628  Frostbeule  —  Fruchtabtreibung.

Man  nennt  sie  „ranula“.  Durch  Einstechen  wird  sie  gewöhnlich  entleert,
füllt  sich  aber  gern  bald  wieder.  Man  darf  sie  niemals  mit  einem  Eitersack
verwechseln,  der  mit  einer  kranken  Zahnwurzel  zusammenhängt.  Eine  Untersuchung
  seitens  eines  geschickten  Zahnarztes  wird  Aufklärung  bringen.

Kalte  Ausspritzungen  wirken  zusammenziehend  und  ausheilend  auf  die
entleerte  Geschwulst,  operative  Behandlung  kann  aber  oft  nicht  vermieden
  werden.

Frostbeule.  Wenn  durch  anhaltende  Einwirkung  heftiger  Kälte  eine
Lähmung  der  Blutgefäße  an  einer  Hautstelle  entsteht,  infolge  welcher  Blutwasser
austritt,  wenn  Schwellung  und  Rötung  entstehen,  denen  Jucken  und  Brennen
folgt,  so  spricht  man  von  „Erfrierung“  und  „Frostbeulen“.  Sie  verschwinden
meist  während  des  Sommers,  um  im  nächsten  Winter  wiederzukehren.  Vorbeugen
  durch  genügende  Bekleidung,  besser  aber  noch  durch  Erhaltung  einer
guten  Blutverteilung,  indem  man  für  Muskelbewegung,  Hauttätigkeit  und  flotte
Verdauung  sorgt,  schützt  vor  solchen  Veränderungen  gesunder  Körperteile;
sind  sie  aber  einmal  entstanden,  dann  reibe  man  mit  Schnee  ein,  mache  kühlende
Packungen  und  vermeide  warme  Temperaturen.  Nach  erzielter  Besserung  wird
zarte  Streichmassage  der  veränderten  Stelle  und  Ableitung  durch  Behandlung
des  ganzen  Körpers  Heilung  oder  wenigstens  bedeutende  Besserung  bringen.
Auch  Kräuteraufschläge,  Bestreichen  mit  Tischlerleim  usw.  sollen  erfolgreich  sein.

Fruchtabtreibung.  Viel  häufiger,  als  es  bekannt  ist,  wird  Fruchtabtreibung
  von  verehelichten  und  unverehelichten  Frauen  erstrebt,  versucht  und
durchgeführt.  Die  Angst  vor  vielen  Kindern  nimmt  immer  mehr  zu,  die
Vorsicht  und  Enthaltsamkeit  in  der  Ehe  steht  aber  nicht  immer  im  rechten
Verhältnis  zu  dieser,  trauriger  sozialer  Verhältnisse  wegen  wohlbegründeten
Angst.  Geradezu  sinnlos  und  gewissenlos  macht  sie  auch  sonst  brave  und  tüchtige
Frauen  und  verleitet  sie  sogar,  verabscheuenswerte  Mittel  zu  gebrauchen.
Anständige  Arzte  sind  für  solche  Zwecke  bei  gesunden  Frauen  nicht  zu  gewinnen;
also  werden  geheime  und  verbotene  Wege  aufgesucht.  Wohin  muß  eine  Frau
gekommen  sein,  durch  Not  und  Sorgen  dazu  getrieben  oder  aus  Egoismus
und  Herzlosigkeit  handelnd,  wenn  sie  sich  nicht  mehr  scheut,  ein  beginnendes
Leben  zu  töten,  in  das  Walten  der  Natur  roh  einzugreifen  und  an  ihrem
eigenen  Leibe  Eingriffe  vornehmen  zu  lassen,  die  oft  so  sehr  gefährlich  in
ihren  Folgen  werden.  Wie  viele  Frauen  sind  infolge  einer  solchen  Abtreibung
nach  schweren  Leiden  gestorben!  Darum  Überlegung  und  Selbstbeherrschung
in  solchen  Fällen  und  vor  allem:  Enthaltsamkeit  in  der  Ehel!  Sie
diene  nicht  nur  tierischen  Trieben  und  der  Befriedigung  stets  vorhandener
Geschlechtslust,  sondern  gemeinsamer  Arbeit  für  die  eigenen  Kinder  und  andere
Mitmenschen.  Je  edler  und  reiner  eine  Ehe  wird,  desto  seltener  wird  eine
Frau,  welche  die  vorhandene  Kinderzahl  nicht  mehr  vermehren  darf,  in  eine
so  verzweifelte  Lage  kommen.  Ist  sie  aber  ernstlich  krank  und  ist  trotz  aller
Bemühungen  dennoch  eine  neue  Schwangerschaft  eingetreten,  dann  muß  der  Arzt