644  Gebärmutterverlagerungen  und  -Knickungen.

Behandlung.  Turch  mechanische  Erweiterung  erreicht  man  bei
vorsichtigem  Gebaren  fast  schmerzlos  normale  Verhältnisse.  Man  führt
verschieden  dicke  Sonden  oder  Preßschwämme  ein,  die  aufquellen  und  die
man  täglich  einige  Stunden  liegen  läßt  und  am  nächsten  Tag  durch  stärkere
ersetzt.  Dadurch  weitet  sich  der  Kanal  im  Halse  so  sehr  aus,  daß  alle
Beschwerden  schwinden.  Wirkt  man  noch  gleichzeitig  durch  Sitzdampf  ein,
macht  man  zur  Belebung  eines  vielleicht  kleinen  Uterus  auch  innere  Massage,
so  kann  man  wirklich  viel  erreichen.

Auf  der  andern  Seite  steht  das  operative  Verfahren,  das  Einschneiden
und  Erweitern  des  Halses  mittelst  des  Messers,  das  aber  selten  wirklich  nötig
sein  wird.  Wegen  bestehender  Unfruchtbarkeit  haben  sich  unzählige  junge
Frauen  diesem  Verfahren  unterzogen,  ohne  dennoch  zur  ersehnten  Mutterschaft
  gelangt  zu  sein,  da  in  sehr  vielen  Fällen  noch  andere  Umstände  die
Unfruchtbarkeit  bedingten.  Man  lasse  diese  immer  vorher  möglichst  feststellen.

Wir  raten,  stets  zuerst  die  Erweiterung  durch  Sonden  versuchen  zu  lassen,
da  durch  sie  auf  ungefährlichem  Wege  mancherlei  Beschwerden  beseitigt  werden.

Gebärmutterverlagerungen  und  -Knickungen.  Auch  dieses
gehört  zu  den  wichtigsten  Kapiteln  für  die  kranke  Frauenwelt,  weil  die  Verschiebungen
  und  Knickungen  der  Gebärmutter  ein  immer  häufigeres  Übel  werden.
Wie  aus  den  Abbildungen  ersichtlich  (siehe  Fig.  26  und  27,  dann  Fig.  64  und  145)
ist  die  Gebärmutter  ein  gerader,  birnförmiger  Hohlkörper,  an  dem  man  einen
schmäleren  und  einen  dickeren  Teil  unterscheidet.  Dort,  wo  beide  zusammentreffen,
  ist  die  Stelle,  an  welcher  sich  Knickungen  entwickeln;  wenn  das  Gewebe
an  dieser  Stelle  an  Widerstandskraft  verliert,  so  genügt  häufiger  Druck  von
einer  Seite,  um  eine  Abknickung  herbeizuführen  und  den  geraden  Körper  in
einen  winkelig  abgebogenen  umzuwandeln.  Dies  geschieht  beispielsweise,  wenn
die  Blase  stundenlang  gefüllt  gehalten  wird,  weil  eine  rechtzeitige  Entleerung
aus  Anstandsgründen  untunlich  war;  die  volle  Blase  verhindert  dann  die  nach
vorn  geneigte  Lage  der  Gebärmutter;  sie  wird  künstlich  steif  und  aufrecht  gehalten
und  nach  hinten  gedrängt,  wie  Fig.  293  es  darstellt.  Umgekehrt  ist  der  Vorgang
  bei  überfülltem  Darm,  vornübergeneigter  Haltung,  wie  sie  bei  gewissen
Handarbeiten  eingehalten  wird,  durch  welche  bei  muskelschwachem  Uterus  die
Knickung  nach  vorn  entstehen  kann.  Niemals  lasse  man  daher  junge  Mädchen
anhalten,  wenn  Blase  oder  Darm  Entleerung  heischen;  vielmehr  haben  Mütter
und  Erzieherinnen  die  Pflicht,  für  gute  Gelegenheiten  zu  sorgen  und  den  Mädchen
die  Wichtigkeit  des  Vorganges  klar  zu  machen.  Unzählige  Krankheiten  sind  auf
derlei  Unterlassungsfsünden  zurückzuführen.  Hier  ein  Beispiel:  ein  20jähriges,
sehr  hübsches  Mädchen  von  schlechter  Gesichtsfarbe  kommt  in  die  ärztliche
Sprechstunde,  weil  es  seit  dem  15.  Jahr  an  immer  störender  werdender  Stuhlverstopfung
  leidet.  Nun  vergingen,  —  man  bedenke  bei  einer  20  jährigen!  —
oft  sechs  bis  sieben  Tage,  ohne  daß  Stuhlgang  eintrat;  dann  nahm  der
Appetit  ab;  obwohl  sie  sich  sonst  gesund  fühlte,  war  sie  nach  jeder  Entleerung  doch