Frauenkrankheiten.  625

Methode  auch  noch  eine  „heilende“  gibt.  Ja,  wir  behaupten,  daß  die  moderne
Frauenheilkunde  nie  eine  so  blutige  und  brutale  hätte  werden  können,  wenn
man  es  nicht  mit  unwissenden,  schwachen  und  willenlosen  Wesen  zu  tun  gehabt
hätte.  Niemals  hätten  sich  Männer  ein  ähnliches  Verfahren  gefallen  lassen!
Dies  sagt  schon  genug.  Daher  liegt  es  an  unserem  Geschlechte,  wie  auf  allen
Gebieten  uns  auch  auf  dem  der  Heilkunde  mehr  Geltung  zu  verschaffen  und
die  männliche  Arztewelt  zu  beeinflussen.  Dazu  soll  auch  unser  Buch  dienen,
indem  es  klare  Begriffe  über  eine  neue  Frauenheilkunde  bringt,  die  bereits
viele  wissenschaftliche  Vertreter  hat  und  in  beständigem  Ausbau  begriffen  ist.
So  wenig  blutige  Operationen  ganz  aus  der  Welt  zu  schaffen  sind,  so  sehr
wird  eine  bessere  Zukunft  alles  Gewicht  auf  „Vorbeugen“  und  „Ausheilen“
legen.  Widmen  wir  dieser  Kunst  alle  unsere  Kräftel!

Frauenkrankbeiten.  Als  „Frauenkrankheiten“  bezeichnet  man  nur
diejenigen  der  weiblichen  Fortpflanzungsorgane.  Um  eine  lbersicht  über  dieselben
zu  geben,  führen  wir  an,  daß  man  eine  Gruppe  der  entzündlichen  Krankheiten
  unterscheidet,  eine  der  anatomischen  Veränderungen  durch  Knickungen,
Verlagerungen,  Verwachsungen  entstanden,  eine  Gruppe  der  Neubildungen
(Gewächse)  und  eine  Gruppe  der  funktionellen  Störungen,  die  auf
Stoffwechsel=  und  Kreislaufstörungen  sowie  nervöse  Leiden  zurückzuführen  sind.

Die  entzündlichen  Krankheiten  sind  außerordentlich  häufig.  Gebärmutterentzündung,
  akute  und  chronische,  ebenso  Eierstocksentzündung,  treten
am  häufigsten  nach  sexueller  überanstrengung  auf,  auch  nach  oder  im  Wochenbette,
  bei  Stauungen  in  den  Beckenorganen  usw.,  und  verelenden  das  Leben
von  Hunderttausenden  von  Frauen.  Schwellungen  und  eitrige  Entzündungen
der  Eileiter  (Tuben)  sind  auch  nicht  selten.  Unter  den  Entzündungen  der
Gebärmutter-Innenhaut,  welche  die  Gebärmutterhöhle  auskleidet,  unterscheidet
man  verschiedene  Formen.  Ihr  Hauptsymptom  ist  der  schleimige  oder  eitrige
Ausfluß,  „Weißer“  oder  „Gelber  Fluß“  genannt.

Entweder  angeboren  durch  bisher  noch  nicht  aufgeklärte  Vorgänge  oder
erworben  durch  Erschlaffung  der  Beckenorgane,  sowie  durch  Entzündungen
derselben,  sind  die  Knickungen,  Verlagerungen  und  Verwachsungen.  Wo  im
übrigen  gesunder  Allgemeinzustand  herrscht,  machen  kleine  Organe  trotz  vorhandener
  Knickungen  und  Verlagerungen,  solange  keine  Entzündung  hinzutritt,
keine  Beschwerden;  schwellen  sie  aber  an,  tritt  Schwangerschaft  hinzu  oder  zu
häufige  geschlechtliche  Erregungen  in  der  Ehe,  dann  zeigen  sich  Störungen.
In  den  meisten  Fällen  wirken  die  verschobenen  Organe  drückend  auf  ihre  Umgebung,
  die  Zirkulation  ist  gestört;  normale  Funktionen,  wie  die  Menstruation,
werden  schmerzhaft;  zur  Mutterschaft  werden  Frauen  mit  solchen  Fehlern
unfähig  (Schwangerschaft  tritt  entweder  gar  nie  ein  oder  es  geht  die  Frucht
vorzeitig  ab).  Man  unterscheidet  Vorwärtsknickung  oder  JNeigung,
Rückwärtsknickung  oder  „Neigung  oder  seitliche  Verkrümmung;  ferner
Verlagerung  nach  allen  Seiten,  d.  i.  Verschiebung  aus  der  Mittellinie  des

Die  Frau  als  Hausärztin.  40