618  Fingerwurm.

man  sie  nicht,  sondern  fette  sie  täglich  mehrmals  mit  Vaseline  oder  Mandelöl
ein,  worauf  sie  nie  die  gewöhnliche  Blüte  erreichen  wird.  Handelt  es  sich
aber  um  einen  katarrhalischen  Zustand  und  nur  gelegentliche  Fieberblase,
dann  kümmere  man  sich  nicht  viel  um  sie.

Fingerwurm  (Panaritium).  Entzündung  und  Eiterung  des  Nagelgliedes,
  die  mitunter  rasch  vorübergeht,  mitunter  auch  Wochen  dauert  und
Sehnen  sowie  Knochenhaut  erfassen  kann,  wird  vom  Volksmunde  Nagelwurm
  oder  Fingerwurm  genannt.  Er  führt  in  bösartigen  Fällen  auch  zur
Abstoßung  des  Gliedes.  Die  damit  verbundenen  Schmerzen  können  so  heftige
werden,  daß  Appetitlosigkeit  und  Schlaflosigkeit  eintreten.  Ursache  des  Wurmes
sind  Verletzungen  und  Eintritt  von  Entzündungsstoffen  von  außen;  es  gibt
Personen,  die  niemals,  bei  keinerlei  Verletzung  solchen  Entzündungszustand
bekommen,  und  andere  wieder,  die  ihn  auch  ohne  Verletzungen  haben.  Es
müssen  also  wohl  noch  innere  Ursachen  mitwirken.

Behandlung.  Wasserbehandlung  bei  Eiterfingern  hat  schon  Wunder
geleistet.  Wird  der  schmerzhafte  Finger  sofort  in  weiche  Läppchen  gehüllt,  die
man  in  laues  Wasser  von  30°  C.  taucht  und  immer  wieder  erneuert,  wenn  sie
trocken  werden,  so  bleiben  sogar  Schmerzen  aus.  Halbstündige  Handbäder  von
30°  C.  wirken  sehr  lindernd  und  entzündungswidrig,  und  kommt  es  dennoch  zur
Eiterung,  so  wirken  heiße  Kompressen  und  heiße  Handbäder  von  40°%  C.  und
darüber  befördernd  und  erweichend.  Wiederholen  sich  solche  Eiterfinger  zu
oft,  dann  sind  Ganzpackungen  oder  Heißluftbäder  angezeigt,  damit  die
Körpersäfte  gereinigt  werden  und  der  Stoffwechsel  sich  bessere.  Sind  durch
Eiterung  Knochen  bloßgelegt,  hängen  Sehnen  vor,  wuchert  „wildes  Fleisch“",
dann  sind  ärztliche  Leitung  und  sorgfältigste  Behandlung  notwendig,  sonst
geht  der  Finger  verloren.  Anspritzen  mit  kaltem  Wasser,  Zusatz  von  Wasserstoffsuperoxyd
  als  desinfizierendes  Mittel  bei  trägem  Fortgang,  streng  reizlose
Kost  führen  auch  in  schlimmen  Fällen  zur  Heilung.  Henselsche  Salze  werden
in  vielen  Fällen  sehr  wirksam  sein  (siehe  Hensel).

Eine  junge  nervöse  Frau  bekam  während  ihrer  zweiten  Schwangerschaft
einen  Eiterfinger;  sie  lief  von  Schmerzen  gepeinigt  Nächte  durch  herum!  Der
Finger  war  trocken  gewickelt  und  bekam  später  ein  Zugpflaster,  darum  klopfte  und
riß  es  so  rasend  darin.  Nach  Jahren  hatte  sie  wieder  einmal,  und  zwar  wiederholt
  an  mehreren  Fingern,  den  „Fingerwurm“.  Inzwischen  aber  war  sie  in  der
Wasserheilkunde  unterrichtet  worden  und  wußte  sich  zu  helfen.  Sofort,  als  leichte
Rötung  und  Schmerz  sich  einstellten,  wickelte  sie  den  Finger  alle  zwei  Stunden  in
35°%  C.,  gab  ihm  täglich  zwei  Handbäder  ebenso  warm  und  —  siehe  dal  die
erwarteten  Schmerzen  blieben  aus;  zwei  Finger  verheilten,  ohne  daß  es  zur
offenen  Eiterung  kam;  der  dritte,  weniger  sorgfältig  behandelt,  brach  wohl  auf,
das  laue  Wasser  „zog“  den  Eiter,  aber  schmerzlos,  und  nach  mehreren  Tagen
verheilte  auch  dieser,  ohne  Aufregung  im  Gefolge  zu  haben.  War  jedoch  nur
einmal  kein  warmes  Wasser  zur  Hand,  und  wurde  zum  Wickel  kaltes  genommen,