Gebärmutterverlagerungen  und  -Knickungen.  645

sehr  erleichtert  und  verändert.  Nach  der  Ursache  befragt,  die  ihrer  Meinung
nach  diese  auffallende  Darmträgheit,  der  nur  Blutarmut  zugrunde  liegen
könne,  verschuldet  habe,  erzählte  die  Patientin,  daß  sie  im  15.  Jahr  in  einem
Pensionat  gewesen  sei,  wo  sie  oft  durch  gewaltsames  Zurückhalten  des  Stuhldranges
  zu  leiden  hatte.  Die  Pensionsmutter  wohnte  im  Vorderzimmer,  und
den  Mädchen  war  es  verboten,  zu  oft  durch  ihr  Zimmer  zu  gehen,  um  sie
nicht  zu  stören;  nachts  durfte  es  niemals  geschehen.  Eine  Vorrichtung  zur
Befriedigung  der  natürlichen  Bedürfnisse  hatten  die  armen  Mädchen  in  ihrem
Zimmer  auch  keine.  Solche  Willkür  und  Rücksichtslosigkeit  gegen  anvertraute
junge  Menschen!!  Damals  hatte  die  Stuhlverstopfung  angefangen,  und  später
wich  sie  nur  treibenden  Stuhlmitteln.

Ahnliche  Beispiele  könnte  manche  Frau  aus  ihrer  Jugendzeit  erzählen.
Daß  Knickungen  und  Beugungen  auch  durch  allgemeine  Schwäche,  große
Blutarmut  nach  Wochenbetten,  nach  Blutungen  oder  schweren  Krankheiten
auftreten,  ist  bekannt  und  auch  an  anderen  Stellen  schon  erwähnt  worden.
Schmerzhafte  Menstruation,  Kreuzschmerzen,  gedrückte  Stimmung,  Ausfluß,
Reizbarkeit,  Kopfschmerz,  Stuhlverstopfung  und  noch  anderes  mehr  sind
Begleiterscheinungen  dieser  Formveränderungen  des  Uterus.  Bei  jungen
Mädchen  sind  heftige  Schmerzen  während  der  Menstruation  gewöhnlich  mit
Knickung  nach  vorne  (Anteflexio)  verbunden;  man  sollte  deshalb,  wenn  die
Schmerzen  immer  wiederkehren,  eine  innere  Untersuchung  nie  versäumen  und
mit  systematischer  ärztlicher  Behandlung  beginnen.  Oft  kann  man  in  jungen
Jahren  noch  mildern,  was  in  späteren  sich  starr  und  unzugänglich  zeigt.  Rückwärtsknickungen
  (Retroflexio)  bei  jungen  Mädchen  sind  oft  angeboren  und  dann
nicht  so  selten  auch  mit  Verwachsungen  verbunden.  Das  sind  dann  schwierige
Fälle,  meist  zur  Unfruchtbarkeit  verdammt.  Letztere  ist  neben  allen  krankhaften
Störungen  das  traurigste  Verhängnis  für  eine  verheiratete  und  natürlich
empfindende  Frau;  sie  fehlt  auch  nie  bei  einer  scharfen  und  harten  Anteflexio.
Die  Verlagerung,  ohne  Verwachsung,  ist  weniger  ernst.  Sie  besteht  darin,
daß  der  Uterus  durch  Verkürzung  eines  Mutterbandes  nach  einer  Seite  des
Beckens,  also  aus  der  Mittellinie  heraus,  geschoben  wird.  Solche  Verschiebungen
  sind  sehr  häufig  unter  der  Frauenwelt  und  machen  nur  dann  Symptome,
  wenn  sich  Entzündungen  dazu  gesellen.  Eine  zu  starke  Neigung  des
Uteruskörpers  nach  hinten,  infolge  Erschlaffung  des  Bandapparates  ist  gleichfalls
  eine  häufige  Erscheinung  und  tritt  besonders  gern  bei  geschwächten,  blutarmen
  Frauen  nach  der  ersten  Entbindung  ein.  Sie  ist  selten  ein  Hindernis
zur  Empfängnis.  Die  übermäßige  Vorwärtsneigung  ist  ganz  ähnlich.  Ist  der
Uterus  aber  infolge  krankhafter  Veränderungen  zu  schwer,  dann  kann  er  sowohl
  die  Darmtätigkeit  behindern,  wie  die  Blase  belästigen.

Behandlung.  Die  alte  Schulmedizin  arbeitet  heute  noch  mit  Ringen
und  Stiften,  um  Knickungen  auszugleichen,  oder  wenigstens  Lageveränderungen
zu  verbessern,  und  hat  damit  viel  Unheil  angerichtet.  (Siehe  „Mutterringe“.)