Fango  —  Farbstoffe.  609

Fango.  Zu  erweichenden,  heißen  Packungen  hat  sich  dieser  vulkanische
Schlamm  gut  bewährt.  Vielleicht  sind  in  ihm  auch  Kräfte  wirksam,  die
man  am  Radium  beobachtete.  Bei  Rheumatismus,  Muskel=  und  Gelenkerkrankungen
  kommt  er  am  häufigsten  zur  Anwendung.  Durch  Apotheken
oder  größere  Kur-Badeanstalten  ist  er  überall  zu  beziehen.

Farbenbebancdlung  (Chromatotherapie).  Das  farbige  Licht  ist
von  bedeutendem  Einfluß  auf  unseren  Stoffwechsel,  und  die  Zukunft  wird
uns  sicherlich  eine  bessere  Ausnützung  der  Lichtwirkung  auf  Krankheitszustände
lehren.  Das  Sonnenlicht  enthält  alle  farbigen  Strahlen  und  ist  lebenweckend
  und  machtvoll.  Weder  Pflanzen  noch  Tiere  können  ohne  Sonnenstrahlen
  gedeihen!  (Siehe  drittes  Kapitel  des  I.  Teiles.)  Dennoch  weiß  man
noch  so  wenig  damit  anzufangen!  Außer  den  Sonnenbädern  in  Naturheilanstalten,
  die  oft  gar  nicht  in  angemessener  Weise  ausgeübt  werden,  benützt
man  die  liebe  Sonne  zu  Heilzwecken  noch  gar  nicht.  Und  doch  weiß  man,
wie  erregend  und  belebend  rote  und  gelbe  Strahlen  wirken,  wie  beruhigend
grüne  und  blaue.  Gelb  erregt  besonders  das  Nervensystem  sehr.  Bei  Lähmungen,
  Erschöpfungszuständen  oder  trägem  Stoffwechsel  würde  also  rotes
oder  gelbes  Licht  in  Anwendung  kommen;  bei  Fieber,  Erregungszuständen
aber  nur  grünes  (nicht  zu  dunkel)  oder  blaues,  da  solches  kühlend  und
mildernd  wirkt.

Wie  stellt  man  am  einfachsten  dieses  Licht  her?  Man  verhängt  die
Fenster  und  läßt  das  Licht  nur  durch  eine  rote  oder  blaue  Scheibe  einfallen.
Abends  überdecke  man  alle  Lampen  je  nach  Bedürfnis  mit  farbigen  Glasschirmen
  oder  hänge  einfarbige  Papierschirme  darüber.  Geisteskranke,  die  oft
sehr  aufgeregt  sind,  sollten  nie  von  gelbem  Licht  getroffen  werden,  sondern
nur  von  beruhigendem  blauem  Licht  umgeben  sein.  Durch  ein  konsequent
in  dieser  Weise  durchgeführtes  Verfahren  wäre  manches  zu  erreichen.  Aber
in  welcher  Heilanstalt,  in  welcher  Irrenanstalt  findet  man  so  feine  Anwendungsformen?!
  Daß  auch  die  Elektrizität  durch  Licht  und  Farbe  gleichzeitig  einwirkt,
weiß  man  schon  lange.

Farbltoffe.  Diesenigen  stickstoffhaltigen  Körper,  die  Färbungen  am
tierischen  Organismus  bewirken,  heißen  Farbstoffe.  Das  Blutrot,  Hämatin,
bildet  die  meisten  anderen  Farbstoffe,  die  sich  in  der  Regenbogenhaut  des  Auges
und  an  der  äußeren  Haut  ablagern.  Dann  wird  noch  der  Harnfarbstoff,
der  Gallenfarbstoff  und  das  schwarze  Pigment  oder  Melanin  gebildet.

Es  gibt  Menschen,  welche  durch  ihre  Farbenfrische  —  man  denke  nur
an  leuchtende  schwarze  Angen  und  an  das  warme  Lippenrot,  hinter  welchem
weiße  Zähne  hervorblitzen  —  entzücken  und  durch  ihre  dunkle  Haut  überraschen;
  andere  wieder  zeigen  einen  Mangel  an  Farbstoffen,  wie  die  Hellblonden
  und  die  „Albinos“  (siehe  diese).  Wodurch  diese  grellen  Unterschiede
bedingt  sind,  die  durchaus  nicht  immer  mit  Krankheit  zusammenhängen,  ist
bis  jetzt  noch  nicht  erforscht.  Bekannt  ist  es  aber,  daß  eine  Form  von

Die  Frau  als  Hausärzlin.  39