664  Grübelsucht  —  Gürtelausschlag.

sucht  oder  Blödsinn  folgen.  Nervöse,  zu  Überspanntheit  geneigte  Menschen,
die  mit  ihren  Lebensverhältnissen  unzufrieden  sind,  leiden  oft  in  gewissem
Grade  an  Größenwahnsinn,  doch  merkt  es  ihre  Umgebung  nicht  immer.  —
Wie  man  solchem  Zustand  am  besten  beikommt?  Durch  Herausreißen  aus
den  gewohnten  Verhältnissen,  durch  kräftigende  körperliche  Bewegung,  vor
allem  Bergsteigen  in  heiterer  Gesellschaft,  entsprechende  Bäder,  reizlose  Diät,
Regulierung  der  Verdauung.  Vermeidet  man  es,  auf  die  Ideen  des  Kranken
einzugehen  und  leitet  man  ihn  beharrlich  auf  anderes  ab,  dann  erzielt  man
oft  erstaunliche  Erfolge,  und  der  Kranke  wird  einfach  und  normal  wie  andere
Menschen,  und  zwar  nur,  weil  er  wieder  schwitzen  lernte,  flotte  Darmtätigkeit
wiedergewann  und  in  neuer  Umgebung  schädliche  Lebensgewohnheiten  aufgab.
Fände  sich  nur  in  jedem  Haushalt,  wo  ein  solcher  Kranker  sich  entwickelte,
auch  ein  beobachtendes  Auge  und  eine  energische  Hand,  die  rechtzeitig  handelnd
eingreift  und  dadurch  schweres  Unheil  verhütet!

Grübellsucht.  Sie  ist  bei  nervösen  Personen  männlichen  und  weiblichen
  Geschlechts  zu  beobachten.  Diese  leiden  unter  Zwangsvorstellungen,
die  sie  veranlassen,  über  eine  sogar  unwichtige  Sache  endlos  nachzugrübeln  und
sich  „Gedanken  über  sie  zu  machen“.  Heimliche  Gewissensbisse,  nervöse  Überreizung,
  geistige  überanstrengung,  geschlechtliche  Verirrungen  sind  häufige
Ursachen.  Daher  helfen  ein  gewissenhaftes  Eingehen  auf  vorhandene  Sorgen,
ein  erlösendes,  klärendes  Wort,  von  fremden  Lippen  gesprochen,  anstrengende
körperliche  Arbeit,  angenehme  Zerstreuung  und  körperliche  Kräftigung  durch
eine  angemessene  Kur.  Der  Kranke  selbst  aber  muß  den  Willen  pflegen,
seine  krankhafte  Sucht  zu  überwinden  und  einen  normalen  Seelenzustand
herzustellen.  Leider  wird  dieser  Wille  selten  bei  Frauen  gefunden;  es  müssen
daher  die  Angehörigen  liebevoll  ergänzend  eintreten.

Gurgeln.  Man  läßt  Flüssigkeiten  durch  Beugung  des  Kopfes  nach
hinten  in  die  Rachenhöhle  laufen  und  verhindert  durch  gleichzeitige  Ausatmung,
  daß  es  nach  abwärts  fließe.  Diese  innere  Bespülung  nennt  man
„gurgeln".  Man  täuscht  sich  aber  oft  über  die  Wirkung  dieser  Anwendung,
indem  die  reinigende  Flüssigkeit  nicht  tief  genug  dringt.  Es  ist  daher  bei
Halskrankheiten  das  Ausspritzen  mit  kleiner  Spritze  wirksamer  und  bei  kleinen
Kindern  das  Trinkenlassen  der  Flüssigkeit,  sei  es  nun  kaltes  reines  Wasser  oder
zitronensaures.  Vor  mineralischen  Gurgelwässern  sei  eindringlichst
gewarnt,  da  sie  zu  zahlreichen  Vergiftungen  geführt  haben.

Gürtelausschlag.  Man  nennt  ihn  auch  „Gürtelrose“.  (Herpes
2oster,  siehe  unsere  Tafel  24.)  Er  besteht  aus  Bläschen,  welche  brennen  und
stechen  und  die  Gürtelgegend  bedecken,  und  zwar  im  Verlauf  eines  Nervenastes.
Sie  gehen  auch  in  Eiterung  über  und  können  wochenlang  anhalten.  Mit  Mandelöl
bestrichene  weiche  Lappen  lege  man  auf  und  mache  ableitende  Anwendungen
(Waden-,  Armpackung,  Wechselfußbäder,  kühle  Klystiere),  worauf  bald  Besserung
  eintritt.  Wasseraufschläge  wirken  anfangs  reizend  und  ziehen  auch  Eiter,