Gallensteine.  635

viele  Störungen.  Überträgt  sich  ein  Darmkatarrh  auf  die  Gallenwege,  so
daß  die  Absonderung  der  Galle  gehemmt  wird,  so  tritt  sie  in  die  Blutwege
ein,  färbt  Hant  und  Gewebe  gelb,  und  man  spricht  von  „Gelbsucht“,  „Gallensieber".
  (Siehe  Leber  mit  Gallenblase  Fig.  366  und  367.)
Gallensteine.  Bei  träger  Verdauung,  Stauungen  in  der  Gallenblase
kommt  es  zu  Niederschlägen  aus  der  Gallenflüssigkeit,  durch  welche  kleine
Steine  gebildet  werden,  die  furchtbare  Schmerzen,  Gallenkolik,  hervorrufen
können.  Sie  haben  gelbe  oder  braune  Farbe  und  die  Größe  eines  Hirsekornes
bis  Bohne  und  größer.  Teils  lassen  sie  sich  durch  Palpation  (Betasten),
teils  durch  den  Befund  im  Stuhle  nachweisen,  aus  welchem  man  sie  aussiebt.
Ihrer  Entleerung  gehen  meist  heftige  Kolikanfälle  voraus.  Zuweilen  vereitert
auch  die  Gallenblase,  bricht  nach  außen  durch  und  entleert  ihren  Inhalt  auf

Fig.  366.  Leber  (Vorderansicht).  Fig.  367.  Leber  (Rückansicht).
1  Sehnenband.  2  linker,  3  rechter  Leber-  1  Sehnenband.  2  Venen.  3  Gallenblase.
lappen.  4  Gallenblase.  4  rechter,  5  linker  Leberlappen.  6  Arterie.

natürliche  Weise.  Frauen  leiden  viel  häufiger  an  Gallensteinen  als  Männer,
sicherlich  ihrer  sitzenden,  an  Lebensreizen  ärmeren  Lebensweise  wegen.
Behandlung.  Heiße  Leberaufschläge,  heiße  Sitzbäder,  Heißluftbäder,
auch  tägliche  Streich=  und  Erschütterungsmassage  der  Leber,  Olivenöl  löffelweise
  morgens  eingenommen,  laue  Klystiere,  vor  allem  aber  eine  fleischlose
milde  Diät  bringen  bald  Besserung  und  Heilung.  Endivien,  Spinat,  Schwarzwurzel,
  zarte  Salate,  Apfelsinen,  Apfel,  Erd=  und  Himbeeren,  Nährsalzbiskuit
statt  Brot,  Hafergrütze  und  Milch  erzielen  leichten  Stuhlgang,  Hebung  der
Kräfte  und  Beseitigung  der  Schmerzen.  Niemals  lasse  man  Gallensteinleidende
ohne  ärztliche  Leitung!  Niemals  begnüge  man  sich,  statt  natürlichen  nur  künstlichen
  Stuhlgang  herzustellen  (durch  Abführmittel  herbeigeführt).  Ju  schwereren
Fällen  hat  sich  die  magnetische  Behandlung,  durch  einen  tüchtigen  Magnetopathen
  ausgeführt,  bewährt.  Man  lasse  etwa  dreimal  wöchentlich  Streichungen
über  den  ganzen  Körper  ausführen  und  die  Hände  des  Magnetopathen  auf
die  schmerzhafte  Leber  legen.  Sie  wirken  schmerzlindernd  und  meist  gehen
nach  5—10  Sitzungen  einige  Gallensteine  ab.  Morphium  zur  Schmerzstillung
soll  nur  äußerst  selten  Anwendung  finden,  denn  es  hat  große  Nachteile  im