Flechte.  621

bildet  sich  z.  B.  ein,  daß  sie  lungenkrank  sei,  weil  sie  sich  oft  unbehaglich
fühlt,  kurzatmig  ist  und  ihr  Anssehen  „schwindsüchtig“  findet;  alles  Reden
der  Angehörigen,  sogar  ärztliche  Untersuchungen  helfen  nichts;  sie  spricht  von
ihrem  nahen  Tod,  und  die  „fixe  Idee“  von  der  Schwindsucht  geht  immer
mehr  in  Trübsinn,  in  schwere  Melancholie  über.  In  diesem  Falle  hat  die
Wahnidee  die  in  Entwicklung  befindliche  Geisteskrankheit  eingeleitet.

Behandlung.  Sofort  Kräftigungskur  einleiten!  Auch  Geisteskrankheiten
  sind  nur  auf  tiefgehende  Stoffwechselstörungen  zurückzuführen,
die,  rechtzeitig  erkannt,  noch  behoben  werden  können.  Ernergische,  geistige
Beeinflussung,  Zerstreuung,  Bergsteigen,  Gartenarbeiten,  Reisen,  sorgfältig
angepaßte  Diät,  bernhigende  oder  erregende  Bäder  usw.  beseitigen  den
bedrückenden  Zustand  oft  in  wenigen  Wochen,  und  der  Kranke  fühlt  sich
darnach  wie  von  einem  Banne  erlöst.

Flechte.  Man  unterscheidet  verschiedene  Arten  der  Flechte,  eine
Schuppen-,  Kleien-,  Bläschen-,  „fressende“  Flechte,  je  nach  dem  Aussehen,  der
Dauer  und  dem  Verlauf  der  Hautkrankheit.  Die  „fressende“  Flechte,  Lupus
oder  „Wolf“  genannt,  ist  Tuberkulose  der  Haut,  läßt  furchtbare  Entstellungen
zurück  und  dauert  jahrzehntelang.  Lieblingssitz  ist  das  Gesicht;  sie  tritt  häufiger
bei  Frauen  als  bei  Männern  auf.  Die  Heilkunde  hatte  bis  jetzt  wenig  Erfolge
bei  Lupus;  neuerdings  rühmt  man  die  Lichttherapie,  die  Ausbrennung  der  Lupusherde
  mittelst  einer  Brenulinse  und  anschließender  Allgemeinbehandlung.  (Siehe
„Lupus“  und  Fig.  414  und  415.)

Die  „Schuppenuflechte“  (Psoriasis)  ist  ein  häufigeres  Leiden  der  Männer
und  erblich.  Sie  kann  fast  den  ganzen  Körper  befallen,  oder  auch  nur  stellenweise,
z.  B.  an  den  Ellenbogen,  am  Rücken  und  Kopfe  sich  konstant  zeigen.  Im
letzteren  Falle  macht  sie  keine  Beschwerden,  anders  ist  es,  wenn  Kopf  und
Ohren  usw.  befallen  werden  und  der  Betreffende  sich  scheut,  unter  Menschen
zu  gehen.  Die  Fälle,  in  welchen  junge  Söhne  ihre  Karriere  aufgeben  müssen,
weil  der  durch  nichts  zu  beseitigende  Ausschlag  sie  menschenscheu  machte,  sind
nicht  selten.  Man  glaubt,  daß  das  Nervensystem  bei  dieser  Hautkrankheit
wesentlich  mitspielt.  Meist  leiden  nur  kräftige,  reifere  Männer  an  der  Schuppenflechte;
  bei  jüngeren  Individuen  aber  fehlt  selten  ausgesprochene  Nervosität.

Behandlung  der  Schuppenflechte.  Wasser  wird  schlecht  vertragen,
kaltes  insbesondere  zieht  das  Blut  stark  nach  der  Haut,  vermehrt  daher  die
Röte  und  das  Jucken  des  Ausschlages.  Ebenso  sind  Sonnenbäder  ihrer
erregenden  Wirkung  wegen  nichts  dafür.  Dagegen  wird  man  durch  vegetarische
Diät,  warme  Vollbäder,  häufige  Einfettung  mit  Mandelöl,  Lauolin  usw.,
tägliches  Bergsteigen  und  fleißiges  Luftbaden  bei  seelisch  und  geschlechtlich
ruhiger  Lebensweise  wohl  Erfolge  erringen.  Ganz  besonders  sei  serner  auf
die  Dyessche  Aderlaßmethode  aufmerksam  gemacht,  die  erstaunliche  Erfolge
errang,  und  wer  mit  anderen  Kuren  keine  Erfolge  hatte,  sollte  mit  dem
Aderlaß  nicht  zögern.  Er  ist  ungefährlich  und  bietet  immer  gute  Aussichten.