Fettbauch  —  Fettherz.  611

Die  zur  Erhaltung  unserer  Eigenwärme  notwendigen  Mengen  sind  im  Winter
größer  als  im  Sommer,  weil  wir  bei  kalter  Außenluft  mehr  Wärme  abgeben
  und  Fett  mit  Sauerstoff  zu  Kohlensäure  „verbrennt".  Nehmen  wir
zu  viel  Fett  auf,  so  wird  es  im  Körper  abgelagert,  durch  den  Stuhl  ausgeschieden
  und  macht  sehr  häufig  Verdauungsbeschwerden.  Fette  Leute  geben
bei  starkem  Fieber  auch  durch  ihren  Urin  viel  Fett  ab.  Wo  es  in  Massen
auftritt,  ist  es  unnatürlich.  Eine  Ernährung  also,  welche  Fettleibigkeit
erzeugt,  ist  eine  verkehrte.

Fettbauch.  Er  spielt  bei  Frauen  der  vierziger  und  fünfziger  Jahre
eine  große  Rolle;  denn  er  verunschönt  die  Gestalt.  Er  behindert  und  plagt.
Gewöhnlich  fehlen  dabei  auch  nicht  Schlaffheit  der  Bauchdecken,  Trägheit
  der  Verdauung  oder  Unterleibsleiden,  überernährung  und  mangelhafte
  körperliche  Bewegung.  Die  Behandlung  wird  daher  bestehen  in  Verbesserung
  der  Gewebsspannung  durch  Sitzbäder  z.  B.  35°  C.  mit  Kreuzund
  Bauchguß  von  24°%  C.,  täglich  Vibrationsmassage  des  Bauches,
Benützung  des  Junogürtels  oder  Garmsschen  Gürtels  (für  sehr  fette
Frauen),  Regelung  der  Ernährung,  Bergsteigen  oder  wenigstens  täglichen  zweistündigen
  Ausgängen.  Auch  Beseitigung  des  Korsetts  gehört  zur  Behandlung,
denn  es  hat  viele  Sünden  auf  seinem  Gewissen.  Die  lockere  „Reformkleidung“
macht  manchen  Fettbauch  verschwinden.  Ein  recht  gutes  Mittel,  den  vergrößerten
  Bauch  zu  verkleinern,  gibt  uns  das  Wälzen  Fig.  358  und  359.
Man  führt  es  auf  einem  sauberen  Teppich  etwa  zehnmal  nacheinander  aus,
wobei  man  beachten  muß,  daß  die  ganze  Schwere  des  Körpers  auf  die
Bauchdecken  wirken  muß  und  daß  der  Übergang  in  die  Seitenlagen  mit  einer
gewissen  Schnelligkeit  ausgeführt  wird.  Ferner  verweisen  wir  auf  die
Bauchgymnastik,  wie  sie  Fig.  290  darstellt.  (Siehe  unter  „B“).

Fettgeschwulst  (Lipom).  Fettgeschwülste  sind  meist  lappig,  weich,
zuweilen  aber  auch  derb,  schmerzlos  und  stören  nur  bei  großem  Umfang,
oder  wenn  sie  an  einer  ungeschickten  Stelle  sitzen.  Man  läßt  sie  darum  oft
lange  wachsen.  Weder  Massage  noch  Kompressen  helfen  sonderlich;  man
läßt  sie  also  herausschälen  und  behält  eine  kleine  Narbe.

Fettberz.  Bei  zunehmender  Fettleibigkeit  sammelt  sich  nicht  nur
unter  der  Haut  Fett  an,  sondern  auch  an  inneren  Organen,  wie  Leber  und
Herz,  die  dadurch  natürlich  eine  Schwächung  erfahren.  Für  das  Herz,  das
aus  Muskeln  besteht,  die  ungestört  funktionieren  müssen,  ist  die  Ein=  und
Auflagerung  eines  fremden  Gewebes  nicht  gleichgültig,  noch  weniger,  wenn
sich  die  Muskelfaser  selbst  in  Fett  verwandelt.  Solche  „fettige  Entartung
des  Herzens“,  die  lebensgefährlich  wird,  findet  man  auch  bei  Krebssiechtum,
Nierenleiden  usw.

Den  mannigfachen  Beschwerden,  die  mit  zunehmender  Herzschwäche  in
solchen  Fällen  auftreten,  begegnet  man  durch  Behandlung  des  ursächlichen

Leidens,  durch  körperliche  und  seelische  Ruhe  und  durch  vorsichtige,  herz-39
