Geburt  —  Gehermmittel.  651

bedenklich  wurde.  Seit  Monaten  hing  die  Gebärmutter  handbreit  herans,
war  von  Wunden  bedeckt  und  erzeugte  einen  blutigen  Ausfluß.  Harter  Stuhl
bestand  auch  schon  lange  Zeit.  Nach  Zurückbringung  der  Gebärmutter  bekam
sie  Sitzbäder  mit  Abkochung  von  Eichenrinde,  kaltnasse  Tampons,  tägliche
Massage  der  Scheide  und  Bänder,  Beckengymnastik  (Kniespreizung  und  Beckenhebung,
  siehe  Fig.  305),  kalte  Rückengüsse,  leichte  treibende  Kost,  kalte  Leibwickel
  nachts,  und  siehe  da,  nach  dreiwöchiger  Behandlung  konnte  die  Frau
nach  Hause  fahren  und  brauchte  zum  Schutze  nur  eine  leichte  Binde  zwischen  den
Beinen  zu  tragen,  um  einen  gewissen  Gegendruck  von  außen  wirken  zu  lassen.
Nach  richtiger  Einstellung  war  die  Gebärmutter  überhaupt  nicht
mehr  vorgefallen;  der  Bandapparat  festigte  sich,  der  häßliche  Ausfluß
schwand  nach  wenigen  Tagen,  der  harte  Stuhl  wich  einem  weichen,  leicht  zu
entleerenden,  und  nach  Monaten  noch,  als  die  Frau  längst  wieder  ihre  Kühe
besorgte  und  schwere  Hausarbeit  verrichtete,  befand  sie  sich  immer  noch  wohl
und  von  Beschwerden  frei.  Wir  fügen  aber  hinzu,  daß  unter  Umständen  ein
Rückfall  eintreten  kann,  da  Neigung  dazu  vorhanden  bleibt,  und  daß  sich  solche
Frauen  ebenso  wie  Personen,  die  einen  Leistenbruch  haben,  vor  dem  Heben
schwerer  Gegenstände,  vor  Husten  und  Stuhlverstopfung  hüten  müssen.

Eine  Kräftigungskur  im  allgemeinen,  innere  Massage,  auch  das  Tragen
des  Thalysia-Körperformers  bei  schwerem  Bauch  (siehe  Tafel  3),  Bergsteigen  und
Waldluft  werden  den  Eintritt  eines  Vorfalls  oft  noch  zu  verhüten  vermögen.

Geburt.  Siehe  II.  Teil  „Das  Kind“.

GSedächtnis.  Zur  vollen  Nervenkraft  gehört  auch  ein  gutes  Gedächtnis;
Übung  aber  und  systematische  Anleitung,  besonders  in  der  Jugend,  können
es  bedeutend  kräftigen.  Blutarmut  jedoch,  krankhaftes  Phantasieleben,  geschlechtliche
  Verirrungen  und  Überanstrengung  schwächen  es  bedeutend.

Konzentrierte  nützliche  Arbeiten,  am  besten  im  Freien,  im  Garten  und
auf  dem  Felde,  Beseitigung  aller  krankmachenden  Ulrsachen,  gesunder  Schlaf
und  Vermeidung  jeglicher  Nervenreize  bringen  bedeutende  Besserung  und
schöne  Fortschritte.  Die  Gedächtnisschwäche  ist  ein  Begleitsymptom  vieler
unterleibskranker  Frauen;  Ausheilung  ihres  Leidens  wird  daher  ihre  erste
Aufgabe  sein,  dann  Allgemeinkräftigung,  und  sie  werden  selbst  erstaunt  sein
über  ihre  unerwarteten  Erfolge.

Gebeimmittel.  Der  Glaube,  daß  Arzneistoffe  oder  deren  Mischungen
für  bestimmte  Krankheiten  Heilmittel  seien,  herrschte  unbeschränkt  im  Mittelalter;
  Gewinnsucht  aber  bewirkte  es,  daß  die  guten  Erfahrungen  eines  einzelnen
  mit  einem  zu  Heilzwecken  versuchten  Stoff  zu  seiner  Geheimhaltung
führten,  indem  der  Besitzer  des  wundertätigen  Rezeptes  niemand  anders  in
seinen  Besitz  gelangen  lassen  wollte  und  es  nun  ungehindert  gegen  reichen
Gewinn  verkaufte.  So  entstanden  und  entstehen  noch  heute  Geheimmittel!
Pflanzliche  und  tierische  Stoffe  werden  verwendet;  der  Glaube  ist  ein
mächtiger  Faktor  bei  der  Genesung.  Oft  enthalten  sie  auch  betäubende  oder