Geist,  sein  Einfluß  —  Gelbsucht.  »  655

stehen  diese  aber  noch  nicht  auf  der  Höhe  der  Zeit,  indem  naturgemäße  Heilfaktoren
  daselbst  noch  zu  wenig  berücksichtigt  werden  und  die  Pflege  der
Kranken  viel  mehr  in  einer  Einsperrung  als  in  einer  wirklichen  Behandlung
besteht.  Daß  ihre  Beruhigung,  ihre  Kräftigung  durch  Wasser  und  Diät  zu
erzielen  sei,  weiß  man  vielfach  noch  nicht,  und  doch  hat  mancher  Fall  in  der
Privatpraxis  bewiesen,  daß  durch  Beeinflussung  des  Stoffwechsels,  durch  Ausscheidung
  von  Selbstgiften  eine  nicht  mehr  erwartete  Heilung  eintrat.
Da  man  nie  weiß,  was  im  Gehirn  eines  Geisteskranken  vorgeht,  behandle
man  ihn  nie  als  unheilbar,  solange  man  nicht  mit  Ausdauer  unsere  Heilmethode
  ausprobiert  hat,  und  scheue  keine  Opfer,  um  dies  zu  ermöglichen.
So  mancher  Versuch  wurde  mit  Erfolg  belohnt.  Nach  der  ganzen  Konstitution,
dem  Vorleben,  nach  vorhandenen  chronischen  Krankheiten  und  der  Form  des
Wahnsinns  ist  die  Art  der  Behandlung  einzurichten.  Sie  gehört  zu  den
schwierigsten  und  mühevollsten  und  ist  hier  einmal  nur  beruhigend  und  ableitend,
dort  dagegen  erregend  und  kräftigend,  entziehend  und  aufbauend  auszuführen.
Ohne  tüchtige  Arzte,  ohne  entsprechend  eingerichtete  Anstalten  werden  im
weiteren  Umfange  aber  selten  Fortschritte  zu  erzielen  sein.  Wirke  jeder  an
seinem  Teile  mit,  daß  die  Zukunft  uns  bald  eine  andere  Irrenheilkunde  und
Heilanstalten  auf  physikalisch-diätetischer  Grundlage  bringe!

Geist,  lein  Sinflutßz.  Hierher  gehörte  erst  eine  Definition  des
Begriffes  „Geist“,  aber  nach  welcher  Anschauung  sollen  wir  sie  geben?  Sollen
wir  sagen:  ein  Teil  Gottes?  Oder:  „Der  Geist  ist  die  höchste  Verfeinerung
irdischer  Kräfte,  die  feinste  Elektrizität?"  Er  ist  das  treibende,  uns  vom
Tier  unterscheidende  Element  in  uns!  Mag  unsere  Erklärung  wie  immer
ausfallen,  sicher  ist  es,  daß  er  über  allen  niederen  Kräften  steht  und  daß
er  daher  auch  die  Funktionen  unseres  Körpers  beherrscht.  In  bezug  auf
Krankheit  vermag  er  diese  Herrschaft  in  günstigster  Weise  zu  betätigen,
indem  er  nicht  nur  Geduld,  Unterdrückung  und  Ableitung  lehrt,  sondern
indem  er  sogar  Unempfindlichkeit  gegen  herbe  Leiden  herbeiführen  kann.
Möchten  alle  Menschen  in  diesem  Sinne  ihren  Geist  verwenden  lernen,
viel  Elend  würde  dadurch  aus  dem  Leben  der  Menschen  verbannt  werden.
Nehmen  wir  das  Bild  eines  edlen  Menschen,  dessen  Geist  die  Herrschaft
über  niedere  Triebe  stets  bewahrt:  nie  läßt  er  sich  durch  Zorn  hinreißen,
nie  durch  rein  sinnliche  Liebe,  nie  durch  körperliche  Schmerzen  oder  andere
Leiden  sein  Urteil  trüben,  seinen  Geist  unterdrücken,  —  stets  leuchtet  dieser
klar  und  mild,  bewahrt  ihn  selbst  vor  Verdunkelung  und  wird  seiner  Umgebung
  zur  Wohltat.  Körperliche  Leiden  aber  weiß  er  zu  beherrschen,  ja
zu  begrenzen  und  sie  ihres  Stachels  zu  berauben.  Beneidenswert,  wer  es
so  weit  gebracht!  Erstreben  aber  können  wir  alle  dieses  Ziel,  erreichen
durch  strenge  Zucht  an  uns  selbst.

Gelblucht  (leterns).  Wenn  die  Galle  in  der  Leber  sich  staut  und
infolge  Erkrankung  der  Gallengänge  die  Galle  ins  Blut  ausgenommen  wird,  so