Gebärmutterverschluß  —  Gebärmuttervorfall.  649

Gebärmutterverschluß.  Er  kommt  selten  vor,  ist  aber  sowohl
angeboren  wie  erworben,  durch  Knickungen,  Geschwülste,  Narbenbildung  usw.
entstanden.  Hier  muß  operative  Eröffnung  sofort  vorgenommen  werden,
weil  die  Beschwerden  bei  vollständigem  Verschluß  sehr  quälende  sind.  Nach  Eröffnung
  stürzt  eine  große  Blutmenge  heraus,  und  alle  Schmerzen  verschwinden.

Wenn  junge  Mädchen  allmonatlich  heftige  Leibschmerzen  haben,  ohne
daß  je  ein  Tropfen  Blut  entleert  wurde,  so  muß  man  an  die  Möglichkeit
eines  Verschlusses,  der  übrigens  auch  die  Scheide  betreffen  kann,  denken  und
eine  ärztliche  Untersuchung  vornehmen
lassen.  Alle  Bäder  und  Aufschläge
würden  in  solchem  Falle  natürlich
wirkungslos  sein.

Gebärmuttervorfall.  Wenn
jene  häutigen  Vorrichtungen  innerhalb
  des  Beckens  nachlassen,  die  zur
Befestigung  der  Lage  der  Gebärmukter
  dienen,  also  die  sogenannten
„Bänder“,  welche  sowohl  das  Kreuzbein
  wie  die  Beckenränder  mit  der
Gebärmutter  verbinden,  so  senkt  sich
die  Gebärmutter  und  kann  so  weit
nach  unten  rutschen,  daß  der  Mutterhals
  entweder  am  Scheideneingange
liegt  und  sichtbar  wird,  oder  ihr
ganzer  Körper  vorrutscht  und,  statt
in  der  Beckenhöhle  eingebettet  zu
bleiben,  zwischen  den  Schenkeln  liegt.
Es  entsteht  dadurch  ein  sehr  unangenehmer
  Zustand,  der  die  Frau  Fig.  374.  Mastdarmscheidenvorfall.

am  Gehen  hindert  und  der  auch  Die  Gebärmutter  ist  nach  hinten  geueigt
Schmerzen  verursacht,  wenn  die  Ge-  und  gesenkt.  Nach  Martin.

bärmutter  groß  ist  und  durch  Kleider

und  Schenkel  wundgerieben  wurde.  Meist  sind  es  Mehrgebärende,  welche  in
reiferem  Alter  von  diesem  Übel  befallen  werden,  und  sehr  oft  schwer  arbeitende,
sonst  kräftige  Frauen,  welche  langsam  beginnende  Störungen  nicht  beachten,
bis  es  eines  Tages  zum  vollendeten  Vorfall  kommt.  Bänerinnen,  welche
acht  bis  zwölf  Kinder  geboren  hatten,  sind  hänsig  mit  Vorfall  behaftet;  Vernachlässigung
  und  überanstrengung  sind  die  Quellen  ihrer  Leiden.

Bevor  die  Gebermutter  herunterrutschen  kann,  muß  sie  erst  ihre
normale  Lage,  die  nach  vorn  geneigte,  aufgeben  und  muß  sich  nach  hinten
neigen,  was  bei  Erschlaffung  der  seitlichen  Mutterbänder  immer  geschieht;
denn  erst  durch  die  Rückwärtsneigung  kommt  sie  in  die  Ebene  der  Scheide.