Gebärmutterschwund  —  Gebärmutterverengerung.  643

ausgeführt,  auch  bei  Verlängerung  einer  Muttermundslippe;  ferner  schneidet
man  den  Muttermund  ein  bei  Verengung  desselben,  oder  man  amputiert  den
ganzen  Scheidenteil  bei  krebsigen  Auflagerungen.  Am  Gebärmutterkörper
macht  man  bei  Erkrankungen  der  Gebärmutterschleimhaut  die  sogenannte
Auskratzung,  wobei  mit  scharfen  Instrumenten  die  Innenhaut  abgeschabt
wird,  weil  man  davon  die  Bildung  einer  neuen  erhofft,  dann  schneidet  man
Polypen  und  Fibrome  aus,  sofern  sie  nicht  mit  dem  Körper  selbst  verwachsen
sind,  und  amputiert  wohl  auch  den  Körper  am  Halse,  indem  man  den  Scheidenteil
  als  Stumpf  oben  vernäht.

Alle  die  genannten  Operationen  können  unter  Umständen  angezeigt  sein;
ihre  Notwendigkeit  wird  aber  verhältnismäßig  selten  eintreten.  Gebärmutterkatarrhe,
  Entzündungen  der  Innenhaut  lassen  sich  auf  anderem  Wege  beseitigen;
  ohne  Amputation  des  Scheidenteiles,  ohne  Auskratzung  kommen
wir  in  den  meisten  Fällen  ans  Ziel.  Gestielte  Geschwülste  lassen  sich  oft
beseitigen,  ohne  die  ganze  Gebärmutter  mitzunehmen;  bösartige  Geschwülste
aber  oder  solche,  die  große  Beschwerden  verursachen  und  mit  der  Gebärmutter
enge  verwachsen  sind,  lassen  sich  nur  mit  der  Gebärmutter  entsernen.  Durch
richtige  Lebensweise  aber  können  wir  nicht  nur  der  Bildung  von  Geschwülsten
vorbengen,  sondern  auch  bereits  in  Entwicklung  begriffene  in  Grenzen  halten.

Gebärmutterschwund.  Im  Greisenalter,  nachdem  die  monatlichen
  Absonderungen  längst  versiegten  und  keine  geschlechtliche  Tätigkeit  mehr
stattfindet,  schrumpft  auch  die  Gebärmutter;  sie  „schwindet“  und  bekommt  die
greisenhaften  Zeichen.  Das  ist  der  normale,  physiologische  Schwund.

Wird  die  Gebärmutter  aber  nach  einem  Wochenbett  infolge  allgemeiner
Schwäche  oder  Blutarmut  klein  und  schwach  trotz  jugendlichen  Alters,  dann
ist  der  Schwund  krankhaft  und  wohl  meist  mit  allgemeinem  Rückgang  der
Kräfte  verbunden.

Gebärmutterumfstülpung  (Inversion).  Dieser  traurige  Zustand
tritt  glücklicherweise  selten  ein.  Er  besteht  erstens  in  vollständigem  Vorfall,
zweitens  in  Umstülpung  der  Gebärmutter,  wobei  ihre  Innenfläche  nach  außen
kommt.  Nach  anstrengenden  Geburten,  bei  Nachlassen  des  Bandapparates  wird
er  zuweilen  beobachtet.  Zurückbringen  des  Organes  seitens  des  Arztes  mit  zarten
und  geölten  Händen  und  kräftigende  Behandlung  nach  Ausheilung  der  Geburtswunden
  wird  unsere  Ausgabe  sein;  während  des  Wochenbettes  aber  schon  entsprechende
  zusammenziehende  Wasserbehandlung,  die  im  1I.  Teil  besprochen  ist.

Gebärmutterverengerung.  Sie  sitzt  im  Gebärmutterhals,  am
inneren  oder  äußeren  Gebärmuttermund  und  erschwert  sowohl  den  Austritt
von  natürlichen  Ausscheidungsstosfen,  wie  Schleim  oder  Blut,  als  auch  den
Eintritt  des  Spermas  (Samens)  in  die  Gebärmutterhöhle.  Daher  ist  die  Verengerung
  zuweilen  die  Ursache  menstrueller  Schmerzen  und  der  Unufruchtbarkeit.
Sie  ist  als  ein  Bildungsfehler  zu  betrachten,  dessen  Behebung  oft  Erleichterung
bringt,  leider  aber  doch  nicht  immer  zur  erwünschten  Mutterschaft  führt.

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