616  Fieber.

Bewußtseinstrübung,  Delirien  können  schon  bei  mittlerem  Fieber  vorhanden
sein;  Kopfschmerz  fehlt  selten,  Schüttelfröste  treten  bei  gewissen  Krankheiten
stets  auf,  bei  anderen  Schmerzen  im  ganzen  Körper  usw.

Damit  sich  Krankenpflegerinnen  eine  Vorstellung  von  den  verschiedenen
Fieberarten  zu  machen  vermögen,  bringen  wir  hier  einige  „Fieberkurven“.
Das  sind  Linien,  welche  die  Zahlen  der  Temperaturgrade  der  einzelnen  Tage
verbinden;  aus  der  Zickzacklinie  ergibt  sich  deutlich  das  Aufsteigen  und  Abfallen
der  Temperatur,  solglich  auch  Beginn  und  Ende  des  Fiebers.  Die  großen
Verschiedenheiten  bei  Scharlach,  Lungenentzündung,  Typhus  gehen  aus  diesen
Zeichnungen  hervor.  (Fig.  360  bis  363.)

Behandlung.  Feststellung  der  Ursache  ist  unsere  erste  Aufgabe;  ist
der  Zustand  aber  noch  unklar,  wie  sehr  häufig  zu  Beginn  einer  schweren
Krankheit,  so  schlägt  man  eine  Behandlung  ein,  die  unter  allen  Umständen
angebracht  ist  und  hauptsächlich  in  der  Beseitigung  von  Schädlichkeiten
und  Heilungs-Hindernissen  besteht.  Durch  Zufuhr  frischer  Luft,  Entleerung
des  Darmes,  flüssige  kühle  Nahrung,  milde  Wasseranwendungen  verhütet
man  Schwäche  und  Erregung,  wie  sie  durch  verdorbene  Zimmerluft  entstehen,
Aufsaugung  von  schädlichen  Stoffen  aus  dem  Darm,  wenn  dieser  mit
Kotresten  angefüllt  bleibt,  und  Anstrengung  des  Magens,  Beschwerden  und
Fiebersteigerung,  wenn  man  Schweres  oder  Erregendes  genießen  läßt  statt
dünner,  leichter  Nahrungsmittel.  Die  Wasseranwendungen  aber  (in  Form  von
kühlen  Packungen,  Aufschlägen,  einem  Halb-  oder  Fußbad  usw.)  kühlen,  üben
einen  angenehmen  Nervenreiz  aus,  erhalten  die  Hauttätigkeit  und  beruhigen.

Oft  kommt  es  dann  vor,  daß  ein  in  hitzigem  Fieber  liegendes  Kind
in  drei  bis  vier  Tagen  bei  solcher  Behandlung  genest,  obwohl  eine  Gehirnentzündung
  kommen  zu  wollen  schien,  und  es  ist  wahrscheinlich,  daß  durch  die
gereichten  Obstsäfte,  Klystiere  und  Packungen  ein  solcher  Umschwung  im  Stoffwechsel
  eintrat,  daß  das  im  Werden  begriffene  Krankheitsbild  sich  nicht  weiter
entwickeln  konnte.  Niemals  warte  man  die  volle  Entwicklung  einer  Krankheit
ab!  Das  sogenannte  „exspektative  Verfahren“  der  Allopathie  hat  unzählige
Menschen  zugrunde  gerichtet,  weil  die  Hilfe  oft  zu  spät  kam,  nachdem  die
Krankheit  ganz  deutlich  geworden  war.  Bei  Kindern  hat  man  die  raschesten
Erfolge;  darum  zögere  man  nicht,  ohne  Rücksicht  auf  das,  was  kommen
könnte,  einzugreifen  und  die  Fieberbehandlung,  wie  angegeben,  anzuwenden.

Als  „Fieberdiät“  bezeichnen  wir:  Obstsäfte  und  zwar  hauptsächlich
den  Zitronensaft,  dem  man  fieberwidrige  Eigenschaften  zuspricht,  Apfelsaft,
Mandelmilch,  Brotwasser;  Apfelsinen,  wegen  ihres  Saftreichtums  und  ihres
Aromas  überall  bekannt  und  beliebt;  auch  Pfirsiche  sind  sehr  angenehm.
Unter  Suppen  sind  die  Wurzelbrühe,  Schleimsuppen,  Milchsuppen  brauchbar.
Mehlfrüchte  vermeidet  man  am  besten  ganz,  weil  meist  kein  Appetit  vorhanden
ist  und  mehlige  Speisen  lange  unverdaut  bleiben;  süße  Molken  sind  auch  ein
gutes  Getränk,  und  gute  süße  Milch  kann  mit  Vorteil  gereicht  werden,  wenn