654  Gehörorgan  —  Geisteskrankheiten.

einzutreten.  Lautlos  oder  mit  einem  Schrei  stürzt  ein  vom  Schlage  Getroffener
zu  Boden,  ohne  Empfindung,  ohne  Bewußtsein;  wenn  die  Atmung  nicht
gehemmt  ist,  mit  blassem  Gesicht,  sonst  bläulichem;  ist  der  Bluterguß  nur
mäßig,  so  kehrt  das  Bewußtsein  wieder,  Lähmungen  der  Sprache,  der  Gliedmaßen,
  erschwertes  Denken  usw.  bleiben  ost  zurück.  Im  anderen  Falle  geht
die  Bewußtlosigkeit  langsam  in  den  Tod  über.

Bei  Frauen  sind  Schlagflüsse  im  allgemeinen  seltener  als  bei  Männern,
zum  großen  Teil  auch  deshalb,  weil  unmäßige  Esser  und  Trinker  unter  dem
weiblichen  Geschlechte  seltener  sind.

Behandlung.  Den  vom  Schlage  Getroffenen  entkleide  man,  mache
ihm  kalte  Kopfkompressen,  sorge  für  Zufuhr  frischer  Luft,  Darmentleerung,
ableitende  Wadenpackungen,  Wärmflasche  an  den  Füßen,  um  diese  warm  zu
erhalten,  ruhige  Lage,  flüssige  Kost,  tägliche  Ganzwaschungen.  Dabei  findet
Aufsangung  des  Blutergusses  langsam  statt,  und  die  störenden  Erscheinungen
schwinden  allmählich.  Lähmungen  behandelt  man  durch  Massage,  leichte
Andampfungen,  kalte  Güsse,  aber  nur  bei  gutem  Allgemeinbefinden,  damit
durch  verfrühte  Reize  nicht  neue  Blutungen  entstehen.  Alkoholgenuß  ist
strengstens  untersagt,  auch  reichliche  Mahlzeiten;  Anstrengungen,  Aufregungen
sind  von  Personen,  die  zu  Schlagfluß  neigen,  zu  vermeiden.

Gebörorgan.  Siehe  „Ohrkrankheiten“.

Geisteskrankbeiten.  Alkohol,  heftiger  Kummer,  angeborene  Anomalien
  des  Nervensystems,  Stoffwechselstörungen,  geschlechtliche  Verirrungen
und  unerklärt  gebliebene  Veranlassungen  sind  die  Ursachen  der  Geisteskrankheiten.
  Veränderungen  der  Gehirnmasse  sind  nach  dem  Tode  nicht  immer  nachweisbar.
  Jahrelang  oft  bereitet  sich  ihr  Ausbruch  vor,  ohne  daß  die  Umgebung
die  auffälligen  Zustände  des  Kranken  zu  beurteilen  wüßte,  bis  endlich  eine
unerwartete  Tat  ein  helles  Licht  verbreitet.  Unter  den  vielen  Arten  geistiger
Verirrung  oder  Umnachtung  heben  wir  nur  vier  Gruppen  hervor,  in  welche
sich  alle  Formen  unterbringen  lassen:  1.  Schwermut,  Melancholie,  die  oft  zu
Selbstmord  führt,  bei  Frauen  sehr  häufig  auftritt  und  oft  sehr  schwer  zu  bekämpfen
ist;  2.  die  Tobsucht,  welche  in  heftigen  Ausbrüchen  bei  gesteigertem  Kraftgefühl
  und  übermäßigem  Selbstgefühl,  mit  Größenwahn,  vermehrtem  Geschlechtsleben
  und  Tatendrang  verbunden  ist,  deren  Behandlung  große  Schwierigkeiten
  bereiten  kann;  3.  die  Verrücktheit,  in  Wahnvorstellungen,  fixen  Ideen,
kindlicher  Heiterkeit  oder  boshafter  Schlauheit  bestehend,  und  4.  der  Blödsinn,
durch  Schwachsinn,  Widerstandslosigkeit  und  Stumpfsinn  gekennzeichnet,  wobei
Gehiruschwund,  -Erweichung  und  -Entartung  zugrunde  liegen.  Bei  den
meisten  Erkrankungen  handelt  es  sich  um  Mischformen  dieser  vier  Hauptgruppen,
  Übergänge  von  einer  zur  anderen.

Behandlung.  Sie  eignet  sich  nicht  für  das  Haus,  weil  es  dazu
beständiger  Überwachung  und  geschulter  Pfleger  bedarf.  Man  ist  also
gezwungen,  gefährliche  Geisteskranke  einer  Anstalt  zu  überweisen.  Leider