Gicht.  661

eingeführt.  Mittels  einer  Sammellinse  werden  die  Sonnenstrahlen  so  eingefangen,
  daß  ihr  Brennpunkt  auf  das  Gewächs  fällt,  das  sofort  zu  rauchen
anfängt  und  verkohlt.  Der  Schmerz  hierbei  ist  nur  vorübergehend,  und  nach
kurzer  Zeit  sind  Gewächse  beseitigt.  Ableitende  Bäder  und  kühle  Aufschläge
nehmen  die  Hitze  und  den  Schmerz.

Auch  elektrische  Behandlung  ist  mit  viel  Erfolg  in  solchen  Fällen
angewendet  worden,  dann  gewisse  Pflanzensäfte.

Gicht.  Man  unterscheidet  akute  und  chronische  Gicht.  Kribbeln  in  den
Beinen,  stechende  Schmerzen  in  Zehen  und  Fingern,  ziegelmehlfarbiger  Urin,
Gichtkuoten  in  den  Muskeln  und  an  Gelenken,  schließlich  Steifigkeit  in  den  Gelenken
  sind  die  Symptome  derselben.
  Alkohol  und  Fleischkost
vermehren  den  Zustand.  Das
Wesen  der  Gicht  besteht  in  Ablagerung
  der  Harnsäure,  die
entweder  nicht  vollständig  ausgeschieden
  oder  im  Übermaße
erzeugt  wird,  oft  infolge  zu
reichlicher  Aufnahme  von  Eiweißstoffen.
  Verdauungsstörungen
gehen  dem  Gichtanfall  voran.  —
Man  nennt  die  Gicht  auch  Fig.  375.
„Zipperlein“,  „Podagra".  Bei
starken  Fleischessern  findet  man  sie  sehr  häufig.  An  dem  Widerstand  schwerfälliger
und  verweichlichter  alter  Leute  scheitert  oft  eine  durchgreifende  Behandlung.

Behandlung.  Strenge,  reizlose  Diät,  kein  Fleisch  oder  Alkohol,  aber  viel
Obst,  grünes  Gemüse  und  frisches  Wasser.  Treibende  Stoffe  auf  die  Nieren,  wie
Spargel,  Sellerie,  Petersilie,  dienen  zur  Ausscheidung  der  Harnsalze,  Buttermilch,
  saure  Molken  sind  vorzüglich,  auch  Zitronenkuren  haben  oft  sehr  gut  gewirkt
  (den  Saft  von  vier  bis  fünf  Zitronen,  ebenso  Orangen,  täglich  genossen).
Heiße  Vollbäder,  heiße  Sandbäder,  Heißluftbäder  führen  zu  Umwälzungen  im
Organismus;  die  heftigen  Schmerzanfälle  werden  durch  heiße  Duschen  auf  die
schmerzende  Stelle  mit  nachfolgenden  feuchten  Wickeln  sehr  oft  behoben.  Auch
kalte  Güsse  sind  zuweilen  wirksam.  Kräftige  Körperbewegung,  Radeln,  Rudern,
Bergsteigen,  Reiten,  Schlittschuhlaufen  sind  sehr  notwendig  und  bei  noch  nicht
veraltetem  Zustand  wohl  möglich.  Wer  zu  Hause  diese  Anwendungen  nicht  konsequent
  durchführen  kann,  gehe  in  ein  Sanatorium,  niemals  aber  lasse  man
mäßige,  zeitweilige  Gicht  anstehen,  denn  sonst  sind  Anschwellungen  und  Steifigkeit
  unausbleiblich  und  ein  trauriges  Alter  ist  die  Folge.  Um  sich  über  dieses
härtnäckige  Leiden  aufzuklären,  lese  man  auch  nach,  was  über  Gelenkentzündung
und  Rheumatismus  gesagt  ist.  Eine  Henselkur  neben  vegetarischer  Lebensweise
  wird  auch  hier  um  so  heilender  wirken,  je  früher  man  damit  beginnt.

Brennglasbehandlung.