Erschrecken  —  Euphorie.  607

lung.  Absolute  Ruhe  in  dem  einen  Falle,  vorsichtige  Ernährung,  Genuß
würziger  Waldluft  usw.,  leichte  Bewegung  im  anderen  Falle  führen,  wenn
es  sich  nicht  um  unheilbare  Zehrkrankheiten  handelt,  bald  zur  Wiederherstellung
  des  normalen  Zustandes.  Frischgemolkene  Milch  weidender  Kühe,
Beerenobst,  Kakes  mit  Nährsalzen,  Hafergrütze,  Wurzelsuppen,  weiche  Eier
oder  Kefir  ersetzen  bei  Geschwächten  verloren  gegangene  Kräfte  sehr  bald
wieder.  Hämostogen  von  Löffler  wirkt  stärker  als  alle  Nahrungsmittel
und  ist  daher  Geschwächten  sehr  zu  empfehlen.

Erschrecken.  Viele  empfindliche  Kinder  und  schwächliche  Frauen
leiden  an  Schreckhaftigkeit,  die  sie  ängstlich  und  oft  unruhig  macht.  Bei  jedem
unerwarteten  Geräusch  fahren  sie  zusammen,  bei  jeder  unvorhergesehenen  Begegnung
  schreien  sie  auf  usw.  Blutarmut,  Nervenschwäche,  zuweilen  auch
hysterische  Anlagen  oder  beginnende  Melancholie  sind  die  Grundursachen,  aber
die  Erziehung  spielt  auch  gewaltig  mit  ein.  Eine  gewisse  seelische  Weichlichkeit,
kindische  Vorstellungen,  mangelhafte  Selbstbeherrschung  lassen  solche  krankhafte
Anlagen  stärker  werden.  Außer  körperlicher  Kräftigung  wird  man  in  solchen
Fällen  daher  auch  Willenserziehung  erstreben  und  durch  ÜUbung  des  Verstandes
  (Unterricht  in  Naturwissenschaften,  niederer  Mathematik,  Botanik  im
Freien,  Pflege  verschiedener  Haustiere,  praktische  Arbeiten  im  Hause  und  im
Garten)  die  Vorstellungswelt  klären.  Um  auf  den  Ehrgeiz  einzuwirken,  halte
man  solchen  überempfindsamen  Mädchen  und  Frauen  vor,  daß  sie  durch  ihr
Verhalten  einen  kindischen  und  unvernünftigen  Eindruck  machen.

Erschütterung.  Lebensgefährlich  ist  sie  bei  Sturz  und  Fall  für  das
Gehirn.  Vollständige  Bewußtlosigkeit,  tagelange  Benommenheit,  Erbrechen,
unwillkürlicher  Abgang  von  Stuhl  und  Harn,  auch  geistige  und  körperliche
Schwäche  sind  die  Zeichen  einer  Gehirnerschütterung.  Ist  Atmung  vorhanden,
so  mache  man  nur  kalte  Stirn=  und  Herzaufschläge,  auch  eine  kühle  Ganzabwaschung,
  erwärme  die  Füße,  wenn  sie  kalt  sind,  durch  heiße  Fußbäder,
Wärmeflaschen,  Frottierung  und  gebe  kühle  Klystiere.  Ubermäßige  Reizungen
aber  verhüte  man.  Bei  reichlichem  Luftgenuß  —  am  besten  liegt  der  Kranke
unter  einem  offenen  Fenster  —  und  ruhiger  Umgebung  kommt  der  Kranke
bald  in  normalen  Zustand,  wenn  innerlich  keine  Verletzungen  stattfanden.

Erstickung,  siehe  Kapitel  „Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen“  am  Schluß
der  „Heilkunde".

Ertrinken,  siehe  Kapitel  „Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen“  am  Schluß
der  „Heilkunde“.

Erplipel,  „Rose“  oder  Rotlauf  (siehe  unter  Rotlauf.

Suphorie.  Ein  Zustand  des  Wohlbefindens,  der  Heiterkeit,  oft  nach
schweren  Schmerzanfällen,  wobei  alle  Selbstkritik  und  Beobachtung  schwindet,
wird  als  Euphorie  bezeichnet.  Sie  tritt  bei  nervösen  Personen  auch  unter
anderen  Verhältnissen  auf  und  ist  oft  ein  verdächtiges  Zeichen,  das  auf  große
Schwäche  und  Verfall  hindeutet.