Erblassen  —  Erbrechen.  603

Erblassen.  Es  gibt  eine  beständige  Blässe  der  Bleichsüchtigen  und
ein  plötzliches  Erblassen,  durch  nervöse  Einflüsse  entstanden,  das  bei  jedem
gelegentlich  vorkommt.  Durch  plötzliches  Zusammenziehen  der  Hautgefäße
wird  ihr  Inhalt  herausgepreßt,  wodurch  die  Haut  blaß  erscheint.  Bei  den
Blutarmen  ist  die  Menge  und  Farbe  des  Blutes  verändert,  daher  auch  die
veränderte  Hautfarbe.  Das  jähe  Erröten  und  Erblassen  findet  man  bei  vielen
Nervösen,  bei  welchen  das  Herz  auch  zu  viel  mitwirkt.  Sensible  Frauen
und  Mädchen  leisten  oft  Großartiges  im  Erröten  und  Erblassen  bei  allen
möglichen  Anlässen.  Sie  bedürfen  Abhärtung,  Kräftigung,  Willensübung  im
allgemeinen,  dann  nimmt  auch  die  große  Empfindsamkeit  ab.

Erblichkeit.  Es  ist  allbekannt,  daß  Eltern  auf  ihre  Kinder  geistige
und  körperliche  Eigenschaften  übertragen.  Dazu  gehört  leider  auch  die  Üübertragung
  krankhafter  Anlagen.  Dies  ist  von  Tuberkulose,  Krebs  und  Nervenkrankheiten
  bekannt,  ohne  daß  es  bisher  gelungen  wäre,  nachzuweisen,  worin
eigentlich  diese  übertragung  besteht.  Man  nimmt  also  eine  bestimmte  Disposition
  der  Körperzellen  an  und  bezeichnet  diese  als  „Vererbung“.  Man
verwechsle  jedoch  diese  nicht  mit  „Ansteckung“,  die  nichts  mit  Vererbung  zu
tun  hat.  (Siehe  unter  Buchstabe  A.)

Demnach  müßten  alle  Kinder  kranker  Eltern  an  den  gleichen  Krankheiten
zugrunde  gehen?  Keineswegs,  denn  neben  der  angeborenen  Anlage  wirken  auch
noch  Einflüsse  des  täglichen  Lebens  mit  ein.  Durch  glückliche  Einflüsse  können
schlechte  Anlagen  ebenso  unterdrückt  wie  durch  unglückliche  verstärkt  werden.
Wie  mancher  schmächtige  Sobn  einer  schwindsüchtigen  Mutter  wurde  durch
militärische  Erziehung  ein  strammer  Bursche,  der  schließlich  an  Altersschwäche
mit  gesunden  Lungen  starb.  Daher  gebe  man  die  Hoffnung  keineswegs  auf,  auch
bei  schwächlichen  Kindern  kranker  Eltern,  sondern  erziehe  sie  planmäßig  und
kräftige  ihre  Organe.  Das  gleiche  gilt  natürlich  vom  Krebs.  Versagt  man
aber  solchen  schwächlichen  Kindern  auch  noch  frische  Luft  und  gute  Nahrung,
läßt  man  sie  arbeiten  und  entbehren,  so  braucht  es  natürlich  nicht  lange,  bis
aus  den  schlummernden  Anlagen  ausgesprochene  Krankheiten  geworden  sind.

Erbrechen.  Es  ist  eine  Begleiterscheinung  vieler  ernsier  Krankheiten,
  z.  B.  des  Scharlachs,  der  Gehirnentzündung,  Darmverschlingung  usw.
In  solchen  Fällen  handelt  es  sich  um  krankhafte  Reflexerscheinungen,  wie  solche
auch  bei  schwangeren  Frauen  so  häufig  sind.  Bei  Verdauungsstörungen  jedoch
ist  es  als  ein  Alt  der  Selbsthilfe  aufzufassen,  indem  der  Magen  hinauswirft,
was  ihn  stört.  Man  unterscheide  also  genau  die  veranlassende  Ursache.  Tritt
Magenschmerz  dabei  auf,  oder  wird  das  Erbrechen  krampfartig,  dann  lege
man  die  heiße  Bauchflasche  oder  gewärmte  Deckel  auf  den  Leib,  mache
auch  ein  beruhigendes  Klystier  und  sorge  für  gute  allgemeine  Erwärmung.
Wird  es  übermäßig  und  erschöpfend,  wie  bei  Hysterischen  und  Schwangeren
oder  bei  Brechdurchfall,  dann  muß  man  es  zu  stillen  suchen.  Eisstückchen