606  Ergotin  —  Erschöpfung.

Ergotin.  Dieses  Mittel  ist  in  der  Frauenheilkunde  sehr  bekannt.
Es  wird  aus  Mutterkorn  bereitet  und  wirkt  auf  die  Gebärmutter  so  zusammenziehend,
  daß  man  durch  dasselbe  Stillung  von  Blutungen  herbeiführen
kann.  Es  wird  daher  bei  Myomen  und  bei  Wöchnerinnen,  wenn  starke
Blutungen  sich  wiederholen,  mit  Vorliebe  angewendet.  Niemals  aber  heilt  es
die  Ursache  der  Blutungen,  und  bei  längerem  Gebrauch  stellt  sich  „Ergotismus“
ein,  d.  i.  Vergiftung  durch  Ergotin,  die  sogenannte  „Kriebelkrankheit".

Es  ist  daher  richtiger,  erstens  die  Ursache  der  Blutungen  und  dann  den
Allgemeinzustand  zu  behandeln.  Das  Mutterkorn  ist  ein  Gift,  das  nicht
ungestraft  dem  Organismus  einverleibt  wird.  Frauen,  die  längere  Zeit  damit
behandelt  wurden,  werden  meistens  recht  elend  dadurch,  vorübergehend,  in  der
Not  einmal  angewendet,  wird  es  meistens  nützen.

Ergrauen  der  Haare.  Wenn  der  natürliche  Farbstoff  der  Haare
schwindet  und  Luft  in  das  Haarrohr  eindringt,  so  entstehen  weiße  Haare.
Nervenkrankheiten,  frühes  Altern,  Vererbung  führen  oft  frühzeitig  zum  Ergrauen
  der  Haare,  ebenso  Gemütserschütterungen  und  Kummer.  Im  Kapitel
über  „Schönheitspflege“  ist  auch  die  Pflege  der  Haare  und  das  Haarfärben
besprochen.  Das  frühzeitige  Ergrauen  im  besten  Alter  und  bei  gutem  Kräftezustand
  ist  den  Entartungszuständen  anzureihen.  (Siehe  I.  Teil.)

Erkältung.  Wir  sprechen  davon,  wenn  durch  starke  Temperatureindrücke
  eine  entzündliche  Krankheit,  meistens  an  den  Schleimhäuten  und  in
den  Atmungsorganen,  ausbricht.  Mit  erhitztem  Blute  aus  dem  heißen  Ballsaal  in
die  kalte  Wintersnacht  hinaustreten,  mit  nassen  Füßen  fröstelnd  in  einem  kalten
Saale  sitzen,  auf  einem  sommerlichen  Ausflug  von  einem  Gewitterregen  durchnäßt
werden  usw.,  das  sind  beliebte  Veranlassungen,  um  sich  heftigen  Schnupfen,  Halsweh,
  Husten,  Reißen  und  anderes  zu  holen.  Wie  die  Erkältungskrankheiten
zustande  kommen,  ist  nicht  immer  klar;  sicher  nur  ist,  daß  verweichlichte  Personen,
die  eiweißreiche  Kost  und  Alkohol  genießen  und  sich  stets  sehr  warm  kleiden,  sehr
leicht  „Erkältungen“  unterworfen  sind.  Wie  also  schützt  man  sich  vor  ihnen?

Indem  man  durch  reizlose  Kost  und  flotte  Darmtätigkeit  für  gesunde
Körpersäfte  sorgt,  durchlässige  Kleidung  und  häufig  Bäder  benützt  und
sich  nicht  systematisch  vor  allen  Unannehmlichkeiten  des  Lebens  schützt.  Bei
offenem  Fenster  schlafen,  recht  oft  Luftbäder  nehmen  und  barfuß  laufen,
öfter  kräftig  ausschwitzen,  Muskelanstrengung  nicht  scheuen,  —  das  sind  so
beiläufig  die  einfachsten  Mittel,  die  sich  jeder  schaffen  kann,  um  sich  vor
Erkältungen  zu  schützen.  Wer  schon  mit  den  Kindern  in  dieser  Weise  vorgeht,
wird  alle  Angstlichkeit  vor  „Erkältungen“  verlieren  und  selten  etwas  Ernsteres
davontragen.  Je  kräftiger  unsere  Haut,  je  reiner  unser  Blut  ist,  desto  mehr
können  wir  uns  Zug,  Kälte  oder  Hitze  aussetzen,  ohne  zu  erkranken.

Erschöpfung.  Nach  vermehrtem  Kräfteverbrauch,  nach  mangelhaster
  Nahrungsaufnahme,  nach  schweren  Krankheiten  tritt  der  Zustand  der
Erschöpfung  ein.  Die  veranlassende  Ursache  bestimmt  die  Art  ihrer  Behand-