt  sich
schon  sehr  viel  erzielen.  Eine  milde  Wasserbehandlung  —  viel  kaltes  Wasser
schadet  meist  —,  streng  vegetarische  Ernährung,  Gartenarbeit  im  Freien,
Heißluftbäder  mit  leichter  Schweißerzeugung,  heiße  Kompressen  auf  dem
Rücken,  heiße  Fußbäder  während  des  Anfalles,  tiefgehende  Rückenmassage,
wobei  verdickte  Lomphgefäße,  die  ganz  wohl  einen  gewissen  Druck  auf  einzelne
Gehirnteile  ausüben  können,  verstrichen  werden,  so  daß  bessere  Zirkulation
eintritt,  bringen  oft  monatelange  Pausen  und  ungestörtes  Wohlbefinden.
Anstaltsbehandlung  muß  bei  beginnender  Verblödung  und  zunehmenden
Anfällen  eintreten.