648  Gebärmutterverlagerungen  und-Knicknngen.

aufschlag,  nasse  Socken  und  Wärmeflasche;  Obst  zum  ersten  Frühstück,
täglich  Salate  mit  Zitronensaft,  leichte  fleischlose  Kost,  Vermeidung
von  Bier,  Wein,  Kaffee,  Fleischbrühe,  Kakao;  dreimal  wöchentlich  innere
Massage  nach  Thure-Brandt  und  Atemgymnastik.  Die  Kreuzschmerzen
verloren  sich  sehr  bald,  der  Stuhl  wurde  immer  leichter  und  weicher,  das
Allgemeinbefinden  hob  sich  sichtlich,  die  nächste  Menstruation  war  viel  normaler
  (geringerer  Blutabgang  und  helleres  Blut),  und  nach  fünfwöchiger
Behandlung  konnte  die  Frau  zufrieden  und  in  heiterer  Stimmung  entlassen
  werden.

Eine  andere  Frau  litt  an  Anteflexio,  spärlicher,  oft  schmerzhafter
Menstruation,  Nervosität,  Ausfluß,  Blutarmut.  Sie  bekam  morgens  Sitzbad
  38°,  abgekühlt  bis  30°  C.,  fünf  Minnten,  Nacherwärmung  im  Bette  bei
Frostgefühl;  nachmittags  Wechselbeinbad  40°%  und  15°  C.,  nachts  kalten
Leibumschlag,  Wärmeflasche;  wöchentlich  ein  Heißluftbad  mit  nachfolgendem
  Halbbad,  Oberkörperfrottierung,  leichte  Streichmassage  des
ganzen  Körpers;  Dr.  Lahmanns  Nährsalzkakao,  weißes  Fleisch,  viel  Obst  und
zarte  Gemüse  und  dreimal  wöchentlich  innere  Massage  und  nachfolgende
Atemgymnastik.  Bald  wirde  der  vorher  ungleiche  Appetit  kräftiger,  die
Wärme  am  ganzen  Körper  stärker;  die  nervöse  Reizbarkeit  ließ  nach,  der
Ausfluß  wurde  unmerklich  und  die  nächste  Periode  war  schmerzlos  und  verlief
bei  besserem  Allgemeinbefinden.  Die  flache  Atmung  wich  einer  willkürlichen
Beherrschung  der  Atmungsorgaue,  welche  Fähigkeit  anfangs  vollständig
fehlte.  Auch  diese  Patientin  ging  vergnügt  aus  der  Behandlung,  nachdem
sie  sich  vorher  einige  Jahre  mit  Ringen,  Jodeinlagen  usw.  vergeblich  herumgequält
  hatte.

In  beiden  Fällen  hatte  die  innere  Massage  besseren  Stoffwechsel  und
größere  Beweglichkeit  der  Beckenorgane  erzielt,  obwohl  die  alten  Knickungen
nicht  mehr  ganz  zu  beseitigen  waren.  Bei  gutem  Allgemeinbefinden  fühlten
jedoch  beide  Frauen  nicht  viel  von  ihrem  Fehler,  und  eine  nach  der  Kur
vorsichtigere  Lebensführung  bewahrte  sie  vor  Rückfällen.

Noch  sei  hinzugefügt,  daß  Ringe  steife  Knickungen  nie  zu  beseitigen
vermögen;  sie  sind,  wenn  sie  gut  sitzen,  nur  imstande,  den  ganzen  Uterus
zu  heben  und  dadurch  Druckwirkungen  auf  Nachbarorgane  zu  vermindern.
Handelt  es  sich  nur  um  eine  Neigung,  durch  Erschlaffung  der  Bänder
entstanden,  so  kann  die  Gebärmutter  durch  Anwendung  eines  Ringes  in
normale  Lage  kommen,  üauch  ohne  Besserung  des  Allgemeinzustandes.  Ist
eine  leicht  geknickte  Gebärmutter  durch  innere  Massage  weicher,  beweglicher
geworden,  wurde  auch  bestehender  Katarrh  der  Schleimhant  ausgeheilt,  dann
kann  sehr  wohl  Schwangerschaft  zustande  kommen.  Wir  haben  manchen
Knick  am  schwangeren  Uterus  durch  die  vermehrte  Blutfülle  und  Erweichung
desselben  verschwinden  sehen.  Alte,  verhärtete  Knickungen  sind  jedoch  durch
keinerlei  Behandlung  vollständig  zu  beseitigen.