Fichtennadelbäder  —  Fieber.  615

solcher  sester  Gebilde,  beseitigen  durch  Auflösung,  Aufsaugung  usw.  aber  nicht.
Wenn  sie  einmal  in  starkes  Wachstum  geraten  sind,  bleiben  sie  an  ihrem
Entstehungsort,  denn  feste  Faser  läßt  sich  nicht  auflösen.  Bei  zunehmenden
Beschwerden  bleibt  nur  die  Operation  übrig,  die  dank  der  heutigen  Operationstechnik
  sehr  gute  Erfolge  aufzuweisen  hat.

Fichtennadelbäcker.  Die  Harzdüfte  der  Fichtennadel  wirken  belebend
  auf  die  Haut  und  auf  die  Lungen;  daher  hat  man  schon  von  alters  her
Abkochungen  zu  Bädern  verwendet  und  für  Kranke  und  Geschwächte  gebraucht.
Zeitweilig  angewendet  sind  sie  recht  wohltätig;  erregte  oder  herzschwache
Personen  vertragen  sie  aber  schlecht.  Wie  alle  Reizmittel  dürfen  auch  Fichtennadelbäder
  nicht  zu  lange  nacheinander  genommen  werden.

Fieber.  Fiebertheorien  gibt  es  mehrere,  aber  auch  viele  ünklare
Punkte  über  das  eigentliche  Wesen  des  Fiebers.  Es  äußert  sich  als  exzessiver
Verbrennungsprozeß,  daher  die  große  Wärmeerzeugung,  die  beschleunigte
Atmung,  der  vermehrte  Puls  und  die  reinigende  Wirkung  des  Fiebers.  Man
kann  annehmen,  daß  irgend  etwas  im  Blute  eine  solche  erregende  Wirkung
auf  das  Nervensystem  ausübt,  daß  der  Stoffwechsel  solche  Beschleunigung
erfährt  und  daß  vieles  in  den  Geweben  Abgelagerte  oder  in  den  Körpersäften
Flüssige  in  den  Säftestrom  hineingezogen,  umgewandelt  und  vernichtet  wird.
Daher  also  die  „reinigende“  Wirkung  des  Fiebers.  Manches  chronische
Leiden  hat  man  nach  Eintritt  eines  kräftigen  Fiebers  verschwinden  sehen,
z.  B.  häßliche  Ausschläge,  Gicht,  Kopfschmerzen,  Deuralgien  und  andere.  Es
ist  also  gar  nicht  zu  beklagen,  wenn  zuweilen  ein  kräftiges  Fieber  auftritt;
denn  wir  haben  nach  seinem  Ablauf  bessere  Gesundheit  zu  erwarten,  und  es
kann  sich  ja  überhaupt  nur  entwickeln,  wenn  etwas  in  der  Körpermaschine
nicht  in  Ordnung  ist.  Bekanntlich  bekommen  Kinder  sehr  oft  und  sehr  leicht
Fieber;  ihre  Lebenskraft,  ihre  Lebenstätigkeit  ist  so  viel  größer  als  die  der
Erwachsenen,  daß  wir  diese  Erscheinung  als  einen  Vorzug  betrachten  müssen.

Niemals  unterdrücke  man  daher  ein  Fieber  mittelst  Arzneigiften  und  Eis,
sondern  trachte  seine  Ursachen  zu  beheben  und  seine  heftigen  Erscheinungen
zu  mildern.

Man  bestimmt  die  Höhe  des  Fiebers  durch  Temperaturmessungen,  indem
man  ein  Thermometer  in  eine  Körperhöhle  (Achselhöhle,  Darm,  Scheide)  einschiebt
und  dort  fünf  bis  zehn  Minnten  liegen  läßt.  Die  Normaltemperatur  des
Menschen  beträgt  37°  C.  (Blutwärme  ist  etwas  höher)  und  hat  je  nach  der
Jahreszeit  und  der  Beschäftigung  kleine  Schwankungen.  Fieber  von  38°%  und
38,5°  C.  wird  als  leichtes  bezeichnet,  bis  39°  als  hohes  und  Fieber  von  400
oder  gar  41°  C.  als  gefährliches.  Nur  kurze  Zeit  dauern  so  hohe  Temperaturen
  an,  denn  sie  übersteigen  die  Kräfte  der  Kranken.

Die  Art  des  Fiebers  ist  auch  je  nach  der  Krankheit  verschieden;  so
unterscheidet  man  Wechselfieber,  Eiterfieber,  typhöses  Fieber,  beobachtet  schnellen
oder  langsamen  Fieberabfall  und  die  verschiedensten  Nebenerscheinungen,