Gebärmutterentzündung.  639

die  Entfernung  des  Uterus  anzuraten.  Sie  allein  kann  vor  langsamem
Verblutungstod  retten.  Bei  Frauen,  die  geboren  haben,  kann  man  ihn  durch
die  Scheide  entfernen  und  braucht  keinen  Bauchschnitt  zu  machen.

Gebärmutterentzündung  (Metritis).  Auch  diese  ist  eine  recht
häufige  Erscheinung.  Sexuelle  Überanstrengung,  Stauungen  im  Becken,  Erkältung,
  Tripper  usw.  veranlassen  sie.  Bei  der  akuten  Form  —  d.  i.  die  schnell
verlaufende,  heftig  beginnende  —  sind  Schmerzen,  Fieber,  auch  sickernde  Blutungen
  vorhanden;  diechronische,  die  sich  jahrelang  hinschleppen  kanm,  ist  mehr  von
dumpfen  Gefühlen  im  Becken,
Kreuzschmerzen,  zu  langen  und
zu  reichlichen  monatlichen  Blutungen,
  tiefen  Gemütsverstimmungen,
  Verdauungsstörungen
begleitet.  Der  Uterus  wird
allmählich  hart  und  groß,  unförmlich,
  ist  auf  Druck  sehr
empfindlich  und  überträgt  diese
Empfindlichkeit  auf  die  ganzen
Bauchdecken.  Man  ist  oft  recht
elend  bei  chronischer  Entzündung,
  und  das  Gesicht  bekommteinenleidenden
  Ausdruck.

Behandlung.  Sexuelle—-  ——
Ruhe,  also  Unterbrechung  des  *n»ßbß  r*  —

-  ·  Fig.  369.  Muskelgeschwülste  der  Gebärmntter.
ehelichen  Verkehres,  Ganz-  (Myome),  überall  mit  M  bezeichnet.
packungen,  kräftige  Ableitung
durch  Rückengüsse,  Wechselarmbäder,  Heißluftbäder,  Wadenpackungen  usw.,
ganz  milde  Diät  und  Vermeidung  jeder  Anwendung  auf  das  Becken,  um  das
Blut  nicht  dahin  zu  leiten,  bringen  bald  Hilfe.  Unter  Umständen  ist  auch  Bettruhe
notwendig,  welche  man  dann  mit  der  sehr  wirksamen  Anwendung  der  Rumpfpackung
  25°  C.  verbinden  kann.  Man  wechselt  sie  etwa  alle  zwei  Stunden.  Auch
kühle  Watterollen,  recht  naß,  werden  oft  gerne  eingelegt.  Laue  Scheidenausspülungen
  bei  leichtem  Katarrh  oder  Entzündung  werden  lieber  vermieden,  weil
sie  stark  reizen  und  nur  neuen  Blutzufluß  bewirken.  Frauen,  die  durch  ärztliche
Eingriffe  noch  nicht  abgestumpft  sind,  haben  nach  ungewohnten  Ausspülungen
stets  unangenehme  Empfindungen,  Druck,  Unruhe,  ja  selbst  Schmerz.  Solche
aber,  die  schon  wiederholt  geätzt  oder  gar  ausgekratzt  wurden,  sind  stumpf  und
empfinden  weder  Behagen  noch  Unbehagen  darnach.  Die  reinigende  Wirkung
der  Ausspülung  ersetzt  man  durch  äußere  Bespülungen  der  Geschlechtsteile,
indem  man  sich  entweder  über  ein  Waschbecken  kauert  und  mit  geschlossener
Hand  das  Wasser  hinausschleudert  oder  dasselbe  in  bequemer  Form  über  einem
sogenannten  „Bidet“  tut,  siehe  Fig.  149  und  150,  oder  durch  Sitzbad.