638  Gebärmutterblutungen.

wir  Diätfehler  begangen  haben,  und  tritt  die  Entladung  nicht  rasch  ein,  so  unterstütze
  man  den  Organismus  durch  Anwendung  von  Brechmitteln  (siehe  diese),  mache
dann  sofort  einen  warmen  Bauchaufschlag  (am  besten  Bauchflasche),  nehme  ein  Entleerungsklystier
  und  sorge  für  Erwärmung,  Ruhe  und  gute  Luft  im  Schlafzimmer.
Genießt  man  dann  24  Stunden  lang  nichts  als  höchstens  schluckweise  frisches
Wasser  und  erst  bei  wirklichem  Hungergefühl  etwas  Haferschleim  mit  Milch,
so  wird  der  ganze  Vorgang  nur  wohltätige  Folgen  zurücklassen,  nämlich  eine
gründliche  Ausleerung  und  damit  verbundene  Säuberung.  Besser  aber  ist  es,
man  läßt  es  durch  maßvolle  und  vorsichtige  Lebensweise  nicht  erst  dazu  kommen!

Sebärmutterblutungen.  Man  lese  das  siebente  Kapitel  im  I.  Teil  über
die  Geschlechtsorgane  nach  und  betrachte  vorstehende  Zeichnung  (Fig.  368)  genau.

Unter  den  Gebärmutterblutungen  muß  man  jene  zur  Menstrnationszeit,
dann  solche  außerhalb  dieser,  während  der  Schwangerschaft  und  nach  der  Geburt
unterscheiden.  Sie  zeigen  wesentliche  Unterschiede.  Der  blutige  monatliche
Abgang  aus  der  Gebärmutter  ist  unter  Gesunden  so  wenig  stark  und  störend,
daß  man  von  einem  Blutfluß  nicht  sprechen  kann.  Nimmt  er  aber  diesen
Charakter  an,  dann  ist  er  ausgesprochen  krankhaft.

Während  der  Schwangerschaft  darf  niemals  Blut  abgehen;  nach  der
Geburt  tritt  unter  normalen  Verhältnissen  auch  niemals  Blutfluß  ein;  es
liegen  also  stets  bestimmte  Störungen  vor,  wenn  statt  dem  Sickern  ein  Fließen
sich  einstellt.  Ihre  gewöhnlichsten  Ursachen  sind:  Entzündungen  der  Beckenorgane,
  Anämie  und  Schwäche  der  Gefäße,  Geschwülste,  Verlagerungen  mit
Zirkulationsstörungen,  Erschlaffung  des  Uterus  usw.  Die  jeweilige  Ursache
muß  daher  immer  festgestellt  werden,  bevor  man  die  Behandlung  einleitet.

Behandlung.  Allgemeine  Regeln  bei  allen  Blutungen  sind:  vorbeugen,
  damit  sie  nicht  erst  eintreten;  ableiten,  damit  das  Blut  im  Becken
sich  nicht  ansammeln  kann;  reizlose  Ernährung,  durch  welche  die  Blutbeschaffenheit
  wesentlich  beeinflußt  wird;  Ruhe  des  Geistes  und  Gemütes,
damit  nicht  vermehrter  Zufluß  zur  Gebärmutter  die  Folge  ist.  Demnach  leichte,
kühle  Pflanzenkost,  Zitronenwasser,  Rückenguß,  Knieguß,  Wechselarmbad,  Ganzübergießung
  usw.  Wann,  wie  oft  und  mit  welcher  Temperatur  entscheidet
der  einzelne  Fall.  Das  Trinken  von  Zinnkrauttee  hat  nicht  immer  Wirkung,
Ergotin-Anwendungen  sind  erst  recht  nicht  anzuempfehlen,  dagegen  ist  tägliche
Stuhlentleerung  von  Wichtigkeit,  weil  der  volle  Darm  Druck  auf  Gefäße  und
Uterus  ausübt.  Blutstillend  wirken  ferner  heiße  Scheidenausspülungen  von
44%  C.,  auch  ein  heißes  Vollbad  oder  heiße  Sitzdusche,  ferner  Thure-Brandtsche
Massage,  doch  passen  diese  Anwendungen  selbstredend  auch  nicht  für  jedes.  Tamponade
  der  Scheide  mit  festgewickelten  Wattekugeln  wirken  nach  Wechselspülungen
  vortrefflich,  und  versagt  alles,  dann  bleibt  noch  die  Ausschabung
der  Gebärmutterhöhle  übrig,  welche  die  erkrankte  Schleimhaut  beseitigt.  Vor
mehrfachen  Wiederholungen  derselben  ist  jedoch  zu  warnen.  Ist  aber  eine
nicht  mehr  heilbare  Erschlaffung  die  Grundursache,  dann  ist  älteren  Frauen