650  Gebärmuttervorfall.

Eigene  Schwere  der  Gebärmutter,  Muskeldruck  von  oben  bei  schweren
Arbeiten,  bei  Husten,  sehr  hartem  Stuhl  usw.  begünstigen  das  Abwärtsgleiten.
  Ferner  wird  der  Vorfall  eingeleitet  und  droht  oft  jahrelang  bei
bestehendem  Scheidenvorfall,  besonders  wenn  ein  alter  Dammriß  die  Stütze
nach  untenhin  nimmt  und  ein  dadurch  zu  kurz  gewordener  Damm  dem  von  oben
wirkenden  Druck  nicht  gewachsen  ist.  Das  sind  also  weitere,  den  Gebärmuttervorfall
  begünstigende  Zustände.  Fig.  373  zeigt  eine  aufrechtstehende,  nach
vorn  geknickte  Gebärmutter,  die  sich  durch  Vorfall  der  vorderen  Scheidenwand
  gesenkt  hat.  (Man  vergleiche  andere  Bilder.)  Fig.  374  stellt  einen
Mastdarmscheidenvorfall  dar,  bei  welchem  die  Gebärmutter  die  beschriebene
Rückwärtsneigung  hat.  Viele  junge  Frauen,  welche  schlaffe  Gewebe  haben
und  blutarm  sind,  bekommen  nach  einigen  Geburten  bei  Rückwärtsneigung
der  Gebärmutter  Senkung  und  klagen  stets  über  Druckgefühl  nach  unten
und  über  eine  Empfindung,  als  wollten  alle  Eingeweide  herausfallen.  Dieses
Symptom  ist  nicht  leicht  zu  nehmen  und  sollte  sofort  durch  angemessene  Behandlung
  bekämpft  werden.

Behandlung.  Man  bringt  zuerst  die  Gebärmutter  in  die  richtige
Lage  (was  nur  der  Arzt  zu  tun  vermag),  dann  sorgt  man  durch  leichte
Pflanzenkost  für  weichen  Stuhl,  weil  durch  Pressen  und  Drängen  und  harte
Kotknollen  die  Gebärmutter,  die  jetzt  haltlos  ist,  nach  abwärts  gedrängt  wird,
man  beseitigt  etwa  bestehenden  Husten,  weil  auch  dieser  jedem  Vorfall  sehr
gefährlich  ist,  massiert  täglich  die  schlaffe  Scheide  und  die  Gebärmutterbänder
und  sorgt  durch  zusammenziehende  und  erregende  Bäder  für  bessere  Durchblutung
  und  Kräftigung  der  genannten  Teile.  Bei  Senkung  wird  von  der
älteren  Schulmedizin  der  Ring  verordnet,  der  aber  in  diesem  Falle  große
Nachteile  bringt,  so  sehr  er  auch  anfänglich  zu  verbessern  scheint.  Er  gewährt
nur  solange  einen  Halt,  als  er  die  Scheide  dehnt;  ist  er  einmal  für  die  angrenzenden
  Teile  zu  klein  geworden,  dann  müssen  immer  größere  Nummern
genommen  werden.  Aber  auch  die  größeren  Ringe  fallen  heraus,  wenn  die
Ausdehnung  und  Schlaffheit  der  Scheide  zugenommen  hat.  Daher  hat
manche  „Senkung“,  die  mit  Ringen  behandelt  wurde,  schließlich  zu  einem
„Vorfall“  geführt,  der  ohne  Ringe  nie  eingetreten  wäre.  Wenn  dann  die
geplagten  Frauen  Hilfe  suchen,  hat  man  nur  die  „Radikaloperation“  noch
übrig  für  sie,  d.  i.  entweder  Herausschneiden  des  Uterus  samt  Anhängen
oder  Ausschneidung  der  lockeren  Scheidenhaut  und  Vernähung  der  Ränder
derselben,  um  sowohl  die  Scheide  wie  deren  Eingang  eng  zu  gestalten  und
den  eingerissenen  Damm  zu  verlängern.  Dann  gibt  es  keinen  Scheiden=  und
leinen  Gebärmuttervorfall  mehr!  (Näheres  über  diese  Operation,  die  unser
letztes  und  zuverlässiges  Hilfsmittel  bleibt,  siehe  unter  „Scheidenresektion“.)

Und  nun  ein  belehrender  Fall  aus  unserer  Praxis!

Eine  sechzigjährige  kleine  Bäuerin,  arbeitsfähig  und  kräftig,  kam  vom
Lande  in  unsere  Sprechstunde,  weil  ihr  Zustand  den  Ihrigen  doch  endlich